Umstrittene OLG-Entscheidung Fahrrad-Club wehrt sich gegen Helm-Urteil

Der Streit um das Fahrradhelm-Urteil geht weiter. Ein Gericht hatte entschieden, dass Radfahrer ohne Helm eine Mitschuld tragen, wenn sie sich bei einem Unfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer am Kopf verletzen. Gegen diese Rechtsprechung will die Radler-Lobby nun vorgehen.
Radfahrer ohne Helm: "Teilschuld abgewälzt"

Radfahrer ohne Helm: "Teilschuld abgewälzt"

Foto: A4110 Tobias Kleinschmidt/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) will das Urteil zur indirekten Helmpflicht für Radfahrer zu Fall bringen. "Das ist nicht in Ordnung und darf auch nicht so stehen bleiben", sagte der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg der "Rheinischen Post".

Nach einer Entscheidung des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts trägt ein Fahrradfahrer ohne Helm eine Mitschuld, wenn er nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer stürzt und sich am Kopf verletzt. Das gilt nach Auffassung des OLG auch dann, wenn sich der Unfallgegner verkehrswidrig verhalten hat.

Mit diesem Urteil werde eine Teilschuld auf eine schwächere Verkehrsteilnehmerin abgewälzt, obwohl diese sich nicht falsch verhalten habe, sagte Syberg. Der ADFC will das Opfer nun dabei unterstützen, die Entscheidung per Revision beim Bundesgerichtshof anzufechten, kündigte sie an.

Im konkreten Fall war die Klägerin mit ihrem Fahrrad auf der Straße an einem am Straßenrand parkenden Auto vorbeigefahren. Die Autofahrerin öffnete unmittelbar vor der Fahrradfahrerin die Tür. Die Radlerin konnte nicht mehr ausweichen und stürzte. Dabei zog sie sich eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung zu und verbrachte anschließend zwei Monate im Krankenhaus. Dem Urteil des OLG zufolge muss die Frau 20 Prozent ihres aus dem Unfall entstandenen Schadens selbst bezahlen.

cst/dpa