Ferrari-Auktion "Michael Schumacher bringt natürlich einen dicken Bonus"

Bei Oldtimer-Auktionen werden Rekordpreise erzielt. Besonders begehrt sind Ferraris. Doch Vorsicht ist geboten - selbst bei Promi-Autos.

Auctionata

Ein Interview von Margret Hucko


SPIEGEL ONLINE: Herr Brune, am 26. September findet in Ottobrunn eine "Ferrari Only"-Versteigerung des Auktionshauses Auctionata statt. Sind andere Marken mittlerweile für Versteigerungen uninteressant?

Zur Person
  • Classic-Data
    Marius Brune, geboren am 8. Juli 1967, ist Prokurist bei dem Marktbeobachter Classic Data und dort für die Bewertung klassischer Fahrzeuge zuständig.
Marius Brune: Nein, in Stuttgart finden zum Beispiel regelmäßig Mercedes-Auktionen im Mercedes-Benz-Museum statt. Und Aston Martin hat zum Teil noch höhere Wertsteigerungen als Ferrari. Das liegt unter anderem an diesem James-Bond-Hype. Für die Auktionshäuser bedeutet das entsprechend hohe Einnahmen, wenn diese Edelmarken versteigert werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel verdient denn ein Auktionshaus an der Versteigerung eines Luxus-Oldtimers?

Brune: 10 bis 15 Prozent auf den Hammer-Preis.

SPIEGEL ONLINE: Bei 38,1 Millionen Dollar für einen Ferrari GTO, die im vergangenen Jahr erzielt wurden, sind das 3,8 bis 5,7 Millionen Dollar. Gibt es eine Spekulationsblase?

Brune: Ein Prozent der Bevölkerung besitzt fast 90 Prozent des Weltvermögens, die Zahl der Milliardäre wächst. Dieser steigenden Zahl sehr reicher Menschen steht ein festes Kontingent an Autos gegenüber. Das treibt die Preise.

SPIEGEL ONLINE: Wie sicher kann ich sein, ein Original zu erhalten, wenn ich Millionen bei einer Auktion bezahle?

Brune: Fälschungen sind ein Problem. Bei solchen Preisen kann eigentlich alles nachgebaut werden, weil es sich immer noch lohnt. Deshalb ist besondere Vorsicht beim Kauf geboten. Auch ist das, was im Auktionskatalog steht, keine zugesicherte Eigenschaft. Gerade die amerikanischen und englischen Auktionshäuser handhaben das sehr leger.

SPIEGEL ONLINE: Ein Beispiel?

Brune: Bei einer Auktion in den USA sollte ein Heinkel-Kabinenroller im Originalzustand versteigert werden. Einem Heinkel-Klub fiel auf, dass sich der Original-Motor des Rollers in seinem Besitz befand. Als der Klub den Auktionator auf die falsche Angabe im Katalog hinwies, lautete die Antwort wortwörtlich: 'So what!' Der Käufer ist selbst dazu verpflichtet, die Angaben im Katalog zu überprüfen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Auctionata kommt auch ein Ferrari 512 BB aus dem Jahr 1977 unter den Hammer. Angeblich hat der Wagen bis zu seiner Restaurierung im Jahr 2010 nur 4413 Kilometer zurückgelegt. Wären Sie da skeptisch?

Brune: Auf jeden Fall vorsichtig. Manchmal wird in den Auktionskatalogen mit viel Fantasie formuliert. Die Veranstalter sind sehr erfinderisch mit ihren Formulierungen: Da steht zum Beispiel, dass ein Fahrzeug 20 Jahre lang als Hochzeitsfahrzeug liebevoll gepflegt wurde vom Besitzer. Konkret bedeutet das: Dieses Fahrzeug wurde 20 Jahre lang nicht restauriert, aber genutzt. Es gibt da einen schönen Ausdruck im Englischen: "has been left undisturbed" - wurde nicht berührt. Im Klartext heißt das: Daran hat keiner was gemacht.

Ferrari 512 BB von 1977
Auctionata

Ferrari 512 BB von 1977

SPIEGEL ONLINE: In Ottobrunn wird unter anderem ein Rennwagen von Michael Schumacher angeboten: Mit dem F310B hat er 1997 den Großen Preis von Japan in Suzuka gewonnen. Wie wichtig sind berühmte Vorbesitzer für den Verkaufspreis?

Brune: Es kommt drauf an, wer es ist. Michael Schumacher bringt beim Verkauf eines Ferrari natürlich einen dicken Bonus. Aber nehmen Sie Larry Hagmann aus der Fernsehserie Dallas. Wer kennt den heute noch? Vor 15 Jahren war ich bei einer Auktion dabei, da war der Mercedes von Hagman ein begehrtes Gut. Aber heute? So ein Promi verliert an Zugkraft und der Promi-Aufschlag ist weg.

SPIEGEL ONLINE: Wie hoch ist denn so ein Promi-Aufschlag?

Brune: Einmal wurde ein Mercedes 560er SL von Madonna versteigert. Dazu ein schönes Foto, das Madonna mit ihrem Ex-Mann Sean Penn im Auto zeigte. Der Mercedes hat natürlich fast das Doppelte seines normalen Preises gebracht.

SPIEGEL ONLINE: Der Schumacher-Wagen startet bei 650.000 Euro. Was ist er wirklich wert?

Brune: Die Frage ist: Wie viel ist noch original an dem Fahrzeug? Motoren halten in der Formel 1 maximal eine Saison, manchmal auch nur ein Rennen. Wie oft ist Schumacher damit gefahren und welche Rennen? Das sind alles Faktoren, die etwas wert sind. Der wird auf jeden Fall über eine Million gehen - da bin ich mir ziemlich sicher.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht es um die Auktionskultur in Deutschland?

Brune: Sie ist langsam im Kommen. Bisher fand der Oldtimer-Handel hierzulande gar nicht über Versteigerungen statt. Im Vergleich zu Frankreich, England oder den USA geben sich die Deutschen auch sehr verspannt bei diesen Veranstaltungen, ihnen fehlt die Lockerheit. In Paris oder Silverstone sind Auktionen viel natürlicher als beispielsweise am Nürburgring.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt es denn, dass die Deutschen so unentspannt sind?

Brune: Hier heißt es gleich: Guck mal, der hebt die Hand, der kann sich das leisten. Viele Bieter wollen unerkannt bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Welchen Wagen würden Sie als Wertanlage ersteigern?

Brune: Dann würde ich einen Ferrari aus den frühen Fünfzigerjahren mit Geschichte kaufen.

SPIEGEL ONLINE: Ist Historie wichtiger als prominenter Vorbesitz?

Brune: Ja, auf jeden Fall. Prominenter Vorbesitz ist vergänglich. Historie ist aber ein Wert, der immer bleibt.



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mazzmazz 26.09.2015
1. Prominenter Vorbesitz...
IST Teil der Historie des Autos. Allerdings wird das in meinen Augen überbewertet. Was juckt es mich, wenn Helmut Kohl mal den Rücksitz meines Benz verbeult hatte (in der Tat hatte ich mal einen "Regierungs-Benz" W140 mit durchgesessener Rückbank...)? Ich habe mich ca. 20 Jahre lang mit dem Thema Oldtimer beschäftigt und besaß auch selbst den einen oder anderen Wagen, (allerdings (leider) keinen 512 BB). Der Hype um z.B. bestimmte 50er Jahre Ferraris ist für mich ein einziges Affentheater. Ebenso wie um den Perfektionsgrad einer Restauration zu Zustand 1 oder 1+. Das ist etwas für graubärtige Wichtigtuer auf deutschen Oldtimertreffen und für sonstige Gecken am Comer See und in der Wüste. Denn die Kisten werden sowieso nur von einer Auktionsbühne zur anderen Tiefgarage gekarrt. Als Interessent mit etwas Spielgeld sollte man sich fragen, weshalb man ein altes Auto möchte. Zum fahren? Als Möbelstück? Als Investment? Zum Fahren empfehle ich Maserati Merak SS (40.000 Eur), De Tomaso Pantera (80.000 Eur), Mercedes 500 SL R107 (40.000 Eur), Mercedes 560 SE W126 (25.000 Eur), oder Ferrari 412 (20.000 Eur), Alfa Romeo Spider FB (15.000 Eur) und VW Käfer Cabrio (20.000 Eur). Preisangaben für Zustand 2-3. All diese Fahrzeuge sind auch im Unterhalt einigermassen tragbar und es gibt Ersatzteile. Alle samt sind deutlich zuverlässiger und spassiger als kapriziöse 50er Jahre Rennfahrzeuge. Als Möbelstück käme ein einseitig zerstörter Käfer für 100 Eur in Frage. Als Investment hat man als einzelner eigentlich keine Chance, an die guten Deals zu kommen. Ein Ferrari 365 Daytona oder 250 SWB landet nicht auf mobile.de, wenn er technisch und historisch o.k. ist und richtig Geld bringen kann. Vielleicht erbt man Opas 250 SE Cabrio und vertickt es nach ein paar Jahren Spass für 120.000 Eur. Will man aber ein solches Auto kaufen und ein paar Jahre erhalten, ist allein durch letzteres die (mögliche) Wertsteigerung weg. Ich fand das Theater um Originalität und Histrorie irgendwann nur noch affig. Es geht um Autos. Diese werden gefahren, bekommen mal eine Beule ab, werden repariert, optimiert und manchmal sogar lange aufgehoben und dann wieder genutzt. Ob nach 40 Jahren eine moderne Zündung oder neue Sitze in anderem leder montiert sind, würde mich nicht interessieren, solange der Charakter des Fahrzeuges beim Fahren(!) noch vorhanden ist. Meinen originalen, aber ziemlich stark patinierten Alfa fand man in "Fachkreisen" immer klasse, da wirklich noch extrem original. Mein Pantera mit Neulack und 90er Jahre Sportsitzen, der technisch perfekt war und wie ein wildes Tier ging, wurde von diesen Leuten jedoch geschmäht. Obwohl er bis auf das fehlende Cabriodach das deutlich geilere Auto war. vermutlich hat sich der eine oder andere geärgert, dass ich damit seine schöne neu luxussanierte Pagoda in Speed und Zuverlässigkeit stehen gelassen hatte... So what? Lasst die Spinner auf ihren immer wiederkehrenden 15 teuersten Modellen verbal herumreiten (fahren tun sie die Dinger ja nicht) und freut Euch über einen schön erhaltenen Golf 1 GTI, der am Sonntag über die Landstraße bläst.
balticstar 26.09.2015
2. Schade...
das durch diesen Hype der eigentliche Sinn der "Oldtimerei" verloren geht: das Schrauben und Fahren. Das Auto ist ja ein "Fahr"zeug und kein "Steh"zeug. Leider werden durch diesen Anlage-Irrsinn inzwischen auch schon die Preise von Normalfahrzeugen nach oben getrieben. Wie soll es da noch zu NAchwuchs im Hobby kommen? Schade drum - so kann ein schönes Hobby kaputt gemacht werden.
jfpublic 26.09.2015
3. Senna und Schumacher
Ich war im Frühjahr auf einer Auktion in Paris und da ging ein Senna GoKart für 56.000 Euro weg ... Startpreis waren 5.000 Euro. Aber! Der große Rest ging schlecht und 70% gingen unter dem gewünschten Preis weg. Dennoch entsteht der Eindruck, dass die Preise immer weiter steigen würden -- aber es ist das Auktionssystem selbst, das die Preise steigen lässt. Bei Bonhams zahlt der Verkäufer 10% und der Käufer 20%. Geht ein Auto für 100 weg, dann bekommt der Verkäufer 90 und der Käufer zahlt 120 -- 30 bleiben im Auktionssystem. Als VK werden nicht 100 sondern 120 angezeigt ... und so entsteht der Eindruck ständig steigender Preise --- in der Finanzwelt würde man von einer Blase sprechen.
mazzmazz 26.09.2015
4. Das Oldtimer Hobby stirbt...
...keineswegs. Es wird sogar eine Renaissance erleben. Allerdings nicht in Bezug auf irgendwelche überkandidelten Alt-Ferraris. Das sind die Spielzeuge der Superreichen, die meist schon 4x durchrestauriert sind und somit mit dem original ohnehin nur noch die Karfosserieform gemein haben. Nein, interessant werden für den Privatnutzer immer mehr die Alltagsautos der 80er. Wer irgendwann einmal feststellt, dass ein 1982er Mercedes 280SE mit H-Zulassung deutlich günstiger läuft als ein neuer VW Passat, wird dies anderen mitteilen. Der Normalbürger hat immer weniger Geld zur freien Verfügung, dem markelschen post-DDR-Sozialismus sei Dank. Beim Auto kann er massiv sparen. Und das wird er tun. Immer mehr.
argonaut-10 26.09.2015
5. Was soll das Gejammer?
Oldtimer werden bei uns per se als Autos älter als 30 Jahre klassifiziert, obwohl ich diese Sichtweise mal überdenken würde, denn imho sind nicht alle Autos der 80er wirklich dort heute einzuordnen... aber... es gibt eben Liebhaber, die sich an ihre Kindheit erinnert fühlen und dagegen kann man auch nix sagen. Ende der 80er hatten wir schon mal eine Spekulationsblase, die dann richtig extrem geplatzt ist. Die neuerliche Entwicklung sehe ich unter den Aspekten "keine Zinsen", "geringe Stückzahlen" und eben wie im Artikel erwähnt "immer mehr wenige Reiche". Diese Mischung führt dazu, dass die in geringen Stückzahlen gebauten Autos jetzt durch die Decke gehen. Ich kenne in MUC einen Bauträger, der sein Geld nach und nach in seltene Fahrzeuge steckt, diese aber selbst gar nicht fährt... also eine Wertanlage. Das macht die Autos nicht besser... ganz im Gegenteil... schlimme Standschäden sind die Folge. Und dann hängt da inzwischen eine ganze Branche wie ein Vampir mit drin und allen geht es in erster Linie um Geld und nicht das Auto. Gut... das können wir jetzt richtig Sch**** finden, aber ich schließe mich dem ersten Kommentator an... es gibt noch jede Menge Autos, die ebenfalls toll sind und für wenig bis mittleres Geld zu bekommen sind. Dann gibt es in MUC eine Ferrari Werkstatt, wo Anfang der 80er 15 Ferrari von 10-14 K auf dem Hof standen... alle unverkäuflich... und alles Modelle aus den 50ern und 60ern, die man heute als Normalverdiener nicht mehr zahlen kann... da gibt es dann die Jungs, die sagen... hätte ich doch. Aber das ist Blödsinn... denn... man sollte die Zeit genießen, die man mit einem solchen Auto haben darf. Ich darf dazu die Website "www.petrolicious.com" empfehlen. Dort gibt es selbst zu Ferraristi super schönen Videos.
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