Mobilität

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Extrem-Premieren in Frankfurt

Lass’ krachen!

Keine Frage, die Internationale Automobilausstellung (IAA) trägt grün. Doch zwischen Öko, Eco und CO2 gedeihen nach wie vor auch ganz wilde Blüten. Lamborghini und Ferrari zeigen Extrem-Sportwagen – und Bugatti drehte am Rande der Messe auf.

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Mittwoch, 12.09.2007   12:23 Uhr

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Es war fast wie in alten Tagen: Auf dem Ferrari-Stand in Halle 6 stand Michael Schumacher, davor rangelten Hunderte Journalisten, Fotografen und Kameraleute um die beste Perspektive. Neben Schumacher genoss Ferrari-Chef Luca di Montezemolo die Blitzlichtdusche – und unter einem Seidentuch harrte ein neuer Renner seiner Enthüllung. "Schumi" ist nach wie vor die Zugnummer bei Ferrari. Und zugleich trat er auf als personifizierter Technologietransfer von der Boxengasse auf die Straße. Er gilt deshalb als glaubwürdiger Geburtshelfer für die jüngste Weltpremiere aus Maranello: den F430 Scuderia.

Die rote Flunder ist die dritte Spielart des Sportwagens mit V8-Motor und demonstriert in der Lesart der Italiener "eindrucksvoll die Übertragung des Formel-1-Know-How in die Serienproduktion". Damit meinen sie vor allem die neue Halbautomatik, die ihrem Namen F1 Superfast mit Gangwechseln in nur 60 Millisekunden gerecht wird. Außerdem verfügt der Wagen über eine neue Traktionskontrolle, die das elektronische Differential erstmals in den Schleuderschutz einbindet.

Beeindruckende Beschleunigungsorgien

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Für den Vortrieb auf öffentlichen Straßen oder geschlossenen Rennstrecken viel wichtiger ist jedoch die erfolgreiche Diät des Autos. Gegenüber dem normalen Coupé wurde der Wagen um rund 200 Kilo abgespeckt auf nun 1250 Kilo. Weil zudem der 4,3 Liter große Achtzylindermotor nun bis 8500 Touren orgelt und 510 PS leistet, sinkt das sogenannte Leistungsgewicht auf 2,45 Kilo, was beeindruckende Beschleunigungsorgien ermöglicht.

Mit dem F430 Scuderia, dessen Normverbrauch von 15,7 Litern zum aktuellen Klima der IAA etwa so gut passt wie Dosenmilch in den Espresso, zielt Ferrari auf den ebenfalls in Frankfurt enthüllten Porsche 911 GT2 (530 PS, 189.496 Euro) und den Lamborghini Gallardo Superleggera, der um 100 Kilo erleichtertes Vollgasmodell. Doch den italienischen Erzrivalen lässt der Ferrari-Vorstoß kalt. Schließlich hat die Audi-Tochter eine eigene Neuheit präsentiert.

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Als "Essenz der Marke" enthüllte Firmenchef Stephan Winkelmann das Modell Reventón. Der wie ein Kampfjet gestylte Typ in glanzlos grauen Mattlack basiert auf dem Supersportwagen Murciélago, will aber laut Winkelmann "der Extremste von allen, ein Superlativ auf Rädern sein". Diesem Anspruch wird der Wagen gerecht nicht nur durch sein Design und seine Leistung von 650 PS, sondern auch durch seine Exklusivität. Es werden nämlich lediglich 20 Exemplare gebaut. Der Preis beträgt eine Million Euro netto. Dennoch kann Lamborghini bereits vermelden: "Alle Autos sind verkauft."

Wer den Reventón fahren will, braucht aber nicht nur jede Menge Geld, sondern auch Mut. Nicht umsonst trägt der Extremist – ganz in der Firmentradition – den Namen eine spanischen Kampfstiers, der seinen Ruhm dem Umstand verdankt, dass er in der Corrida den Torero tötete. Wer auf dem Fahrersitz Platz nimmt, sollte sich also auf einen echten Kampf gefasst machen. Die irre Leistung und das Drehmoment von maximal 660 Nm jagen den Wagen in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 und ein Ende der Beschleunigung ist erst jenseits von 340 km/h in Sicht.

Stier als Klimasünder

Nicht allein die Fahrleistungen und das Design legen den Vergleich des Reventón mit einem Düsenjäger nahe. Auch das neuartige Cockpit ist gestylt wie in einem Jet. Das aus einem massiven Alublock gefrästen und mit Carbon überdachte Gehäuse birgt anstelle klassischer Rundinstrumente drei bunte Flachbildschirme. Dabei bleibt eine Anzeige stets im Mittelpunkt: Das G-Force-Meter, das bislang nur Piloten und Rennfahrer kannten. Es misst die Längs- und Querbeschleunigung und zeigt dem Fahrer mit einem fliegenden Ball im Viereck, wie heftig es ihn gerade in den Sitz presst. Für die aktuelle Klimadebatte taugt ein solches Auto freilich nicht: Mit den 21,3 Litern, die im Reventón im Schnitt auf dem Prüfstand für 100 Kilometer verbrannt werden, käme ein Kleinwagen fast 500 Kilometer weit. Doch ist das bei 20 Exemplaren wichtig?

In noch kleineren Stückzahlen denkt Bugatti-Chef Franz-Josef Paefgen. Die Marke hat zwar keinen Stand auf der IAA, durfe aber beim VW-Konzernmarken-Abend im Umfeld der Messe nicht fehlen. Allerdings zeigte Bugatti da nicht die lang erwartete Roadster-Variante des Veyron, sondern ein bizarres Einzelstück. Nach inzwischen hundert ausgelieferten Veyron-Modellen und der Aussicht auf ein komplett ausverkauftes weiteres Jahr blieb offenbar noch Zeit für Extravaganz.

Auf Wunsch eines Kunden bauten die Ingenieure in Molsheim das Sondermodell Pur Sang entworfen, übersetzt etwa reines Blut. Der Clou des 1001-PS-Autos: es gibt keinen Lack. Der Körper der Karosserie schimmert matt wie die Karbonfasern, aus denen er gebacken ist. Und alle Anbauteile glänzen in poliertem Aluminium. Den Verzicht auf Farbe lässt sich Bugatti teuer bezahlen. "Die auf fünf Autos limitierte Sonderserie hat einen Stückpreis von 1,4 Millionen Euro plus Steuern", sagte Paeffgen. "Ein Auto ist schon verkauft, vier sind noch zu haben, also beeilen Sie sich", rief er dann noch dem Publikum entgegen. Zu einem Spontankauf ließ sich dann aber doch niemand hinreißen.

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