Exagon Furtive eGT Flüster-Flitzer aus Frankreich

Die großen französischen Hersteller setzen auf kreuzbrave, alltagstaugliche Elektroautos - fürs Auge ist das nichts. Doch nun baut eine kleine gallische Firma einen feschen E-Sportwagen. Bislang gibt es erst einen Prototypen auf dem Salon in Paris. 2012 aber soll die Serienfertigung starten.

Tom Grünweg

Schicke Elektroautos werden in Kalifornien von Tesla und Fisker gebaut, und auch die deutschen Hersteller zeigen immer wieder rassige Elektro-Prototypen - wie etwa den Mercedes SLS mit Elektroantrieb oder die E-tron-Typen von Audi. Ausgerechnet aus Frankreich aber, dem Land der Mode und des Savoir Vivre, kommen bislang die pragmatischen E-Autos. Das ändert sich gerade ein wenig, und es liegt an Luc Marchetti. Der Chef der Firma Exagon Engineering aus Magny-Cours ließ einen elektrisch angetriebenen Gran Turismo entwickeln, der es vielleicht einmal mit Porsche 911, Maserati GT oder einem Aston Martin aufnehmen soll.

Optisch gelingt ihm das schon heute. Das Design des 4,47 Meter langen 2+2-Sitzers, der gerade Weltpremiere auf dem Autosalon in Paris feiert, zeigt ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Kurven und Kanten. Schön flach gehalten, sehnig und schlank wirkt der Furtive angenehm vertraut, ohne dass sich sofort nach Parallelen zu anderen Sportwagen aufdrängen. Und zugleich wirkt das Auto so frisch und neu, dass man ihm den zukunftsweisenden Anspruch abnimmt.

Noch aber gibt es nur diesen einen, von Hand gebauten aber immerhin fahrbereiten Prototypen. Doch Marchetti und seine Mitstreiter sind selbstbewusst genug, um das Auto zur Serienreife zu bringen. "Wir haben einen konkreten Zeitplan", sagt Vetriebschef Eric Mathiot. Das glaubt man gleich, denn das Projekt wurde erst vor nicht einmal einem Jahr gestartet. "Das kommende Jahr brauchen wir noch für Entwicklung und Tests, aber 2012 beginnt in unserer Fabrik direkt an der Formel-1-Strecke von Magny-Cours die Serienproduktion." Parallel dazu soll die Belegschaft aufgestockt werden. "Heute hat Exagon 45 Mitarbeiter, nächsten Monat kommen zehn dazu, und ab 2011 arbeiten bei uns mehr als 100 Leute." Sie sollen ab 2012 zwischen 100 und 120 Autos im Jahr bauen. Ein Preis ist auch schon grob kalkuliert, Mathiot nennt 200.000 Euro als Richtwert.

Der Gran Turismo wurde von Anfang an als Elektroauto entwickelt, was konstruktive Vorteile mit sich bringt. So sind zum Beispiel die Lithium-Ionen-Akkus platzsparend und schwerpunktsenkend im Wagenboden integriert. Und die Karosserie wird komplett aus Karbon gebacken, um das Gewicht zu senken. Der Exagon Furtive eGT wiegt etwa 1,6 Tonnen.

Wer mit 50 dahinzockelt, kommt 400 Kilometer weit

In Fahrt gebracht wird das Auto von zwei extrem kompakten Elektromotoren mit zusammen 340 PS und maximal 480 Nm. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 in 3,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 287 km/h - kein anderes Serienauto aus Frankreich ist momentan so schnell. "Die Reichweite der Akkus hängt natürlich vom Fahrstil ab", sagt Mathiot. Wer nicht schneller als 130 Sachen fahre, komme knapp 200 Kilometer weit. "Bei Tempo 50 erreicht der Furtive sogar mehr als 400 Kilometer", sagt der Vertriebschef.

Er merkt aber schnell, dass diese Angabe nur mitleidiges Lächeln hervorruft. Wer kauft einen Sportwagen, um dann mit Tempo 50 dahinzuzockeln? Aber die Exagon-Entwickler haben weiter gedacht. Als Option gibt es für den Wagen nämlich einen so genannten Range Extender. Der kleine Verbrennungsmotor springt bei nachlassender Batteriespannung unterwegs an und lädt - ähnlich wie ein Dynamo - die Akkus während der Fahrt wieder auf. Aus 25 Liter Benzin wird so Strom für weitere knapp 500 Kilometer.

Ein Sportwagen-Projekt zum Ruhme Frankreichs

Das Team von Exagon Engineering hat durchaus Erfahrung. "Die meisten Mitarbeiter kommen von anderen Unternehmen aus der Branche", sagt Mathiot. Er selbst verantwortete bis vor kurzem noch das Marketing von Kia in Frankreich. Und kompetente Partner sind auch im Boot: Die Akkus stammen vom Großserienlieferanten Saft und die Motoren von Siemens.

Für Vertriebschef Mathiot ist der Furtive aber nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein Projekt der nationalen Ehre. Und so wird in den Unterlagen des Unternehmens immer wieder auf die französischen Wurzeln des Autos hingewiesen. Auch das Markenzeichen und der Markenname zeugen vom Patriotismus. Exagon bedeutet Sechseck, und das ist, stark vergröbert, die Form Frankreichs auf der Landkarte. Und natürlich wird auch das Logo von einem Sechseck gebildet. Na dann: Vive la France!

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.