Sperrungen in Salzburg Österreich weitet Fahrverbote aus

Das Bundesland Salzburg verhängt Wochenendfahrverbote und folgt damit dem Beispiel Tirols. Dessen Landeschef plant bereits ein automatisiertes System, das den Lkw-Verkehr völlig zum Erliegen bringen könnte.

Nach Tirol verhängt auch Salzburg Fahrverbote für Durchreisende
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Nach Tirol verhängt auch Salzburg Fahrverbote für Durchreisende


Das österreichische Bundesland Salzburg hat jetzt Wochenendfahrverbote gegen den Ausweichverkehr angekündigt. Vom 13. Juli bis 18. August werden jeweils samstags und sonntags von 6 bis 20 Uhr alle Abfahrten der Tauernautobahn (A10) gesperrt.

Abfahren dürfen dann nur Anrainer oder Gäste, die in der Umgebung ihre Unterkunft gebucht haben. Die Maßnahme soll zwischen Puch-Urstein bei Hallein und Sankt Michael im Lungau umgesetzt werden. Eine entsprechende Verordnung werde bis Samstag erlassen, hieß es beim zuständigen Landesrat.

Salzburg folgt damit dem Beispiel Tirols. Dort wurden schon an den drei vergangenen Wochenenden entsprechende Fahrverbote durchgesetzt, um die Dörfer in Autobahnnähe im Großraum Innsbruck zu entlasten. In beiden Bundesländern spielen auch Sicherheitsbedenken eine Rolle, da Rettungskräfte bei Einsätzen nicht schnell genug durch die staugeplagten Dörfer kämen.

Tirol plant weitere Maßnahmen

Allzu große Probleme im Reiseverkehr verursachten die Fahrverbote in Tirol bisher nicht. Die Maßnahme löste allerdings einen anhaltenden Verkehrsstreit zwischen Deutschland und Österreich aus. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bewertete die Tiroler Fahrverbote als "zutiefst diskriminierend" und drohte eine Klage gegen Österreich an. Zudem steht das schlimmste Reisewochenende laut ADAC jetzt erst bevor. Dann könnte sich die Lage verschärfen.

Tirols Landeschef Günther Platter reagierte prompt und erklärte am Mittwoch, dass weitere Verschärfungen im Transitverkehr vorbereitet werden. "Bevor die Brennerstrecke für Lkw nicht unattraktiver wird und es zu einer signifikanten Reduktion des Umwegtransits kommt, wird es kein Nachgeben bei den Fahrverboten im niederrangigen Straßennetz und bei den Blockabfertigungen geben."

Er plane ein automatisiertes System für Güter- und Personenverkehr, sagte Platter der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Zum Einsatz kommen soll das System zunächst für den Lkw-Verkehr am Grenzübergang bei Kufstein. Falls es auf der Inntalautobahn zu einer ernsten Staulage komme, werde es für den Schwerverkehr Geschwindigkeitsreduktionen geben, die bis zum Stillstand reichen könnten, sagte Platter. Das System werde derzeit mit dem Autobahnbetreiber Asfinag aufgesetzt.

Scheuer lädt zum Dialog

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lud Platter sowie den österreichischen Verkehrsminister Andreas Reichhardt indes nach Berlin ein, wie der "Münchner Merkur" berichtete. "Überzogene Forderungen, tägliche Zuspitzungen und mediale Überbietung bringen uns nicht weiter", sagte Scheuer. Er wolle "die Hitze aus der Diskussion nehmen". Wenn es mit Blockaden und Fahrverboten so weitergehe, breche der Tourismus, der Handel und die Logistik ein, warnte er.

Auch Italien kritisiert die Praxis im Nachbarland als nicht europarechtskonform. Die EU-Kommission bewertete die Blockabfertigungen unlängst als "unverhältnismäßig", weil der freie Warenverkehr durch die häufige und systematische Anwendung zum Erliegen komme. Eine Stellungnahme zur Rechtmäßigkeit der Fahrverbote steht noch aus.

cfr/dpa



insgesamt 184 Beiträge
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Tiberio 11.07.2019
1. Kommunikation
Ich fürchte es ist wieder einer dieser Fälle, den man durch direkte Dialoge hätte verhindern können. Man gibt Interviews, man kritisiert öffentlich und man twittert statt mal den Hörer in die Hand zu nehmen und zu reden. Das gilt für alle Beteiligten.
moistvonlipwik 11.07.2019
2. Vorbildlich
Derlei sollte überall eingeführt werden. Wer über die Autobahn fahren will, muss vorbestellen Auch sonst stehen Verkehrsleistungen nicht einfach zum Zugriff zur Verfügung.
CK74 11.07.2019
3. Autobahngebühr in Deutschland
Wir sollten alle auf eine Autobahngebühr in Deutschland pochen, lieber sollten alle ZAHLEN, damit endlich diese Provokation aufhört. Ich bin auch der Meinung wir sollten das Schweizer System vorziehen, was soll dieses ewige Abwarten. Eine KFZ - Steuerreform kann auch erst in 2 oder 3 Jahren realisiert werden. Wenn interessiert das noch.
ctrader62 11.07.2019
4. Nachvollziehbar
Die Bahn baut die zugesagten Strecken nicht, die LKWs können so nicht auf die Bahn verladen werden (Zubringer Bayern/Tirol mit Ziel neuer Brennertunnel, ebenso gibt es die zugesagte Oberrheintalbahn nicht und der Gotthardtunnel ist teils ungenutzt). Die Anwohner werden von Blechlawinen überrollt und müssen, zumindest in fast allen Teilen Deutschlands, dann auch noch die Strassensanierung privat bezahlen. Mich wundert es, warum das erst jetzt gemacht wird. Wenn Deutschland so grün und menschenfreundlich ist, warum lässt man unsere Nachbarn trotz völkerrechtlicher Verträge so im Regen stehen ? Das wirkt auf die kleinen Nachbarn völlig arrogant und überheblich und der Eindruck ist wohl auch nicht falsch.
quark2@mailinator.com 11.07.2019
5.
Also ich glaube fast, es gibt da Autobahnen in DE, die liegen parallel zu Drittländern und werden von deren Bürgern genutzt, weil sie im eigenen Land da keine schnelle Piste haben. Rein subjektiv finde ich die völlig überfüllt und dem sollte man entgegenwirken. Mal im Ernst - wenn wir hier alle anfangen wollen, uns gegenseitig das Leben schwerzumachen ... Irgendwie erreicht die EU im Moment das Gegenteil von mehr Frieden in Europa. Statt Miteinander wie in den 90ern, haben wir jetzt unter dem Tisch ein Hauen und Stechen ... sehr ärgerlich.
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