Fahrverbot Berlin verbannt Oldtimer

Die Oldtimer-Szene ist empört: Um eine EU-Richtlinie umzusetzen, wird Berlin Autos ohne Katalysator aus der Innenstadt verbannen. Von dem Verbot sind Tausende Oldie-Karossen und Trabis betroffen. Autoclubs wettern gegen die Entscheidung und fordern Ausnahmeregeln.

Berlin - "Wenn diese Regelung kommt, ist die Hälfte von 1500 Berliner Minis tot", sagt André Helmut, Inhaber der Lichtenberger "Mini Manufaktur" und als Spezialist für englische Mini-Cars in der Szene bekannt. Mit "diese Regelung" meint er das von Januar 2008 an geltende Fahrverbot der Senatsverwaltung für sämtliche Wagen ohne Katalysator innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings. Betroffen sind vor allem Oldtimer, also jene Fahrzeuge, die mehr als 30 Jahre alt sind und damit nicht mindestens die Abgasnorm Euro 1 erfüllen.

"Ein Nachrüsten bei Oldtimern geht oft gar nicht", sagt Sven Janssen, Sprecher des Automobilclubs AvD. AvD-Präsident Wolfgang-Ernst zu Ysenburg ist ebenso wenig begeistert: "Erstmals verzichtete die Politik bei diesem Thema auf eine Expertenanhörung. Technisch hat man dort überhaupt keine Ahnung."

Hintergrund der geplanten Regelung sind die von der EU bereits 2005 festgelegten scharfen Grenzwerte zur Luftreinhaltung. Eigentlich sind diese Regelungen erst ab 2010 Pflicht. Die Stadt Berlin beabsichtigt mit der verfrühten Implementierung des Luftreinhalteplans jedoch drohende Gerichtsverfahren zur schnelleren Umsetzung zu umgehen.

Ohne Kat darf keiner rein

Dass genau Oldtimer unter der Richtlinie zu leiden haben, ist den Besitzern unverständlich, immerhin gelten sie als "Träger technischen Kulturgutes". Genau 4537 Exemplare sind derzeit in Berlin angemeldet. "Und ihre Fahrleistung beträgt nicht mehr als 2000 bis 5000 Kilometer im Jahr", sagt Martin Halder, Chef des Meilenwerks, einem "Forum für Fahrkultur", das sich in einem umgebauten Straßenbahnhof in Moabit niedergelassen hat. "Oldtimer sind TÜV- oder Dekra-geprüft, sie bilden wegen des perfekten Zustandes rollende Gütesiegel", sagt Halder. Zumindest für das Meilenwerk ist Hilfe in Sicht. "Bis Ende 2008 wollen wir Ausnahmeregelungen vorlegen", sagt Manfred Breitenkamp, Abteilungsleiter Umweltpolitik im federführenden Senat für Stadtentwicklung. Darunter fielen An- und Abfahrten zum Meilenwerk.

Ansonsten ist aber klar. "Niemand darf ohne Kat in diese Umweltzone. Ob Bus oder Auto", sagt Breitenkamp. Dazu zählen auch 597 Wartburgs und 1734 Berliner Trabis. "Dies kann für uns das Aus bedeuten", stöhnt Rico Heinzig aus Dresden. Er veranstaltet in Dresden und in Berlin die bislang einmalige Trabisafari - ein Renner bei Touristen und Geschäftsleuten. Allein in Berlin sind 35 "Pappen" für die Firma unterwegs. Die Clubs sind ebenfalls alarmiert: "Die Hälfte der Trabifahrer könnte sich gar kein neues Auto leisten. Dabei ist doch auch dieses Auto inzwischen Kulturgut", sagt Christian Marotz vom Trabant-Club-Berlin.

Der meiste Dreck kommt aus dem Osten

Gleiches gilt für den Westbruder. "Eine Käfer-Nachrüstung wäre nur bei Modellen ab 1969 möglich", weiß Clemens Eichberg von den Käferfreunden Berlin. Sein Kollege Uwe Donath vom Buggy-Club assistiert: "Viele Käfer sind nur durch Motorenwechsel auf Kat umzurüsten." Aber ein neuer Motor bedeute den Verlust der Zuerkennung Oldtimer, heißt es unisono. Die Abteilung von Mercedes-Classics aus Stuttgart lässt vorsichtig verlauten, der den Besitzern zugemutete Aufwand solle gegenüber dem Nutzen abgewogen werden.

Dabei stellen durch Ottomotoren verursachte Abgase nicht wirklich das Problem dar. Echte Feinstaubschleudern sind moderne Diesel. Von den Ottomotoren stammt nur ein geringer Anteil der Verschmutzung. Den meisten Dreck hingegen bekommt die Innenstadt aus dem Osten. "50, zeitweise 80 Prozent allen Drecks sind Importe. Vieles aus alten polnischen Kraftwerken", sagt Breitenkamp. Gerade berät darüber eine deutsch-polnische Kommission, Beisitzer sind Sachsen und Berlin. Wenn sie in zwei Jahren erste Ergebnisse vorlegt, sind die Oldtimer bereits aus Berlins City verbannt. Nach einhelliger Ansicht Betroffener als Bauernopfer. Denn für Motorräder und -roller gelten die strengen Regeln ab 2008 nicht.

Torsten Hilscher, ddp

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