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Fornasari Thor: An der Grenze zum Militärfahrzeug

Foto: Tom Grünweg

Extrem-Geländewagen Thor Kolossale Torheit

Waldwege? Kleinigkeit. Wüsten, Wasserläufe, Waffenbeschuss? Kein Problem. Den in Genf vorgestellten Extrem-SUV Thor kann praktisch nichts stoppen. Militärische Spezialausrüstung macht den 600 PS starken Hobbypanzer zum idealen Rettungsauto - oder zum perfekten Despoten-Dienstwagen.

Genfer Autosalons

Auf den wäre vermutlich auch James Bond neidisch: Wo der Geländewagen Thor auftaucht, wirken die Autos von 007 wie billiges Spielzeug. An die Eleganz eines Aston Martin reicht der Allradler zwar nicht heran, doch er ist ein Kaliber für sich. Entwickelt wurde das Monsterauto vom italienischen Kleinserienhersteller Fornasari und dem österreichischen Spezialausrüster AstroBionix. Der Wagen ist schier unverwundbar, vollgestopft mit Kampf- und Rettungstechnik sowie ein bärenstarker Racer. Vor allem aber ist er kein cineastisches Phantasieprodukt, sondern der schräge Star des . Bereits in wenigen Monaten soll sich der Wagen in den Krisengebieten dieser Welt bewähren.

Der Kopf hinter dem Projekt ist Gian-Marco Cabibbe. Er lernte sein Handwerk als Umrüster für Bigfoot-Jeeps, die in Island zum Einsatz kommen. Später tunte er in den USA jahrelang Geländewagen, danach gründete er in Österreich die Firma AstroBionix. Die Geschäftsidee: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge für extreme Bedingungen zu konstruieren. Bislang jedoch fehlte Cabibbe das richtige Basisfahrzeug. "Ich habe drei Jahre lang experimentiert und jeden erdenklichen Geländewagen ausprobiert - keiner hielt durch", erzählt der Entwickler.

Nun wurde er doch noch fündig, bei Fornasari. Der italienische Karosseriebauer fertigt nicht nur eigenwillige Crossovermodelle aus Sport- und Geländewagen, die aussehen wie ein höhergelegter Porsche 911, sondern auch einen radikalen Buggy. "Das ist ein Wüstenrennwagen mit Straßenzulassung", sagt Cabibbe. Etwa sechs Modelle wurden bislang gebaut und für rund 150.000 Euro verkauft. Nun ist das Auto auch das Basisfahrzeug von Cabibbe.

Ein Laderaum für Löschschaum, einen Operationstisch oder Extrabenzin

Allerdings entwickelte er den Buggy zu einem nahezu unverwüstlichen Kampfwagen weiter, der selbst den Fallschirmabwurf aus einem Transportflugzeug überstehen soll. Die kantige Karosserie ist aus Karbon, Kevlar und Spezialstahl aus der Luftfahrt gefertigt und wird natürlich auch in einer gepanzerten Version angeboten. Der Innenraum lässt sich luftdicht abschließen und mit Überdruck sichern, damit man bei Tunnelbränden löschen oder durch Giftgaszonen fahren kann. Es gibt auf Wunsch ein Minensuchgerät und einen Radardetektor, der die Insassen warnt, sollten sie ins Visier feindlicher Waffen geraten. Im Zubehörkatalog stehen darüber hinaus Nachsichtgeräte oder Tarnlacke, die auch Radarstrahlen schlucken. Und auf der Mittelkonsole gibt es mehr Kommunikationsgerätschaften als im Kontrollstand der Nasa.

Besonders stolz ist Cabibbe allerdings auf den modular nutzbaren Laderaum, der je nach Einsatzzweck bestückt wird. Er fasst nicht nur eine komplette Krankentrage, sondern auch alle nötigen Gerätschaften für einen mobilen Operationssaal oder gar Organtransplantationen im Outback. Alternativ lässt sich dort ein Feuerlöschsystem mit 400 Litern Löschschaum installieren. "Und wenn man mit dem Thor eine Rallye fahren will, kann man auch einen Zusatztank mit 1000 Litern Sprit einbauen", sagt der AstroBionix-Chef.

Bei einer Rallye würde das Auto vermutlich wirklich eine gute Figur machen. Schließlich hat der Thor nicht nur 35 Zentimeter Bodenfreiheit, kann durch 90 Zentimeter tiefes Wasser waten und mit den extrem weichen und langen Stoßdämpfern über jede Bodenwelle springen. Sondern vor allem hat er jede Menge Kraft: Ein sieben Liter großer V8-Motor aus der Corvette leistet hier 600 PS und katapultiert den Wagen in 3,8 Sekunden auf Tempo 100. "Wenn der Untergrund genügend Traktion erlaubt, schafft der Thor fast 300 km/h Höchstgeschwindigkeit", sagt Cabibbe. Schneller sind Einsatzkräfte wahrscheinlich nicht einmal mit dem Hubschrauber. Dass der Corvette-Motor dabei Sprit schluckt wie verrückt, hat der Entwickler schon mit einkalkuliert: Der kleinste verfügbare Tank fasst bereits 200 Liter.

Das Auto wirft vor allem auch moralische Fragen auf

Auf den ersten Blick sieht das Gerät aus wie ein Allradler für Hobby-Rambos. Doch hat AstroBionix mit dem rund 300.000 Euro teuren Fahrzeug ernsthafte Absichten. "Der Thor ist ideal für Katastrophenschützer und Rettungskräfte, die unter extremen Bedingungen arbeiten müssen. Mit entsprechend modifizierter Ausstattung taugt er als Expeditionsmobil für Wüsten- oder Polarforscher, und natürlich kann man den Wagen auch für militärische oder paramilitärische Zwecke einsetzen", sagt der Entwickler. Angeblich verhandelt er bereits mit verschiedenen Organisationen, die das Auto bei Weltraummissionen einsetzen wollen.

Die extreme Widerstandskraft des Fahrzeugs wirft nicht nur technische, sondern auch moralische Fragen auf. Cabibbe: "Für ein Fahrzeug mit solchen Fähigkeiten interessieren sich natürlich nicht nur die Guten, sondern auch bad guys." Diktatoren und Despoten in Bedrängnis zum Beispiel gelänge in einem solchen Auto womöglich die Flucht ins Exil, deutet der Autobauer an. Zwar habe er selbst eine schwarze Liste von Kunden, die sein Unternehmen nicht beliefern werde. Doch sei ihm deren Interesse durchaus bewusst und bekannt: "Ein Anruf aus Tripolis in den nächsten Tagen würde mich nicht wundern."

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