Frisiersalon auf Rädern Nächster Halt: Dauerwelle

Bei Anruf Frisur - das ist das Geschäftsmodell von Twain Taylor. Er hat einen Lieferwagen zum Frisiersalon umgerüstet und bietet seinen Kunden nun Rasur oder Frisur vor deren Haustür. In Hollywood floriert die haarige Dienstleistung.

Adam Campbell

Aus Los Angeles berichtet


Ein Ledersessel mit Kopfstütze und Fußraste, dahinter ein Waschbecken, überall Scheren und Klingen. Von innen sieht Twain Taylors Frisiersalon aus wie viele andere - außer, dass es vielleicht ein bisschen eng zugeht. Der große Unterschied zu herkömmlichen Barbierstuben: Sein Laden befindet sich nicht in einem Gebäude, sondern in einem umgebauten Lieferwagen.

Der Mittdreißiger betreibt den ersten und wahrscheinlich einzigen "Mobile Luxury Barber Shop" der Welt. Die Geschäftsidee: Der Hollywood-Schickeria Frisur oder Rasur direkt vor der eigenen Haustüre zu richten.

Ein professioneller Fahrzeugumrüster hat Taylors Mercedes Sprinter mit allem ausgestattet, was ein Figaro so braucht: Frisierstuhl, Waschbecken, Fön, Handtuchwärmer, Schrank, Schubladen und Spiegel. Dazu gibt's fein verkleidete Wände, einen Parkettboden und mehrere Lichtspots an der Decke. Selbst für die Locken, die seine Kundschaft hier lässt, hat sich Taylor etwas einfallen lassen - und zeigt auf einen kleinen weißen Kasten mit eingebautem Staubsauger. Wooosch! Schon ist auch das letzte Haar verschwunden.

Doch der Barbier von Hollywood lockt nicht nur mit einem sauberen Schnitt ohne weite Wege. Sondern er bietet seinen Kunden auch eine spezielle Atmosphäre. "Ein Friseurbesuch hat immer auch mit Entspannung zu tun", sagt Taylor und zeigt stolz, was er unter Entspannung versteht: Ein Knopfdruck, und der Barber-Shop erbebt unter den Beats eines Musikvideos. Über den riesigen Monitor an der Trennscheibe zur Fahrerkabine und auf zwei Bildschirmen in den Seitenwänden tanzt die Sängerin Beyoncé. In dem mit Leder ausgeschlagenen Barfach über dem kleinen Kühlschrank klirren derweil die Kristallkelche gegen die Champagnerflaschen.

"Ich will einfach nur sicherstellen, dass meine Kunden sich wohlfühlen", sagt Taylor. Dabei sollen eine Auswahl von ein paar hundert Filmen und Konzerten, WLAN, Satelliten-Fernsehen und Zigarren im Humidor behilflich sein.

Paparrazi brachten ihn auf die Idee mit dem Frisier-Fahrzeug

Geschnitten hat Taylor schon sein ganzes Leben lang - erst Locken, dann Lauch, dann wieder Haare. Er fing als Aushilfe im Salon seines Großvaters an, arbeitete anschließend als Hilfskoch in einem Gourmet-Restaurant und wechselte dann wieder als Friseur in einen Salon in Beverly Hills. Als dort immer wieder die Paparazzi auf der Lauer lagen und tags drauf Fotos von Stars mit Lockenwicklern oder Schaumbergen auf dem Kopf auftauchten, kam ihm die Idee mit dem Salon auf Rädern.

Die ersten Monate fuhr Taylors Frau sogar den Schulbus in ihrem Viertel, um mitzuhelfen, das Geld für den Umbau des Lieferwagens wieder hereinzuholen. Immerhin war die Ausstattung zum Preis von 55.000 Dollar teurer als der Kleinlaster selbst. Doch mittlerweile ist Taylor so gut gebucht, dass die Kunden oft wochenlang auf einen Termin warten müssen. "Es gibt hier in Hollywood jede Menge Menschen, die viel Geld, aber wenig Zeit haben", sagt Taylor.

Wenn der Frisör vorfährt, wird es teuer

Die stören sich offenbar auch nicht an der selbstbewussten Preispolitik. Schon für eine schlichte Rasur oder einen einfachen Schnitt (auf der Preisliste heißt der "Van Gogh") verlangt er 150 Dollar. Und wer den Bestseller "Pablo Picasso" mit schneiden, färben, rasieren, schamponieren, Maniküre, Pediküre und heißem Handtuch bucht, ist mit 400 Dollar dabei - jeweils mit mindestens 48 Stunden Voranmeldung. Wer es eilig hat und partout nicht warten kann, der zahlt 100 Dollar Expresszuschlag. "Damit bin ich zwar sicher 100 Dollar teurer als die normalen Salons hier in Hollywood und Beverly Hills", räumt Taylor ein, "aber dafür komme ich ja auch zu den Leuten nach Hause."

Allerdings steht Taylors schwarzer Luxuslaster nicht immer vor den Anwesen in Beverly Hills oder Bel Air, sondern auch immer wieder bei Empfängen oder Preisverleihungen. Dann parkt sein Salonwagen gleich neben dem Roten Teppich, um die Stars für ihren Auftritt frisch zu frisieren.

Bisweilen rufen ihn seine Kunden sogar an den Flughafen, weil sie nach der Landung gar zu verknittert sind. Bei manchen sei der Terminplan so dicht gedrängt, berichtet Taylor, dass sie sogar um eine Rasur während der Fahrt gebeten hätten. Doch da muss selbst der flexibelste Frisör von Hollywood passen. Zwar sei das Fahrwerk seines Vans vollkommen intakt, "aber bei den vielen Schlaglöchern auf den Straßen hier wäre mir das doch zu riskant."



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
monopinion 24.08.2014
1. Großartige Idee!!
Vielleicht hat einer der ForistInnen eine Info, was hier in D das Gewerbeaufsichtsamt dazu sagen würde.
CobCom 24.08.2014
2.
Zitat von monopinionVielleicht hat einer der ForistInnen eine Info, was hier in D das Gewerbeaufsichtsamt dazu sagen würde.
Wahrscheinlich untersagt es den Betrieb, weil getrennte Toiletten fehlen...
Palisander 24.08.2014
3. Einfach nur richtig geil!
...
griaseich 24.08.2014
4. Gewerbeaufsichtsamt
...in Deutschland ist sowas unmöglich.....
DMenakker 24.08.2014
5.
Als echter Deutscher kann man da ja wohl nicht hingehen. Der Kerl hat ja noch nicht mal eine Meisterprüfung. ROFL
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