Fahrkünstler Ken Block Drifts bis die Reifen brennen

Sie halten sich für einen guten Autofahrer? Dann kennen Sie vermutlich Ken Block noch nicht. Der 43-jährige US-Amerikaner kann einen Pkw so schnell und präzise bewegen wie kaum ein anderer. Für Fans der Motorsportart Gymkhana ist Block ein Idol - aber sehen Sie selbst.

Getty Images

Jetzt fliegt der Ford Fiesta rückwärts über den Rand der Steilwandkurve - denkt man. Und dann schleudert das Auto mit unerhörter Lässigkeit um das rote Hütchen auf der grauen Betonpiste und rast in entgegengesetzter Richtung weiter. Das Video "Gymkhana 3", gedreht auf dem L'autodrome de Linas-Montlhéry südlich von Paris, zeigt lauter solche atemberaubende Szenen und gehörte zu den zehn meistgesehensten You-Tube-Videos des vergangenen Jahres. Rund 34,5 Millionen Abrufe des 7:42-Minuten-Films wurden bislang gezählt. Jetzt dürfte es noch irrer werden, denn "Gymkhana 4" ist gestartet.

Protagonist des Spektakels ist Ken Block, ein 43 Jahre alter Kalifornier, der 1993 mit einem Partner die Schuhmarke DC Shoes gründete, mehrfach an der Extremsportveranstaltung X-Games teilnahm und 2005 in den Rallyesport einstieg. Seit der vergangenen Saison tritt er mit Beifahrer Alessandro Gelsomino für das Monster World Rallye Team in einem Ford Fiesta RS in der Rallye-Weltmeisterschaft WRC an. Weltweit verehrt wird Block jedoch wegen seiner unfassbaren Drift-Videos, die im Internet veröffentlicht wurden. Er stellt da mit einem Auto - früher war es ein Subaru, seit vergangenem Jahr ist es ein Ford - Dinge an, die einfach nur unfassbar sind.

Zentimetergenau driftet Block um Hindernisse, er umkreiselt mit qualmenden Reifen einen Stuntman, der auf einem Segway-Roller unbeirrt dahinfährt, er jagt praktisch immer quer stehend durch Kurvenkombinationen, die unsereins im zweiten Gang mit Halbgas nehmen würde und der dreht mit dem Auto Pirouetten bis die Hinterreifen Feuer fangen. Ken Block ist unter Autofahrern, was Lionel Messi unter Fußballern ist: ein scheinbar Außerirdischer mit unbändigem Spieltrieb. Und dazu mit ähnlich ausgeprägtem Geschäftstrieb, denn der Mann ist von Kopf bis Fuß und sein Auto von Stoßstange zu Stoßstange mit Werbung dekoriert. Wenn Ken Block Gas gibt, bringt er immer auch den Umsatz von DC Shoes und den seiner Sponsoren auf Touren.

Seltsamer Name für eine spektakuläre Art der Fortbewegung

Was er dabei mit dem Wagen anstellt, ist Gymkhana in großer Nähe zur Perfektion. Die Motorsportvariante mit dem merkwürdigen Namen entstand vor gut 40 Jahren, ist aber hierzulande weitgehen unbekannt. Im wesentlichen geht es dabei um kontrolliertes Driften, gefahren wird auf Zeit durch einen Parcours mit diversen Hindernissen und Aufgaben - und am Ende gewinnt der Schnellste.

In Deutschland hat sich ebenfalls eine Gruppierung zusammengefunden, die dem Extrem-Driften fröhnt. Der "Deutsche Drifter e.V." ging vor zwei Jahren aus dem "BMW Club Burladingen" hervor, einer Truppe engagierter Autofahrer, deren vordringliches Ziel es ist, die Querbeschleunigung zur Perfektion zu erheben. "Man lernt in dieser Sportart nie aus", sagt Corinna Gräff, die Schriftführerin des noch kleinen Vereins mit rund 30 Mitgliedern. Sie und ihr Mann Alexander gehören zum harten Kern der Deutschen Drifter.

In diesem Jahr wurden erstmals eine Meisterschafts-Serie organisiert, der dritte Lauf des Gymkhana-Drift-Cup wird am kommenden Wochenende auf einem Flugplatz in der Nähe von Bautzen stattfinden. "Es wird das erste Rennen in Deutschland unter Flutlicht", sagt Corinna Gräff. Der Clou ist, dass zwei spiegelbildliche Parcours aufgebaut werden; so lässt sich die Finalrunde im K.o.-System fahren, also im direkten Vergleich zweier Konkurrenten. 20 Fahrer mit heckgetriebenen Autos, vor allem BMW, Nissan aber auch ein Mazda MX-5 sind am Start. Als derzeit bester Gymkhana-Drifter und führender in der Meisterschaftswertung geht in Bautzen Oliver Harsch auf einem BMW 3er (E30) mit einem 315 PS starken Motor ins Rennen.

"Ken Block hat uns alle inspiriert"

Im Prinzip ist Gymkhana eine Geschicklichkeitsfahrt mit hohen Drehzahlen, kreischenden Motoren und viel verbranntem Gummi - und im Vergleich zu anderen Motorsportarten eher günstig und sozialverträglich. "Ein Rennwochenende kostet, abhängig von der Anfahrt und vom Reifenverschleiß, zwischen 500 und 1000 Euro", sagt Corinna Gräff. Noch nicht eingerechnet ist da natürlich der Rennwagen. Gräff etwa fährt einen BMW 3er (E36) mit V8-Motor. Abgesehen vom Motorenlärm hält sich die Umweltbelastung in Grenzen: der Platzbedarf ist eher gering, um einen Parcours abzustecken, reicht ein Großparkplatz; und auch der Spritverbrauch ist überschaubar, denn gefahren wird nur eine kurze Distanz oder wenige Minuten.

"Keep drifting fun" heißt die Grußformel der Drifter. Die Szene erwartet übrigens mit größter Vorfreude das neue Videowerk von Ken Block. "Er hat uns alle inspiriert und letztlich zu diesem Sport gebracht", sagt Corinna Gräff. Live gesehen hat sie den Meister des Querfahrens noch nicht, doch das soll sich ändern. "Es wäre großartig, wenn Ken Block im nächsten Jahr zu einer unserer Veranstaltungen nach Deutschland kommt. Daran arbeiten wir."

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insgesamt 12 Beiträge
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dipl.inge82 17.08.2011
1. ...
Ken Block ist ein cooler Hund, aber der Rallye-Elite fährt er hinterher, siehe Deutschland-Rallye '10. Mal schauen wie es ab Übermorgen in Trier läuft. Und bei den Youtube-Videos kann auch jede Einstellung beliebig oft wiederholt und dann zusammengeschnitten werden bis alles passt. Aber ideenreich ist er und seine Truppe auf jeden Fall, und kurzweilig sind die Filme sowieso. Von daher, weiter so!
cor 17.08.2011
2. Ken Block
Was würde ich geben, um nur einmal die Fahrkünste von Block auf dem Beifahrersitz erleben zu dürfen.
sirraucheinviel 17.08.2011
3.
Lustigerweise ist Ken Block nicht mal ein aussergewöhnlich guter WRC Fahrer. Vielleicht wird er es ja noch, aber solange sollte man langsam machen und nicht so einen Mist schreiben wie "so schnell und präzise wie kaum ein anderer". Bitte ein bischen mehr Respekt vor den wahren Rallyelegenden ... würde Block bestimmt auch so sehen. Gymkhana ist ja lustig und schön anzuschauen. Weiss jemand in wievielen Takes die Videos aufgenommen wurden ?
mr_supersonic 17.08.2011
4. Ken
Sebastien Loeb ist eigentlich Kunstturner, und den Sport den Ken betreibt, kann man gut als Autogymnastik beschreiben, passt schon :o) An die Mitforisten: Selbst wenn für ein Video mehrere Takes gemacht werden, muss er sowas Zustande bringen. :o)
gummiball2 17.08.2011
5. Pah
Wenn wir alle nur genug Zeit (zum Üben) und Geld (um nach einem schrottigen Unfall ein neues Auto zu kaufen) hätten, könnten wir das alle.
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