Euro 5 und 6 EU-Parlament beschließt strengere Abgasnormen

Das Europäische Parlament hat die neuen Grenzwerte für den Schadstoffausstoß von Pkw beschlossen. Die Abgasnorm Euro 5 soll ab Mitte 2008 europaweit umgesetzt werden. Die EU spricht von einem Erfolg; der Verkehrsclub Deutschland kritisiert die Norm als "langsam und lasch".


Straßburg - "Durch schlechte Luftqualität haben wir in Europa jedes Jahr 370.000 vorzeitige Sterbefälle zu beklagen. Diese erschreckende Zahl muss minimiert werden", sagte Matthias Groote (SPD) heute vor dem EU-Parlament in Straßburg, das heute die Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 beschlossen hat. Damit werden vor allem die Grenzwerte für die als Krebs erregend geltenden Dieselpartikel so stark gesenkt, dass nach jetzigem Stand der Technik Diesel-Pkw nur noch mit Partikelfiltern angeboten werden können.

Die Euro-5-Norm soll ab dem 1. September 2009 in Kraft treten. Darin wird der Grenzwert für den Ausstoß von Stickstoffoxid bei 60 mg/km bei Pkw mit Benzinmotor und bei 180 mg/km bei Pkw mit Dieselmotor festgelegt. Der Grenzwert für Rußpartikel wird im Vergleich zu Euro 4 um 80 Prozent von 25 mg/km auf 5 mg/km gesenkt. Die HC-NOx-Emissionen von Dieselmotoren dürfen dann noch 230 mg/km betragen. Die Grenzwerte von Kohlenstoffmonoxid (CO) bleiben unverändert auf dem Euro-4-Niveau von 1000 mg/km bei Benzinmotoren und 500 mg/km bei Dieselmotoren.

Bereits jetzt Euro 6-Werte festgelegt

Gleichzeitig legt die Verordnung bereits Standards für Euro 6 vor, damit die Industrie bereits klare Informationen über die künftigen Emissionsgrenzwerte erhält. "Wir haben jetzt einen Vorschlag auf dem Tisch, der für die nächsten zehn Jahre strenge Emissionswerte festlegt und zugleich Anreize und Klarheit für technologische Innovationen schafft", sagte Günter Verheugen, EU-Kommissar für Unternehmen und Industrie, in der Parlamentsdebatte. Euro 6 soll ab 1. September 2014 für Pkw eingeführt werden.

Emissionen, die bisher nicht geregelt sind und die durch den verstärkten Einsatz neuartiger Kraftstoffe und neuer Motoren- und Abgasreinigungstechnik an Bedeutung gewinnen, soll die Kommission im Auge behalten und gegebenenfalls dem EU-Parlament und dem -Rat einen Vorschlag zur Regelung dieser Emissionen vorlegen.

Erste Reaktionen

Im Europäischen Parlament zeigte man sich mit den beschlossenen Regelungen zufrieden. "Mit den neuesten umweltrelevanten Standards ausgestattet, werden die Autos, mit der neuen Gesetzgebung, ab 2009 weniger Stickoxide und Partikel in die Luft emitieren", erklärte Groote. Er betonte außerdem, "dass die vorliegende Euro-5-Verordnung ein gutes Beispiel für den Bürokratieabbau in Europa ist". Durch die neue Verordnung werden 25 Richtlinien aufgehoben.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert hingegen den von der EU verabschiedeten Kompromiss. "Aus Umweltsicht ist es völlig unzureichend, was die EU heute auf den Weg gebracht hat. Die Schadstoffwerte sind zu lasch und die Übergangsfristen viel zu lang", verkündete VCD-Bundesvorstand Hermann-Josef Vogt heute in einer Pressemitteilung.

Vor allem im Bereich der Stickoxid-Emissionen fehlten dem Beschluss anspruchsvolle Vorgaben. Das Ausmaß des Politikversagens werde deutlich, wenn man über den Atlantik schaue: "In Kalifornien und vielen weiteren Bundesstaaten der USA gelten bereits seit September dieses Jahres strengere Stickoxid-Grenzwerte für Pkw, als die EU für Ende 2014 vorsieht", kritisierte Müller.

Die dreijährige Übergangsfrist für die Umsetzung der Normen bei Geländewagen sei schlicht "grotesk". Gerade die "Spritfresser" dürften damit am längsten Schadstoffe in die Atemluft blasen.

ssu



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