Feldversuch Regierung schickt Gigaliner auf die Straße

Die Gigaliner kommen: Das Kabinett hat am Mittwoch einen bundesweiten Feldversuch mit 25,25 Meter langen Lastzügen gebilligt. Das Projekt wird am 1. Januar 2012 beginnen und soll fünf Jahre dauern. Über die Entscheidung dürften sich nicht alle Verkehrsteilnehmer freuen.
Lang-Lkw: Ein sogenannter Gigaliner fährt auf der Autobahn A30

Lang-Lkw: Ein sogenannter Gigaliner fährt auf der Autobahn A30

Foto: dapd

Berlin - Die Koalition feiert den Beschluss als Erfolg für Umwelt und Wirtschaft, die meisten Autofahrer dürften sich über die langen Laster weniger freuen. Die Bundesregierung hat ein Projekt zum Test von Lkw mit einer Länge von bis zu 25,25 Metern beschlossen. Sieben Bundesländer haben sich förmlich mit dem Versuch einverstanden erklärt, darunter auch das SPD-regierte Hamburg. Sachsen-Anhalt toleriert ihn und gewährt Durchfahrtrechte. Auch auf Autobahnen durch Baden-Württemberg dürfen laut Bundesverkehrsministerium die Lastzüge fahren. Ob das grün-rot regierte Land zugestimmt hat, ließ das Ministerium offen.

Rund 400 Lastzüge mit einer Höchstlänge von 25,25 Meter (bisher 18,75 Meter) und einem Gesamtgewicht von jeweils höchstens 44 Tonnen sollen der Verordnung zufolge rund fünf Jahre lang auf festgelegten Routen verkehren. Förmlicher Beginn des Versuchs soll der 1. Januar 2012 sein; tatsächlich werden die ersten Fahrzeuge im Frühjahr auf den Straßen erwartet.

Versuch mit wissenschaftlicher Unterstützung

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) begründete den Versuch mit den Worten, es gehe ihm darum, "den Verkehr klug zu organisieren und nicht zu verhindern". Der Länder übergreifende Feldversuch gründe "auf einer soliden Basis mit klaren Vorgaben, die von der Bundesanstalt für Straßenwesen wissenschaftlich begleitet werden", fuhr er fort.

Die Fahrer solcher Lastwagen müssen mindesten fünf Jahre im Besitz des Lkw-Führerscheins sein, mindestens fünf Jahre Fahrpraxis nachweisen und dürfen nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben. Ramsauers zuständiger Staatssekretär Andreas Scheuer kündigte eine Selbstverpflichtung der Speditionswirtschaft zu größtmöglicher Sicherheit beim Betrieb der Lastzüge an, die noch über die Bestimmungen in der nun vom Kabinett gebilligten Ausnahmeverordnung hinaus gehen solle. Die Lastzüge dürfen weder gefährliche noch flüssige Güter transportieren, die Waren müssen für den Container-Verkehr geeignet sein. Außerdem gilt für die Gigaliner ein generelles Überholverbot.

Die Reaktionen auf den Beschluss fielen erwartungsgemäß unterschiedlich aus: Die SPD erklärte, sie werde prüfen, ob es Möglichkeiten zur Klage dagegen gebe. Für den FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring ist er "ein Erfolg für Umwelt und Wirtschaft", die Grünen sprachen von "einem völlig falschen Signal", das dem Ziel schade, mehr Güter auf die Schiene zu bringen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) argumentierte: "Wenn statt drei herkömmlicher Lkw nur noch zwei Lang-Lkw für das gleiche Transportvolumen benötigt werden, sind bis zu 30 Prozent Kraftstoff- und CO2-Ersparnis möglich."

rom/dapd
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