Unfallforschung Todesrisiko für Radfahrer ist dreimal höher als für Autofahrer

Wer Bürger aufruft, mit dem Rad zu fahren, ohne für sichere Radwege zu sorgen, nimmt Tote in Kauf. Das ist die Warnung eines Unfallforschers, der ermittelt hat, wie groß das Risiko für Radler ist, im Verkehr zu sterben.
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Radfahren ist riskanter als bisher gedacht. So ist die Gefahr, bei einem Unfall zu sterben, auf dem Fahrrad in Deutschland dreieinhalbmal höher als im Auto oder auf dem Motorrad. Das hat der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann mit neuen Verkehrsdaten berechnet. Das Risiko, sich schwer zu verletzen, sei für Radfahrer sogar siebenmal höher, so Brockmann gegenüber dem ZEITmagazin.

Dass Großstädte wie Berlin sich heute zu Radfahrstädten erklären, sieht der Unfallforscher kritisch: "Wer zum Radfahren auffordert, ohne dass die Infrastruktur da ist, nimmt zusätzliche Tote in Kauf." In dicht besiedelten Gebieten sei das Unfallrisiko für Radfahrer besonders hoch.

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Zugleich habe der radgerechte Ausbau der Verkehrswege Grenzen. "Das Unfallproblem lässt sich durch bessere Radwege allein nicht lösen", sagt Brockmann. Die meisten Unfälle ereigneten sich an Kreuzungen. Für sie gebe es keine sicheren Radverkehrskonzepte.

Im Jahr 2017 kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 382 Fahrradfahrer ums Leben, 2018 waren es nach vorläufigen Angaben mindestens 50 mehr. Das Bundesverkehrsministerium will den Radverkehr nun mit zwölf Maßnahmen sicherer, aber auch flüssiger machen. Unfallforscher Brockmann und der ADFC sind jedoch nicht von allen Vorschlägen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) überzeugt, wie die Übersicht zeigt.

ene
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