Umweltschutz EU will CO2-Grenzwerte für Lkw einführen

Die Abgase von Lastwagen haben einen großen Anteil an der Luftverschmutzung. Anders als bei Autos gelten für sie aber keine Vorgaben für den Ausstoß von Kohlendioxid. Das soll sich nun ändern.

Lastwagen auf einer Autobahn
DPA

Lastwagen auf einer Autobahn


Im Kampf für den Umweltschutz will die EU-Kommission erstmals auch für Lastwagen Kohlendioxid-Grenzwerte festlegen. Das geht aus dem Entwurf eines EU-Klimaschutzpakets hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Die Vorschläge sollen am Mittwoch offiziell vorgestellt werden. Dem Entwurf zufolge schlägt die EU vor, den Kohlendioxid-Ausstoß und den Spritverbrauch von Lkw zunächst mit einem neuen Testverfahren genau zu erfassen und dann Grenzwerte festzulegen. Zudem sollen neue Effizienzwerte für Auto- und Transporter gesetzt werden. Bis 2030 will die EU ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken.

Bislang gelten in der EU nur für Pkw und Kleinlastwagen Grenzwerte für die Emission von Kohlendioxid (CO2). Hier gilt: Ab 2021 sollen die Fahrzeugflotten der Hersteller im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen.

Die Hersteller wehren sich bereits

Bei den Lkw gibt es derzeit zwar die Euronorm, die den Ausstoß verschiedener Schadstoffe wie zum Beispiel Stickstoffdioxid (NO2) regelt. Kohlendioxid ist dabei aber nicht erfasst. Lastwagen sind laut der EU-Kommission jedoch für etwa ein Viertel der CO2-Emissionen im europäischen Straßenverkehr verantwortlich.

Viele Hersteller, darunter VW, Daimler und Renault, wehren sich gegen die Einführung der Grenzwerte für Lkw. Bis sich die EU-Staaten auf verbindliche Gesetze einigen wird es zäher Verhandlungen bedürfen - ähnlich wie zuletzt bei der Verschärfung der Grenzwerte für Pkw. Eine der spannendsten Fragen wird sein: Wie verhält sich die Bundesregierung?

Bislang konnte sich die Fahrzeugindustrie fast immer der Unterstützung von Angela Merkel sicher sein. Doch vor der Klimakonferenz von Paris im vergangenen Jahr machte sich die Kanzlerin persönlich für die Dekarbonisierung stark: Das Vorhaben, eine Wirtschaft frei von kohlenstoffhaltigen Abgasen zu schaffen.

Die nun geplante Verschärfung der Abgasgesetze geht auf die Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz zurück. Jetzt will die EU offenbar ihre mittelfristigen Ziele präzisieren und nimmt dabei vor allem den Verkehrs- und Landwirtschaftssektor ins Visier.

Während bei der Energiewirtschaft und der Industrie versucht wird, den Klimaschutz über den Handel mit Abgasrechten zu regeln, die zunehmend verknappt werden, gilt dies für andere Sektoren nicht. Der Verkehrssektor hat seinen CO2-Ausstoß in den vergangenen Jahren etwa in Deutschland praktisch nicht reduziert.

cst/Reuters



insgesamt 147 Beiträge
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citizen01 15.07.2016
1. Klar, die EU hat auch keine anderen Probleme.
Glaubt irgendjemand, diese Normen werden in den wirtschaftlich wächeren Regionen Europas eingehalten? Also lieber gleich vergessen! Brüssel sollte endlich lernen, einfach mal die Füße stillzuhalten! Sicher schwer für die immerhin 28 Kommissare mit ihren Verwaltungen, die sich irgendwie profilieren wollen. Lieber mal den eigenen Bereich durchforsten und ausmisten!
lukapp 15.07.2016
2. Wilhelm II., Kaiser von Deutschland
Manchmal glaube ich an Wiederauferstehung. Wilhelm Zwo hielt nichts vom Automobil, er setzte auf das Pferd. Vielleicht hatte er doch recht? Voll ökologisch, Nahrung ist klimaneutral, essen kann man es auch, aus der Haut Leder für Mäntel und Schuhe, aus den Hufen Dünger für die Blumen und fürs Gemüse, aus den Kiefern Waffen für den Nahkampf usw. Machen Sie das mal mit einem LKW... Die EU-Behörde scheint auf dem richtigen Weg...
wastl300 15.07.2016
3. Die fiktiven Ziele
Das wird nicht funktionieren. Den ganzen Transport auf die Straße verlegen, Bahn reduzieren. Kostengünstig im Ausland produzieren, und nach D transportieren. Autos immer größer, stärker und schwerer machen. Dann von Klimazielen reden,...ts, ts
larsmach 15.07.2016
4.
Zitat von citizen01Glaubt irgendjemand, diese Normen werden in den wirtschaftlich wächeren Regionen Europas eingehalten? Also lieber gleich vergessen! Brüssel sollte endlich lernen, einfach mal die Füße stillzuhalten! Sicher schwer für die immerhin 28 Kommissare mit ihren Verwaltungen, die sich irgendwie profilieren wollen. Lieber mal den eigenen Bereich durchforsten und ausmisten!
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gerade exakt beschrieben, wozu die Europäische Union Nutzen stiftet: Großräumige Probleme wie Luftqualität und Umweltschutz lassen sich in einem einzelnen Land kaum umsetzen - wegen möglicher Wettbewerbsnachteile gegenüber seinen Nachbarn. Die EU als Binnenmarkt mit dem größten Bruttosozialprodukt des Planeten kann genau solche Dinge koordinieren und flächendeckend einführen!
Dogbert 15.07.2016
5. Mal sehen
ob die "Fachleute" ähnliche, nicht einhaltbare Fabelwerte bei LKW festlegen wie sie es bwi den PKW getan haben. Bei LKW Kunden zählt der sparsame Spritverbrauch als Hauptkaufargument, dementsprechend sind die Motoren konstruiert, es ist wenig wahrscheinlich das hier technisch Riesensprünge überhaupt machbar sind.
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