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17. März 2012, 09:42 Uhr

Fahrbericht Suzuki Swift Sport

Fit wie eine Turnschuhschachtel

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Mehr Leistung, weniger Verbrauch: Der Suzuki Swift Sport der zweiten Generation ist gegenüber seinem Vorgänger konsequent weiterentwickelt worden. Der Kleinwagen zeigt klare Kante - und betreibt trotzdem ein bisschen Etikettenschwindel.

136 PS, verteilt auf 1,1 Tonnen: klingt nach großem Fahrspaß in kleinem Wagen. Klar, es gibt giftigere Zwerge als den Suzuki Swift Sport mit seinem 1,6-Liter Motor und vier Zylindern - aber als Überraschungskommando beim Ampelstart sollte er doch taugen. Und schwärmt der Hersteller in der Verkaufsbroschüre nicht von einer "unverkennbaren Rallye-DNA"? Ab auf die Piste!

So steigt man voller Vorfreude ein, drückt den Startknopf, legt den ersten von sechs Gängen ein, gibt Gas - und erlebt eine Enttäuschung. Okay, dieser Dreitürer ist flott. Aber flott ist eben die kleine Schwester von behäbig. Spritzig wie eine Wasserpistole hatte man sich den Japaner vorgestellt, als kleinen Renner, mit dem sich die Stadt erobern lässt. Aber sowohl in der City als auch auf der Autobahn wird man das Gefühl nicht los, dass die Sportstunde in diesem Suzuki Swift ausfällt.

Gut nur, dass das Auto wenigstens äußerlich nicht zu dick aufträgt. 2011 präsentierte Suzuki auf dem Genfer Autosalon noch den Swift S, eine Konzeptstudie, an der der Heckspoiler wie das Schild einer verkehrt herum getragenen Baseball-Cap vom Dach wegragte. In der Serienfertigung ist der Flügel jetzt auf ein dezentes Maß zusammengestutzt worden.

Die optisch auffälligsten Unterschiede zum normalen Swift: zwei Auspuffendrohre glotzen aus dem Heckdiffusor, der Kühlergrill ist breiter und um die Nebelscheinwerfer krallen sich drei spitze Stäbe, die mal Edward mit den Scherenhänden gehört haben könnten. Das schachtelhafte Design der Swift-Modelle ist von Haus zwar nicht sportlich, aber auch alles andere als langweilig. Klare Kante - das hat Charakter. Und der Sport-Variante schaut man auch gerne zwei Mal aufs Heck.

Eine rote Ziernaht macht noch keinen GTI

Innen zieht sich eine saubere Verarbeitung als roter Faden durch den Swift Sport - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn wie im Golf GTI ist das dunkle Leder an Lenkrad und Schaltknauf mit rotem Zwirn vernäht. Knöpfe und Schalter - auch die Bedienelemente am Lenker - sind ebenfalls solide.

Das große Infotainmentdisplay ist dagegen Platzverschwendung. Für die grobpixelige Anzeige von Radiosendernamen oder Musiktiteln hätte es auch die Hälfte des Displays getan. Sinnvoll nutzen lässt sich der Platz im Armaturenbrett nur gegen rund 1100 Euro Aufpreis - soviel kostet das im Zubehör-Katalog aufgeführte Navigationssystem mit Touchscreen-Display.

Eine grobe Unsportlichkeit in diesem Swift ist die Handhabung der Bluetooth-Einrichtung. Sie lässt sich so intuitiv bedienen wie ein Puzzle. Bis Smartphone und Swift vereinigt sind, muss man sich umständlich durch die Bedienungsanleitung blättern und die soliden Bedienelemente strapazieren. Statt einem Sport-Modell serienmäßig eine Sitzheizung zu verpassen - wie es hier der Fall ist - hätte Suzuki besser daran getan, das Auto mit einer besseren Audio- und Kommunikationstechnik zu bestücken. Der jungen Zielgruppe ist eine rasche Vernetzung im Zweifelsfall wichtiger als ein warmer Hintern.

Breites C

Pluspunkte sammelt der Swift Sport als Teamplayer: Bei der Testfahrt haben sich sowohl Arbeitskollegen als auch diese blauen Einkaufstüten eines skandinavischen Möbelherstellers - jeweils drei an der Zahl - problemlos verstauen lassen. Für letztere musste die Rückbank umgelegt werden, was mit wenigen Handgriffen erledigt ist. Eingeparkt sind die 389 Zentimeter des Swift Sport ebenfalls rasch, wobei die C-Säule etwas zu viel Sicht versperrt.

Zum Preis von 18.490 Euro bekommt man mit dem Suzuki Swift Sport keinen günstigen, dafür aber einen stimmigen Kleinwagen. Der Vorgänger war zwar 790 Euro billiger, hatte aber nicht nur elf PS weniger Kraft, sondern auch mehr Durst: Das neue Modell verbraucht laut Hersteller 6,4 Liter Super auf 100 Kilometer. Und wenn man das "Sport"-Versprechen nicht überbewertet, kann man sogar der flotten Stadt-Rallye Fahrspaß abgewinnen.

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