Exklusivität serienmäßig Ganz was Feines

Wenn Rolls-Royce oder Bentley nicht außergewöhnlich genug sind und Ferrari oder Lamborghini ebenfalls zu normal - dann hilft nur noch ein Auto von einem Kleinst- oder Prototypen-Hersteller. In Genf sind einige dieser Extra-Exklusiv-Exemplare zu sehen.

Von Jürgen Pander


Die Turiner Firma Stola rühmt sich, sie sei die allererste "Haute-Couture-Automarke" der Welt. Der Grund steht auf dem Stand des Unternehmens, das sein Geld mit dem Prototypen und Kleinserienbau für große Hersteller verdient, und er hat keinen Namen. Denn das ist schon die erste Überraschung: Jeder, der eines der auf 25 Exemplare limitierten Serie dieses Stola-Autos kauft, darf den Namen selbst bestimmen. Und natürlich dürfen die Kunden so gut wie alles andere auch maßgeschneidert bestellen: Farben, Materialien, Ausstattung, Details.

Noch ist nicht ganz klar, ob das Konzept aufgehen wird. Aber ein Sprecher von Stola sagte zu SPIEGEL ONLINE, dass die Autos "mit hoher Wahrscheinlichkeit" gebaut würden - vorausgesetzt es finden sich Kunden, die zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro in so ein fahrendes Objekt investieren möchten. Die Grundform des Wagens mag einem bekannt vorkommen - es handelt sich nämlich um den vor zwei Jahren vorgestellten Maybach Exelero, ein Rekordauto, das von Rennfahrer Klaus Ludwig auf bis zu 351 km/h beschleunigt wurde.

Bei Stola entstand damals das Karosseriemodell des Wagens - und nun formten die Italiener dieses Auto nochmals ein wenig um, damit es jetzt unter eigener Regie gebaut und verkauft werden kann. Der Motor des noch namenlosen Fahrzeugs wird von Brabus beigesteuert - ein 6,3-Liter-Zwölfzylinder-Biturbo mit 750 PS sowie einem Drehmoment von 1360 Nm, der das Auto auf mehr als 330 km/h beschleunigen soll.

Ein Extra-Auto zum Formel-1-Debüt

Ähnlich exklusiv ist der auf dem Genfer Salon vom deutschen Formel-1-Fahrer Adrian Sutil enthüllte Spyker C12 Zagato die Auflage ist auf 24 Exemplare begrenzt. Der Sportwagen der holländischen Firma wurde zur Feier des Formel-1-Debüts des Kleinserienherstellers aufgelegt, das Design dieses Sondermodells stammt von Norihiko Harada, dem Chefkreativen der italienischen Firma Zagato. Den Heckantrieb des Autos besorgt ein W12-Motor mit 500 PS aus dem VW-Konzern, die Höchstgeschwindigkeit soll bei 310 km/h liegen, der Preis exklusive Steuern bei 495.000 Euro.

Bei einem weiteren Modell, dem Diatto Ottovù von Zagato, ist noch nicht ganz klar, ob es überhaupt gebaut wird. Der Wagen wurde von zwei Sammlern in Auftrag gegeben, der Besitzer der Markenrechte von Diatto stimmte zu. Diatto nämlich, das Unternehmen wurde bereits 1835 gegründet und baute 1905 sein erstes Auto (1932 wurde die Produktion eingestellt), gehört zu den großen Namen der italienischen Automobilgeschichte. Bereits 1921 fertigte der Karosserieschneider Ugo Zagato Aufbauten für Diatto-Fahrgestelle. Dies soll sich nun, sofern die finanziellen Grundlagen passen, wiederholen. Der Prototyp entstand in nur drei Monaten auf einem Chassis aus den USA, in das ein Roush-Motor eingepflanzt wurde. Der 4,6-Liter-V8 leistet mehr als 500 PS und soll den Wagen auf 300 km/h beschleunigen. Der von Zagato wundervoll gestaltete Sportwagen würde nach Angaben eines Firmensprechers rund 300.000 Euro kosten.

Der Wasserstoffmotor sitzt neben dem Fahrer

Noch weiter in der Zukunft ist der Vadho von Guigiaro Italdesign angesiedelt. Die Firma aus dem Industriegebiet Vado in Moncalieri hat sich ein Auto ausgedacht, das schon auf den ersten Blick seinen fortschrittlichen Antrieb deutlich machen soll. Denn in der rechten Hälfte des 4,55 Meter langen Fahrzeugs ist ein Zwölfzylinder-Wasserstoff-Antrieb von BMW untergebracht. Auf der linken Seite wiederum sitzen die beiden Passagiere unter einer Kuppel aus Polycarbonat, und zwar hintereinander.

Gesteuert wird der Wagen komplett elektrisch, das heißt mit "by wire"-Technik. Statt eines Lenkrads greifen die Hände des Fahrers zu Joysticks. Ob der Vadho jemals gebaut wird oder nicht - er demonstriert einen neuen gestalterischen Ansatz für Autos, die mit zukunftsweisenden Antrieben ausgestattet sind. Denn nur so lassen sich womöglich die neuen Techniken optimal um- und einsetzen. Das soll keiner als Spinnerei abtun - nach Angaben von Giugiaro erfüllt der Vadho sämtliche gesetzlichen Vorschriften einschließlich der jüngsten Bestimmungen zum Fußgängerschutz.



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