Extreme Sportwagen in Genf Nur die Leistung zählt

Auf dem Autosalon in Genf wird viel über Hybridantriebe, CO2 und Batterietechnik gesprochen. Doch das liebste Thema der Aussteller und Besucher ist nach wie vor die ungebremste Leistung. SPIEGEL ONLINE stellt die Renner vor – eine Vollgasfahrt quer durch Europa.

Aus Genf berichtet


Sportwagen sind die Evergreens der Autobranche. Da können auf einer Messe noch so viele tolle, neue Klein- und Kompaktwagen präsentiert werden - gestaunt und geschwärmt wird doch meist über die brachialen Zweisitzer mit den muskulösen Motoren. Der Genfer Autosalon ist da keine Ausnahme.

Die schwedische Marke Koenigsegg enthüllte zum Beispiel das Modell CCXR Edition. Das Auto schießt in neun Sekunden aus dem Stand auf Tempo 200, mehr als 400 km/h sind möglich und nur sechs Exemplare des bis zu 1018 PS starken Renners, der mit einer unlackierten Kohlefaserkarosserie ausgeliefert wird, werden gebaut. Zum Stückpreis von 1,5 Millionen Euro netto.

Sehr reiche Menschen haben offenbar sehr wenig Zeit. Und so gibt es in der Preisregion um eineinhalb Millionen Euro sogar eine Alternative zum schwedischen Extremisten, nämlich den Bugatti 16.4 Veyron Hermès. Das Auto ist ein vom Haute-Couture-Luxuslabel unter anderem mit feinstem Leder ausgekleideter Tiefflieger, der ebenfalls die 400-km/h-Marke knackt. Nach Angaben von Bugatti sind bereits drei Modelle des Ultra-Renners bestellt. Die französische VW-Tochter garantiert natürlich auch für die Sonderedition einen Motorleistung von mindestens 1001 PS.

Aus England treten gleich zwei geschärfte Sportwagen-Versionen an. Eine davon ist der Jaguar XKR-S, "der schnellste bislang produzierte Serien-XK von Jaguar", wie das Unternehmen mitteilt. 200 Stück sollen gefertigt werden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 280 km/h begrenzt. "Ultimate Black" heißt der Metallic-Lack für dieses Sondermodell, in dem eine Musikanlage mit 525 Watt gegen das Bollern des 4,2-Liter-V8-Kompressormotors mit 416 PS antritt.

Ein neuer Superlativ fürs Firmenalbum

Aston Martin wiederum zeigte in Genf den Vantage RS. Der Wagen mit den beiden leicht nach oben schwenkenden Türen erhält einen 6-Liter-V12-Motor mit 608 PS und wird so zum "schnellsten Serien-Aston-Martin aller Zeiten". Ob die Briten eine Kleinserie des trotz seiner Kraft vergleichsweise dezent und elegant gestylten Coupés auflegen, ist noch nicht endgültig entschieden.

Ab Oktober ausgeliefert wird der jüngste deutsche Vertreter in der extremen Klasse: der Wiesmann GT MF. Der Sportwagen im Retro-Look wird von einem 5-Liter-V10-Motor von BMW, der 507 PS leistet, auf bis zu 310 km/h beschleunigt. 179.800 Euro verlangt der Hersteller aus Dülmen für sein Topmodell, das laut Datenblatt mit 14,8 Liter je 100 Kilometer klarkommen soll.

Aus Italien wiederum stehen zwei neue Modelle am Start, um solvente Tempofanatiker zu beglücken. Maserati bietet sein aktuelles Coupé nun unter dem Label Gran Turismo S mit einem aufgemotzten 4,7-Liter-V8-Motor an, der 440 PS entwickelt. 295 km/h schafft das Auto, sagen die Verantwortlichen, und schieben dann das offenbar alles entscheidende Argument nach: Das sei "die höchste Geschwindigkeit, die je von einem Maserati aus normaler Produktion erreicht wurde".

Es geht doch: Schneller, flacher, breiter

Lamborghini wiederum muss schon aus Image-Gründen immer noch einen Tick extremer sein als möglichst alle anderen. Und so sonnt sich in Genf der Galllardo LP 560-4 im Scheinwerferlicht, dessen 5,2-Liter-V10-Motor jetzt 560 PS erreicht und damit das bisherige Modell um 40 PS übertrifft. Weil zugleich das Gewicht um 20 Kilogramm gesenkt wurde, jagt das Auto nun in 3,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht bei passenden äußeren Bedingungen eine Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h. "Seine Dynamik ist schlicht atemberaubend", jubelt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Gleiches gilt für den CO2-Ausstoß, der 327 Gramm je Kilometer beträgt.

Nochmals deutlich höher dürfte dieser Wert beim spanischen Supersportwagen Tramontana liegen, dessen Serienversion in Genf gezeigt wird und der gleich auf dem Stand geordert werden kann - vorausgesetzt der Interessent kann 800.000 Euro netto in einen Zweisitzer investieren.

Im Prinzip sieht das Auto aus wie eine Formel-1-Renner, nur dass in der Mitte zwei Leute hintereinander Platz nehmen können wie weiland im Kabinenroller. Im Heck steckt der Motor, den Mercedes beisteuert. Es ist ein 5,5-Liter-V12-Biturbo-Aggregat, das 720 PS leistet und die vornehmlich aus Kohlefaser und Aluminium gefertigte, rund 1,3 Tonnen schwere Fuhre, exorbitant beschleunigt. Wie schnell genau, dazu gibt es noch keine Angaben. Eigentlich sagt der Anblick des Autos aber schon genug.



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