Absurde Verkehrswege Es fährt ein Rad nach nirgendwo

Viel zu schmal, kurvig oder blockiert: Manche Radwege sind einfach nur irre. SPIEGEL-ONLINE-Leser haben weitere Beispiele aus ihrem Alltag gesammelt.

Johannes Driemler

Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Ein Auto blockiert den Radweg, ein Schild steht drauf, oder eine Sperre zwingt zum Absteigen. In deutschen Städten sind Radfahrer es gewohnt zu improvisieren. Mal müssen sie sich um Hindernisse herumschlängeln, mal absteigen oder die Fortsetzung des Radwegs suchen, der gerade vor ihnen endet.

Vielfahrer aus ganz Deutschland haben nach dem SPIEGEL-ONLINE-Beitrag über kuriose Radwege auf weitere Beispiele hingewiesen. Diese zeigen auch, wie in deutschen Städten um Verkehrsraum gerungen wird. Seit Jahrzehnten kämpfen Radfahrer für mehr Platz, doch Autos werden breiter, und es gibt mehr von ihnen. Bald sollen Elektrostehroller hinzukommen, und was ist eigentlich mit den Fußgängern?

In dieser Gemengelage werden Bauämter mitunter sehr kreativ, um Radfahrern eine Spur auf der Straße oder gar eine separate Strecke bieten zu können - und scheitern dabei auf spektakuläre Weise. Die Varianten reichen von Kurz-Radwegen mit wenigen Metern Länge über Slalomstrecken um Parkbuchten herum bis hin zu schmalen Schotterpisten neben einer Leitplanke (siehe Bildergalerie).

Es mag sich um einzelne, besonders krasse Fälle handeln. Doch das große Bild bestätigt den Eindruck - das ergab die jüngste Umfrage des Fahrradclubs ADFC. Demnach ist die Zufriedenheit mit Radstrecken in Deutschland erneut gesunken - auf die Durchschnittsnote 3,9 (1 = sehr gut, 6 = schlecht). Ein weiteres zentrales Ergebnis laut ADFC: Radfahrer fühlen sich auf Fahrbahnen oder Radstreifen neben dem fließenden Autoverkehr nicht sicher.

"In Deutschland fahren eigentlich nur Menschen Rad, die leidensfähig sind", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Die einen trotzten der schlechten Infrastruktur, indem sie auf der Kfz-Spur im Nahkampf mit Autos und Lastern fahren. "Andere versuchen, die Radwege zu nutzen und flüchten auf den Gehweg, wenn es zu brenzlig wird." Die weniger Leidensfähigen ließen das Radfahren gleich ganz bleiben, so Krone. "Das alles ist eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass mehr Radverkehr politisch hocherwünscht ist."

Sehen Sie hier die irren Radwege aus der ersten SPIEGEL-ONLINE-Geschichte:

Fotostrecke

8  Bilder
Poller, Ecken, Kanten: Radweg-Irrsinn in den Städten
  • Imago stock&people
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r_dawkins 09.05.2019
1. Tja, da kann man sich nur
Hernn Özdemir anschließen, und fordern den öffentlichen Platz neu zu verteilen. Weg von der "autogerechten" Stadt, hin zur Stadt für Menschen, weniger Lärm, weniger Dreck, mehr Fahrräder! Das sollte die Zukunft sein
thomaswho 09.05.2019
2. Falsche Prämisse!
Radwegebau in Deutschland hatte und hat oft gar nicht das Ziel, die Lage der Radfahrer zu verbessern. In vielen Fällen geht es schlicht darum, die Strasse für die Autos frei zu halten. Schön zu sehen an dem Hamburger Beispiel. Wenn man es unter diesem Aspekt sieht, versteht man so manchen Radweg.
sternenguckerle 09.05.2019
3. Tagtägliche Realität
Solche Verkehrssituationen sind auf meinem täglichen Radweg zur Arbeit und zurück Realität. Die Stadt nimmt freundlich Beschwerden auf, es ändert sich jedoch nichts.
Peer Pfeffer 09.05.2019
4. Geheuchelte Verkehrswende
Tja. Egal, was unsere Politiker sagen, oder was in ihren Grundsatzprogrammen steht. Sie tun es einfach nicht. Das ist ein grundsätzlicher Umschwung der Politik (weltweit, finde ich) so seit ca. 15 Jahren zunehmend. Eigentlich DER Grund für Piolitikverdrossenheit. Zu den Radwegen in Hamburg, die ich regelmäßig als Arbeitsstrecke benutze: katastrophal. Entweder geht es über von Wurzeln verbeulte Radwege neben dem Bürgersteig, der dann plötzlich mit Radspur neben die Autofahrer geleitet wird, um dann ganz zu verschwinden. Nebenstraßen mit geringerer Stickoxid-Belastung sind meist aus Kopfsteinpflaster und unbefahrbar, Es ist wirklich ein Jammertal.
max-mustermann 09.05.2019
5.
Verstehe das Schimpfen auf die Politik in diesem Fall nicht. Wie die erst kürzlich auf SPON veröffentlichten Umfragen gezeigt haben sind bis auf eine knappe Hälfte der Metropolbewohner alle gegen das weitere Einschränken des Autoverkehrs, ergo hält die Politik einfach weiter an dem fest was die Merheit aller Bürger will.
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