Feinstaub-Fahrverbote Welche Autos sind betroffen?

Am 1. März tritt die Feinstaubverordnung in Kraft. Viele deutsche Städte planen Fahrverbote für alte Diesel und Benziner mit altem Katalysator. Werden bald Tausende Autos aus den Innenstädten verbannt? Experten raten zur Ruhe - doch am Ende könnte alles ganz schnell gehen.


Frankfurt/Main - Ob in Berlin, München, Dortmund, Cottbus, Bremen oder Göttingen: In vielen deutschen Städten sind die Grenzwerte für Feinstaub in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches überschritte worden. Damit soll bald Schluss sein, im Kampf gegen die gesundheitsschädlichen Schadstoffpartikel geht es den Autofahrern an den Kragen: Am 1. März tritt die Feinstaubverordnung in Kraft. Zahlreiche Städte von Stuttgart über München, Augsburg, Köln, Düsseldorf und Berlin bis Cottbus wollen dann Umweltzonen einrichten und die Stinker aus ihren Zentren verbannen. Für Autofahrer ist das aber kein Grund zur Panik.

Dreckschleuder Auto: Viele Städte planen Fahrverbote
DPA

Dreckschleuder Auto: Viele Städte planen Fahrverbote

Nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Städtetages, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), wollen rund 20 Städte Umweltzonen einführen. Rein darf dann nur noch, wer eine Umweltplakette an der Windschutzscheibe hat. Die Plaketten sind nach Schadstoffgruppen gestaffelt: von grün für die saubersten Wagen ab der Abgasnorm Euro 4 über gelb für Euro 3 bis zu rot für Autos, die nur die Abgasnorm Euro 2 erfüllen. Alle anderen bekommen keine Plakette und dürfen nicht in die Umweltzonen fahren.

In welche Klasse ein Wagen gehört, lässt sich bei einem Abgleich der Angaben in den Fahrzeugpapieren mit den Internetseiten des TÜV oder des Verkehrsclubs Deutschland herausfinden. Den runden Aufkleber gibt es dann für fünf bis zehn Euro bei den Zulassungsstellen, dem TÜV oder Werkstätten, die die Abgasuntersuchung abnehmen. Wer ohne Plakette in der Umweltzone erwischt wird, muss 40 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg.

Doch wie viele Fahrzeuge am Ende wirklich von dem Fahrverbot betroffen sind, darüber gehen die Schätzungen auseinander. 6,7 Millionen, sagt der ADAC: vom alten Diesel ohne Filter bis zum Benziner ohne Katalysator. Das Bundesumweltamt rechnet hingegen damit, dass viele alte Autos bald verschrottet werden und geht nur von knapp der Hälfte aus.

Trotz des bald in Kraft tretenden Gesetzes besteht für Autofahrer kein Grund zur Hektik. "Am 1. März tritt zwar die Regelung in Kraft, es gibt aber noch keine Umweltzonen", sagt Andreas Hölzel vom ADAC. Ursprünglich wollte Stuttgart als eine der ersten Städte ab Juli eine Umweltzone einrichten, gefolgt von München und Augsburg im Oktober. Die Kölner Innenstadt sollte ab Januar 2008 nur noch für schadstoffarme Autos offen sein, bevor Berlin und Frankfurt am Main nachziehen wollten und Cottbus Ende 2008 seine Innenstadt für Abgassünder sperren wollte.

"Sobald die Änderung durch ist, kann es ganz schnell gehen"

So weit die Planung. Wäre da nicht ein kleines Problem: Ausgesperrt blieben nach derzeitiger Rechtslage nämlich auch all jene 4,6 Millionen Benziner aus den späten achtziger und frühen neunziger Jahren, die mit einem geregelten Katalysator ausgerüstet sind. Zu Unrecht, wettert Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard. "Städte machen Umweltzonen, um die Bewohner der Innenstadt vor Feinstaub zu schützen. Dass jetzt sogar die draußen bleiben müssen, die gar keinen Feinstaub ausstoßen, ist Unsinn." Städtetags-Präsident Ude forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) daher auf, die Feinstaubverordnung zu ändern. Bis das nicht geschehen ist, werde keine Stadt eine Umweltzone ausweisen.

Im Umweltministerium in Berlin gibt man sich gelassen. Schließlich hätten die Länder den Entwurf für die Verordnung vorgelegt und im Bundesrat abgenickt. "Wenn die Länder nun etwas anderes haben wollen, sollen sie einen Antrag im Bundesrat stellen", heißt es. Dass die Änderung kommt, ist sicher, das sie noch bis zum 1. März kommt, glaubt in Gabriels Ministerium jedoch kaum jemand mehr.

"Sobald die Änderung durch ist, kann es ganz schnell gehen mit den Umweltzonen", meint ADAC-Sprecher Hölzel. "Wir erwarten die ersten noch in diesem Jahr", heißt es beim Deutschen Städtetag. Wer nicht gerade in der potenziellen Umweltzone wohnt oder dorthin zur Arbeit pendelt, kann getrost abwarten, rät Tim Kreitlow vom TÜV Nord. Wer jedoch mit einem Fahrverbot rechnen muss, sollte sich überlegen, ob eine Nachrüstung lohnt, sagt Hölzel. Sie kostet rund 650 Euro und wird steuerlich gefördert.

Katharina Becker, AFP

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insgesamt 569 Beiträge
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Seite 1
yieeha.Happy, 04.01.2007
1.
Ist ihnen etwas darüber bekannt, wie das Einhalten dieser Regelung kontrolliert werden soll, bzw. wie die Strafen für einen Verstoß sind? Sollte es dafür - wie z. B. für geringe Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit - ein Verwarnung, verbunden mit einer Geldstrafe aber ohne Eintrag ins Verkehrszentralregister geben, würden sich wohl viele nicht daran halten. Dies sieht man ja schon daran, dass ein guter Teil der Autofahrersich eben die angesprochenen geringen Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit zur Gewohnheit gemacht hat. "Es passiert ja nicht viel"
Gosch, 04.01.2007
2.
---Zitat von sysop--- Im Frühjahr wollen viele deutsche Städte Fahrverbote für Autos mit hohem Feinstaub-Ausstoß einführen. Ist die Regelung umweltpolitisch und verkehrstechnisch sinnvoll? ---Zitatende--- Umweltpolitisch ja. Verkehrspolitisch nur dann, wenn ein attraktives ÖPNV-Netz existiert (und wie viele deutsche Städte haben das schon?). Sozialpolitisch nein. Betroffen sind doch in erster Linie die Fahrer von alten Stinkern - und abgesehen von ein paar Überzeugungs-Nostalgikern sind das doch wohl im Regelfall Leute mit wenig Kohle!
Azenion, 04.01.2007
3. Ausnahme für Mofas? Ein Witz!
Zweitaktmotoren mit ihren beißenden blauen Abgaswolken sind ja wohl die größten Stinkbomben auf unseren Straßen, dazu unverschämt laut. Ist mir unbegreiflich, warum man die nicht verbietet. Und dann auch noch freie Fahrt in "Umweltzonen"? Unfaßbar!
inmado 04.01.2007
4. Enteignung?
Ich kann es kaum glauben: "Wer keine Plakette am Auto führt, darf künftig nicht mehr in die Umweltzonen fahren". Und was ist mit denen, die in der "Umweltzone" wohnen? Was soll man denn mit einem Auto, mit dem man nicht mehr nach Hause fahren darf? Der Marktwert der betroffenen Fahrtzeuge wird sicher drastisch sinken, so das man hier schon fast von Enteignung reden kann. Die so kurzfriste Einführung einer solchen Regelung ist ein Unding!
knut3000 04.01.2007
5.
Der Begriff "alte Stinker" trifft es aber nur zum Teil. Ich fahre seit vielen Jahren ausschließlich "Ente", also Citroen 2CV (sowohl als armer Student als auch heute), die als Benziner mit einem Verbrauch zwischen 5 und 6 Litern sicher erheblich weniger in Sachen Feinstaub "stinken" als ein soeben zugelassener Diesel-SUV. Mal ganz abgesehen von den ständig zunehmenden Feinstaubmassen, die uns die "Güter gehören auf die Strasse" Lobby zumutet. Und ich denke, dass meine persönliche Pkw-Umweltbilanz besser ausfällt, wenn ich ein solch einfaches und günstiges sowie vergleichsweise sparsames Fahrzeug 20 Jahre und mehr fahre, als wenn ich alle 5 Jahre einen Neuwagen erwerbe, Recycling hin oder her. Für mich ist die neue Verordnung grundsätzlich gut gewollt, aber auch mit einigen Ungereimtheiten sowie einer gewissen persönlichen Unbequemlickeit versehen, welcher ich aber eher gelassen gegenüber stehe. Ich bin mal gespannt, wie sich die Umsetzung der Verordung und die Einführung der Umweltzonen in der Praxis darstellt...
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