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29. Januar 2009, 16:35 Uhr

Fahreignungstests für Senioren

"Das ist ein offener Affront"

Die EU regt eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit aller Autofahrer über 50 Jahren an. Diese Forderung empört Autoclubs. Der Auto Club Europa setzt auf freiwillige Gesundheitschecks. Allerdings sollten Mediziner die Anforderungen der Verkehrssicherheit berücksichtigen.

Goslar - "Das ist ein offener Affront gegen die wachsende Zahl vollkommen fahrtüchtiger Senioren", echauffiert sich der Leiter der Verkehrssicherheit beim Auto Club Europa, Gert Schleichert, am Rande des 47. Verkehrsgerichtstags am Donnerstag in Goslar. Die von der EU angeregten pauschalen Eignungstests für ältere Fahrer seien absolut unbegründet.

Paul Lerche: Ist seit 1940 im Besitz seines Führerscheins und fährt seit 65 Jahren unfallfrei
DPA

Paul Lerche: Ist seit 1940 im Besitz seines Führerscheins und fährt seit 65 Jahren unfallfrei

Als diskriminierend bezeichnet der ADAC die diskutierten Auflagen für ältere Menschen am Steuer. "Diese Fahrer haben eine lebenslange Fahrpraxis und pflegen einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Fahrzeug", sagt ADAC-Verkehrsjurist Markus Schäpe. Altersbedingte Leistungseinbußen wie abnehmende Sehkraft oder das Nachlassen der Beweglichkeit und der Reaktionsfähigkeit kompensierten diese Fahrer größtenteils mit Erfahrung, Besonnenheit und Ruhe. Das Bundesverkehrsministerium plane seines Wissens derzeit keine regelmäßige Überprüfung, sagte Schäpe. "Die Regierung setzt vielmehr auf die Eigeninitiative der Fahrer und die Sorgfalt der Familien von älteren Menschen."

Jeder fünfte Verkehrstote jünger als 25 Jahre

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes verunglückten im Jahr 2007 fast 55.000 Autofahrer, die älter als 50 Jahre waren, etwa 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen stieg die Zahl der verunglückten Senioren auf dem Fahrrad um fast 10 Prozent. Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren waren demnach 2007 die mit Abstand am stärksten gefährdete Altersgruppe im Straßenverkehr. Jeder fünfte Verunglückte und Getötete gehörte dieser Altersgruppe an.

"Generell das Alter als Indikator für Fahrtauglichkeit anzusehen, ist falsch", sagt Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Versichertenwirtschaft. Es sei jedoch sinnvoll, die Sehfähigkeit regelmäßig zu kontrollieren. "Dies könnte alle zehn Jahre geschehen, aber unabhängig vom Alter für alle Autofahrer." Ohnehin ist nach der neuen Führerscheinrichtlinie der EU eine Fahrerlaubnis von 2013 an nur noch befristet gültig. Sie wird dann höchstens 15 Jahre gültig sein und muss anschließend erneuert werden.

Ältere Menschen sind oft auf das Auto angewiesen

Auf freiwillige Gesundheitschecks setzt dagegen der ACE, nach dem ADAC der zweitgrößte Automobilclub Deutschlands. Dabei appelliert der Autoclub an die Ärzte, bei medizinischen Beratungen die Anforderungen der Verkehrssicherheit stärker als bisher zu berücksichtigen. Die typischen Fehler von Senioren hinter dem Steuer seien Missachten der Vorfahrtregeln, Schwierigkeiten beim Linksabbiegen und Wenden sowie beim Fahrbahnwechsel.

Jedes Jahr geben nach ACE-Angaben in Deutschland mehr als 22.000 Menschen ihren Führerschein freiwillig ab. Im Gegenzug bieten zahlreiche Kommunen Vergünstigungen für Busse und Bahnen an. Doch klar ist allen bei der Debatte auch: Oft ist das Auto besonders für ältere Menschen im ländlichen Raum die einzige Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

André Jahnke und Matthias Brunnert, dpa

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