Experten geben Antwort Welches Auto ist intelligent?

Man kann den IQ eines Menschen messen und versuchen, seine soziale oder emotionale Intelligenz zu erfassen. Aber bei einem Auto? SPIEGEL ONLINE hat Experten unterschiedlichster Couleur nach ihrer Definition eines intelligenten Autos befragt. Hier sind die Antworten.

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft, FH Recklinghausen:
Die Mercedes S-Klasse ist durch ihr aktives Sicherheitspaket im Bereich der Verkehrssicherheit sehr schlau. Hinzu kommt Intelligenz im Antrieb und Fahrwerk (Motorsteuerung, Getriebesteuerung, etc.) und Intelligenz im Komfort (Multikontursitz). Nach meiner Einschätzung ist damit in der Summe die S-Klasse das derzeit intelligenteste Serienfahrzeug. Dicht auf den Fersen der S-Klasse ist der Lexus LS 600. Das ist nahezu ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Renate Künast, Fraktionsvorsitzende Die Grünen: Öffentliches Null-Emissions-Auto

Renate Künast, Fraktionsvorsitzende Die Grünen:
Das intelligente Auto befördert die Frage nach dem CO2-Ausstoß ins Technikmuseum. Es fährt ohne Öl und ist Teil einer Mobilitätskette, die die Vorteile der verschiedenen Verkehrsmittel klug verbindet. Mein Ausblick: Im Jahr 2020 steht an der Straßenecke ein 'öffentliches Null-Emissions-Auto' als Ergänzung zum Rad und Bus & Bahn. Buchbar mit dem Handy, Bezahlung per Telefonrechnung. Für den Familienausflug nehme ich ein größeres Fahrzeug, für die Kiste Wasser oder Bier reicht ein kleineres Auto, in den Urlaub geht es per Bahn. Falls ich dort ein Auto brauche, steht es bereits am Zielbahnhof.

Peter Meyer, Präsident des Automobilclubs ADAC: Faktor Mensch

Peter Meyer, Präsident des Automobilclubs ADAC:
Der intelligenteste Faktor im Auto sollte nach wie vor der Mensch sein. Er vermeidet als Fahrer durch verantwortliches Verhalten Unfälle, fährt Sprit sparend und denkt auch beim Fahrzeugkauf an die Umwelt. Aber auch diejenigen Menschen, die unsere modernen Autos entwickeln, sind gefordert. Ihr Anspruch sollte es sein, stets in optimaler Weise die Balance zwischen Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit zu finden. Fazit: Die Intelligenz eines Autos steht in direkter Abhängigkeit zum Fahrer.

Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister: Sparsamkeit ist Trumpf

Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister:
Das Automobil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Das Interesse am Auto ist ungebrochen, für die Umwelt nicht immer ganz einfach. Gesetzliche Auflagen haben die Fahrzeuge sauberer und leiser gemacht. Das Auto muss jetzt vor allem noch sparsamer werden.
Die Europäische Kommission hat im vergangenen Jahr die Initiative 'Intelligentes Fahrzeug' gestartet mit dem Ziel, die Verkehrssysteme effizienter zu gestalten. Für das Auto bedeutet dies, Kraftstoffe effizienter zu nutzen oder auch mit Hilfe von Informationen über das Straßennetz in Echtzeit Staubildung zu reduzieren. Das moderne Auto wird über noch mehr Elektronik verfügen.


Elektronik im Auto - wie elektronische Einspritzsysteme oder elektronische Steuer- und Regeleinheiten - hat bereits dazu geführt, die Emissionen weiter zu mindern und damit die Fahrzeuge sauberer zu machen. Das Potential, das hier besteht, muss ganz ausgeschöpft werden, um die Umweltverträglichkeit und natürlich auch die Sicherheit des Autos weiter zu verbessern.


Das 'intelligente Auto' ist für mich aber letztlich ein Zusammenspiel zwischen einem technisch ausgereiften Fahrzeug und einem intelligenten Fahrer. Die gebotenen Möglichkeiten werden nur dann zum Vorteil, wenn sie durch ein angepasstes Fahrverhalten auch zum Tragen kommen. Das intelligente Auto muss in der Lage sein, dies leicht zu vermitteln. Dazu gehört auch, dass den Verbraucherinnen und Verbrauchern klare Informationen über die umweltrelevanten Aspekte an die Hand gegeben werden, zum Beispiel über den CO2-Ausstoß. Der Fahrer oder die Fahrerin selbst können bereits beim Kauf und anschließend mit einem Sprit sparenden Fahrstil zu einem umweltverträglicheren Verkehr beitragen.

Helge Thomsen, Herausgeber und Chefredakteur des Magazins "Motoraver": Ohne Hilfen besonnen durch den Verkehr

Helge Thomsen, Herausgeber und Chefredakteur des Magazins "Motoraver": Es gibt kein intelligentes Auto, so viel schon mal vorab. Zugegeben, Autos sind in den letzten Jahrzehnten sicherer geworden. Elektronische Fahrhilfen, Navigationssysteme, Einparkhilfen und Warnsysteme sorgen für vorzeigbare Unfallstatistiken und wiegen den stolzen Leasingnehmer in Sicherheit. Guten Gewissens verlässt er sich auf seine kleinen Helfer. Wenn trotzdem etwas passiert, war das Auto schuld. Das blöde Ding hat einfach verrückt gespielt.

Das Fehlen sämtlicher Hilfen, wie es bei einem Old- oder Youngtimern der Fall ist, führt automatisch zu einer vorausschauenden Fahrweise mit gesundem Verstand, Respekt vor physikalischen Gesetzmäßigkeiten und intelligentem Umgang im Verkehr. Ein intelligentes Auto ist also gar keines, wenn es dem Fahrer das Denken und Reagieren abnimmt. Außer es heißt K.I.T.T.

Matthias Wissmann, designierter Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): Das sprechende Auto

Matthias Wissmann, designierter Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA):
Das intelligenteste Auto fährt nicht nur umweltfreundlich, sondern unterstützt den Fahrer während der gesamten Fahrt. Es vermeidet Risiken und Unfallgefahren und findet stets eine staufreie und schnelle Route zum Ziel. Viele 'elektronische Assistenten' mit enormer Rechnerleistung – vor allem bei der Motor- und Bremssteuerung – helfen dem Fahrer.

All das können moderne Autos deutscher Hersteller heute schon. Auch deshalb sind die Unfallzahlen so niedrig wie nie zuvor. In Zukunft wird das Auto mittels Car-to-Car-Communication sogar mit anderen Fahrzeugen 'sprechen' können, sich von diesen Informationen geben lassen und damit weiter 'sehen' als der Fahrer: Das intelligente Auto auf dem Weg zum 'vernetzten Denken'. Es wäre aber nicht das intelligenteste Auto, wenn es nicht dem Fahrer die Freude und Freiheit am Fahren lassen würde – und gleichzeitig auch die Verantwortung für sein Handeln.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD): Das geteilte Auto

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD):
Intelligent sind solche Autos, die ihren Zweck, Menschen oder Güter zu transportieren, erfüllen – zu günstigen Kosten für den Besitzer sowie für die Umwelt. Vor allem kommt es auf die Nutzung an. Das privat genutzte Auto steht im Durchschnitt 23 Stunden am Tag. In der Industrie wird keine so teure Maschine so kurz genutzt. Das intelligente Auto soll also fahren, viel fahren.

Das tut es beispielsweise als Car-Sharing-Auto, das durchschnittlich zehn private Autos ersetzt. Vorteil für den Car-Sharer: Er kann heute mit dem Kleinwagen fahren, morgen mit einem Van, um einen Großbildfernseher zu transportieren und am Wochenende mit dem Cabrio einen Ausflug machen. Oder als Taxi. Das muss ökonomisch sein, es sollte groß, bequem und leise sein. Ein intelligentes Modell hierfür ist der Erdgas-Zafira von Opel: sauber, niedriger Kraftstoffverbrauch. F

ür die moderne Großstadtfrau macht ein moderner Kleinwagen mit Benzinmotor Sinn. Für den statusbewussten Hightech-Unternehmer stellt der Toyota Prius mit Hybridantrieb einen Quantensprung an Verbrauchseinsparung und Intelligenz im Vergleich zum bisher genutzten 7er BMW dar. Letztlich kommt es vor allem auf die Intelligenz der Nutzer an. Die können durch ihre Fahrzeugwahl und vorausschauendes, spritsparendes Fahren viel zum Klimaschutz und der Verkehrssicherheit beitragen.

Othmar Wickenheiser, Professor für Transportation-Design an der FH München: Design muss überzeugen

Othmar Wickenheiser, Professor für Transportation-Design an der FH München:
Schließt man sich der wissenschaftlichen Meinung an, der Mensch unterscheide sich vom Tier insbesondere insofern, als man nur der ersten Gattung die Intelligenz als eine geistige diskursive Fähigkeit im Sinne der Scholastik zuschreibt, wird man sich bei der Fragestellung nach dem intelligentesten Auto – also einem technischen Produkt – wohl nicht die banale Analogieerörterung neuronaler Netze, wie diese in Robotern mit 'künstlicher Intelligenz' zu finden sind, vom Designexperten erhofft haben.

Der Fokus liegt bei der Gestaltung von Fahrzeugen somit nicht auf der 'Artificial Intelligence', wie diese von Stuart Russel und Peter Norvig in ihrem Standardwerk beschrieben wird, sondern beim Automobildesign geht es um die intellektuelle Fähigkeit, dem ingeniösen dynamischen Wunderwerk Automobil mit einem künstlerisch wissenschaftlichen Ansatz einen ästhetischen Ausdruck zu verleihen und somit dem technischen Produkt eine Seele zu geben. Intelligentes Automobildesign – wie es an der Fachhochschule München gelehrt wird - spricht daher in seiner Formgebung den Intellekt, also die Wahrnehmung und das Erkenntnisvermögen der Menschen, in besonderer Weise an.

Im Unterschied zu der gängigen Meinung, die oft die Emotionen als das Gegenteil der verstandesmäßigen Betrachtung einschätzt, glaube ich jedoch, dass – wie in der Kunstbetrachtung, die ohne intellektuelle Auseinandersetzung zum Beispiel lediglich das bloße Sehen einer Skulptur, aber nicht die künstlerische Wertschätzung zur Folge hätte – auch die Beziehung des Menschen zum intelligenten Automobil im Wesentlichen vom formalen Zugang also dem Design des Exterieurs und Interieurs geprägt wird. Das intelligenteste Auto ist somit das mit überzeugendstem Design.

Ein Fahrzeug so gestalten, dass die Menschen erwartungsgemäß darauf reagieren, gerne mit dem Produkt eine persönliche Bindung eingehen und sich damit identifizieren ist ein Zeichen von formensprachlicher Intelligenz, die für Individuen eben nur individuell zu beantworten ist. Für mich ganz persönlich ist dies der Porsche 911.

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