Autogramm Mercedes C-Klasse Ausweitung der Komfortzone

Die C-Klasse ist das meistverkaufte Daimler-Modell - jetzt kommt eine neue Baureihe auf den Markt. Mercedes setzt verstärkt auf Luxus und Komfort. Denn: Kommt das Auto beim Kunden nicht an, haben die Schwaben ein ernstes Problem.

Daimler

Von Margret Hucko


Der erste Eindruck: Neu, aber doch vertraut. Die C-Klasse ist ein echtes Familienauto - in jeder Hinsicht. Mit ihrer dominanten Nase und dem leicht abschüssigen Heck kann sie weder die Verwandtschaft mit der kleineren A-Klasse noch mit der größeren S-Klasse leugnen.

Das sagt der Hersteller: Nach Verkaufszahlen ist die C-Klasse für Daimler das wichtigste Modell, mehr als ein Drittel der Gesamtproduktion von Mercedes macht sie aus. Kommt das Auto beim Kunden nicht an, droht den Schwaben ein ernstes Problem. "Wir haben alle Register gezogen, um mehr Klasse in die Mittelklasse zu bringen", sagte Entwicklungsvorstand Thomas Weber bei der Fahrvorstellung in Marseille. Für die Qualität und Verarbeitung der Materialien versprach er ein "Upgrade auf eine höhere Klasse".

Das ist uns aufgefallen: Man setzt sich rein und fühlt sich wohl. Nicht nur die Passagiere vorne reisen in der neuen C-Klasse bequem, auch im Fond bietet der Wagen ausreichend Platz. Bei einem acht Zentimeter längeren Radstand im Vergleich zum Vorgänger wuchs die C-Klasse spürbar in Länge wie Breite, ohne dabei mehr Gewicht auf die Wage zu bringen. Im Gegenteil: Dank verstärktem Alu-Einsatz speckte die C-Klasse bis zu hundert Kilo ab, die Spritersparnis beziffert Daimler mit bis zu 20 Prozent.

Auch beim Fahrverhalten legte der Wagen zu. Dem im Vorgängermodell bisher als rau empfundenen Diesel haben die Ingenieure Manieren beigebracht. Das nagelnde Geräusch ist im C220 BlueTec fast weggedämmt, dazu wechselt die Sieben-Gang-Automatik unbemerkt die Gänge.

Also entspanntes Reisen pur? Nur unter der Voraussetzung, dass der Fahrer das in der Mittelkonsole mit "Agility" beschriftete Drehrädchen ignoriert. Es ist Teufelszeug für komfortverliebte Fahrer. In fünf Fahrstufen verändert es ad hoc den Charakter des Fahrzeugs, schaltet die Lenkung direkter, zieht die Dämpfer straff und stachelt die Automatik an, die Gänge höher auszudrehen. Was in der Medizin gerne als multiple Persönlichkeitsstörung gilt, ist beim Auto derzeit total en vogue - die Bündelung vieler Charaktere in einem Wagen.

Zu viel Sport passt aber gar nicht zur C-Klasse als Reiselimousine. Wozu komponiert Daimler Blinkergeräusche neu und dimmt die Geräusche der Elektromotoren der Außenspiegel, wenn der Wagen im straff geschalteten Modus die Rückmeldung der Straße einsammelt? Komfort-Puristen bestellen deshalb besser das serienmäßige Komfortfahrwerk mit Stahlfederung oder die erstmals in dieser Klasse erhältliche Luftfederung "Airmatic" und vergessen schnell, dass es so etwas wie "Sport"-Einstellungen in diesem Auto überhaupt gibt.

Obwohl die Fahrt in der C-Klasse fast wie eine Kur für gehetzte Großstädter wirkt, schafft es auch der 170-PS-Diesel in 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Drückt der Fahrer das Gaspedal durch, ruft sich der Diesel unsanft mit seinem typischen, rauen Klang in Erinnerung.

Das muss man wissen: Die C-Klasse steht ab dem 15. März bei den Händlern und kostet mindestens 33.558 Euro. Angeboten werden erst einmal nur Vierzylinder, zwei Benziner mit 1,6 und 2-Litern Hubraum (156 und 184 PS) und ein 2,2-Liter Diesel (170 PS). Im Herbst erweitert Daimler die Palette um Sechszylinder-Motoren sowie um einen Diesel-Hybrid. Ein Plug-in-Hybrid ist ebenfalls in Arbeit.

Um die Effizienz zu steigern, hat Mercedes die Kraftstoffreservoire geschrumpft: Bei den Vierzylindern passen in den Standardtank jetzt nur noch 41 Liter statt 66. Wer die C-Klasse reichlicher befüllen will, muss 60 Euro Aufpreis zahlen.

Das werden wir nicht vergessen: Wie luxuriös und gleichzeitig nahbar die C-Klasse geworden ist. Überall sucht sie den Kontakt mit dem Fahrer. Das Design wurde durch großzügige Flächen statt harter Linien entschärft und lädt zum Anfassen ein. Drinnen sorgt erstmals ein Touchpad für die Steuerung des zentralen Displays, und ein Head-up-Display konzentriert den Blick auf die Straße.

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insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
wpstier 11.03.2014
1. Ich habe oft versucht, ...
... bei Daimler ein Auto zu kaufen, aber es waren die Verkäufer zu schlecht.
ehrenwerter_geschäftsmann 11.03.2014
2. Schön anzusehen
Ich finde das Auto sehr gelungen und es freut mich, dass Daimler wieder zurück in die Spur zu finden scheint.
yshitake 11.03.2014
3. 41l Tank- wie geil ist das denn?
Danke Daimler, Die 20 kg Gewichtsersparnis bemerkt der Kunde so endlich einmal. Und nochmal schön 60€ extra rausgepresst für ein neues Extra, das vorher Standard war. Sind zwar wirklich Peanuts beim Autokauf, aber umso verwunderlicher. Warum eigentlich nur 60l-Tank als Option? Für nen optionalen 100l-Tank könnte man doch locker noch nen Tausender aus dem Kunden rausleieren, und die wären wohl sogar noch größtenteils dankbar.
berufskonsument 11.03.2014
4.
Zitat von sysopDaimlerDie C-Klasse ist das meistverkaufte Daimler-Modell - jetzt kommt eine neue Baureihe auf den Markt. Mercedes setzt verstärkt auf Luxus und Komfort. Denn: Kommt das Auto beim Kunden nicht an, haben die Schwaben ein ernstes Problem. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fahrbericht-mercedes-c-klasse-a-957931.html
Ob die Effizienzsteigerung durch den leichteren (weil kleineren) Tank den Effizienzverlust durch häufigeren Tankstellenbesuch aufwiegt? Aber vermutlich geht es nicht um die Effizienz beim Kraftstoffeinsatz, sondern um die Effizienz des Herstellers, Selbstverständlichkeiten in die Aufpreisliste zu verlagern.
tradepro 11.03.2014
5. Abgrundtief hässlicher Bildschirm
Der genauso hässliche Bildschirm wie in der A Klasse. Wie kann man das Display nur dermassen unästhetisch positionieren anstatt es in die Konsole zu integrieren? Dann auch noch ein 2 bis 3 cm dicker Rahmen um das Display anstat einen ganz schmalen wie es heute bei Fersehern üblich ist. Alleine dieses Detail ist ein NoGo für mich. Ist ja peinlich dieser Bildschirm.
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