Unerlaubte Bewegungsprofile Europcar muss Strafe für Kundenbespitzelung zahlen

Der Autovermieter Europcar hat jahrelang heimlich Mietwagen per GPS-Ortung überwacht. Damit wurden ohne Einverständnis der Kunden Bewegungsprofile erstellt. Das Vorgehen flog zufällig auf - jetzt werden 54.000 Euro Bußgeld fällig.
Europcar-Zentrale: "Schwerer Eingriff in das Persönlichkeitsrecht"

Europcar-Zentrale: "Schwerer Eingriff in das Persönlichkeitsrecht"

Foto: Europcar

Datenschützer sprechen von einem "schweren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht": Seit mindestens acht Jahren war es bei der Autovermietung Europcar üblich, die Reisen ihrer feineren Kundschaft via Satellit zu verfolgen. In 1.300 Fahrzeugen der Premium-Kategorie waren GPS-Systeme installiert. So wusste das Hamburger Unternehmen immer, wo sich ihre Mercedes E-Klassen, 5er BMWs oder Audi Q7 aufhielten. Den Mietern wurde dagegen nichts von der Überwachung erzählt.

Die Praxis flog erst auf, als im Januar 2012 im Zuge eines Gerichtsverfahrens Daten aus diesen Aufzeichnungen auf den Tisch kamen. "In diesem Zusammenhang wurde eine Beschwerde bei uns eingereicht", sagt Arne Gerhards, der Sprecher des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Die Behörde konfrontierte Europcar daraufhin am 30. März mit den Vorwürfen und forderte das Unternehmen auf, die Überwachung einzustellen.

Laut Angaben der Datenschützer gab Europcar bei dem Gespräch zu Protokoll, einen Dienstleister für Flottenmanagement mit der Ortung beauftragt zu haben. Die Überwachung werde nur in bestimmten Gebieten aktiviert. Dadurch sollte kontrolliert werden, ob sich der Mieter an die Vertragsvereinbarung halte, da die Benutzung der Fahrzeuge in einigen Ländern ausgeschlossen ist. "Wir erhielten außerdem die Zusage von Europcar, die heimliche Ortung abzustellen", sagt die zuständige Referentin der Hamburger Datenschützer, Patricia Galow.

Beim Nachhaken stießen die Datenschützer auf neue Erkenntnisse

Als die Behörde am 26. April 2012 bei dem Dienstleister nachprüfte, ob sich die Autovermietung an das Versprechen hielt, kamen weitere Ungereimtheiten ans Tageslicht: "Zum einen stellten wir fest, dass die Überwachungen immer noch durchgeführt wurden", sagt Galow, "zum anderen, dass die Ortung alle 48 Stunden stattfindet - unabhängig davon, in welchem Land sich das Fahrzeug befindet. Außerdem erfolgte eine automatische Datenübermittlung, wenn die Autos in bestimmte Hafengebiete gesteuert wurden." Neben dem Standort der Wagen wurden demnach auch Datum, Zeit und die Geschwindigkeiten aufgezeichnet.

Dafür wurde dem Autovermieter nun ein Bußgeld von 54.000 Euro aufgebrummt. Der Vorwurf gegen das Unternehmen lautet unrechtmäßige Erhebung und Speicherung personenbezogener Daten. "Durch die anlasslose Ortung wurden die Mieter regelmäßig unter einen Generalverdacht gestellt", heißt es aus der Datenschutzbehörde.

Weitere Nachforschungen geplant

Mittlerweile habe Europcar die 48-Stunden-Ortung abgestellt, teilen die Datenschützer mit. Europcar selbst ließ verlauten, die Mietverträge "entsprechend ergänzt" zu haben. Die Mieter müssten sich nun mit der Überwachung für bestimmte Länder einverstanden erklären. Bei den Ortungen habe es sich ohnehin um eine "rein defensive Maßnahme" gehandelt, teilt das Unternehmen mit.

"In Hamburg werden nun auch andere Anbieter überprüft werden. Ob solche Kontrollen auch in anderen Bundesländern stattfinden, liegt im Ermessen der jeweiligen Landesdatenschutzbeauftragten", sagt Patricia Galow.

cst
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