Chrysler in Europa: Ciao, Americano
Fiat baut um Chrysler heißt jetzt Lancia
Chrysler goes Fiat - was vor knapp eineinhalb Jahren besiegelt wurde, nämlich der Zusammenschluss der Autokonzerne Chrysler und Fiat, nimmt allmählich Form an. In den USA geht in diesen Wochen das Modell Chrysler 200 C an den Start, es ist das erste neue Modell der Marke seit dem Einstieg der Italiener. Die neuen Verhältnisse werden auch hierzulande sichtbar; die Mitarbeiter der Chrysler-Deutschlandzentrale in Berlin wechseln demnächst ins Fiat-Hauptquartier nach Frankfurt am Main.
Die letzten Chrysler-Modelle aus Amerika für den europäischen Markt werden in den nächsten Wochen hier ankommen, danach müssen die hiesigen Chrysler-Händler ihre Schilder auswechseln. Denn alles, was bislang in der Alten Welt Chrysler war, läuft künftig unter der Fiat-Marke Lancia, hat Konzernchef Sergio Marchionne beschlossen.
"Die Umstellung im Handel erfolgt am 1. Juni 2011", heißt es bei Chrysler. Eher fließend wird das Autoangebot auf die neuen Verhältnisse abgestimmt. Chrysler-Sprecher Markus Hauf sagt: "Es gibt keinen Stichtag, an dem die Chrysler-Logos gegen die Lancia-Embleme ausgetauscht werden." Stattdessen soll der Markenwechsel immer dann vollzogen werden, wenn sich ohnehin an einem Modell etwas ändert. Bei einem Modellprogramm, das von früher sechs auf aktuell nur noch zwei Baureihen geschrumpft ist, wird das nicht lange dauern.
Den für Juni avisierten Wechsel zu Lancia werden die meisten Chrysler-Händler mitmachen. Schon jetzt habe die Mehrzahl der rund 125 Vertriebspartner von Chrysler, Jeep und Dodge Interesse daran signalisiert, mit Lancia in die Zukunft zu gehen, erklärt Hauf. Auch die meisten der bisherigen Lancia-Händler bewerben sich um "New Lancia". Künftig soll die Marke in Deutschland dann über ein Netz von etwa 180 Vertriebsstandorten verfügen.
Ob der neue Chrysler 200 C auch als Lancia antritt, ist noch unklar
Verkauft wird in diesen Betrieben neben dem neuen Lancia Ypsilon und dem neuen Lancia Grand Voyager ab Herbst auch der Lancia 300 C. Mit diesem Fahrzeug - es handelt sich um ein komplett neues Auto - endet endgültig die Chrysler-Präsenz auf Europas Straßen. Außerdem wird der Lancia Delta im Portfolio sein, und eventuell der eben erst vorgestellte Chrysler 200 C - wenn, dann natürlich auch als Lancia 200 C. Ob das Mittelklassemodell aber überhaupt in Europa angeboten wird, ist noch nicht final entschieden. Vermutlich hängt das auch davon ab, ob und mit welchen Aufwand der Wagen mit Dieselmotor angeboten werden könnte.
Was passiert eigentlich mit Kunden, die einen Chrysler besitzen und das Auto auch weiterhin fahren wollen? Firmensprecher Hauf versucht, zu beruhigen. "Die Chrysler-Bestandskunden werden natürlich weiter gepflegt." Garantie und Service, Wartung und Reparaturen für bisherige Chrysler-Modelle liefen bei den bisherigen Servicestützpunkten auch unter Lancia-Regie ganz normal weiter.
Vielleicht gibt es eine Zukunft der Marke Dodge in Europa
Während Chrysler-Fahrer unter der blauen Lancia-Logo also bald eine neue Heimat finden, stehen die Dodge-Kunden in Deutschland erst einmal ohne Anlaufstelle da. Die Wartung und den Service der rund 11.000 in Deutschland verkauften Dodge-Modelle übernehmen zwar ebenfalls die neuen Lancia-Händler, ebenso kümmern sie sich auch um Garantiefälle; doch Neuwagen der Marke wird es auf offiziellem Weg nicht mehr geben. "Mit dem Inkrafttreten des neuen Lancia-Händlervertrages endet der Verkauf der Modellpaletten von Chrysler und Dodge in Deutschland", heißt es knapp.
Ob der tatsächlich so kategorisch ausgeschlossen ist, darf bezweifelt werden. Denn ähnlich, wie Abarth als Sportwagenmarke von Fiat fungiert, könnte Dodge die Vollgas-Ergänzung zu Lancia werden. Sogar eine Zukunft des Extrem-Sportwagens Dodge Viper, dessen Produktion bereits eingestellt wurde, scheint inzwischen denkbar. Jedenfalls gibt es Berichte in den US-Medien, die dem Brachial-Renner ein Comeback verheißen. Endgültig ist der Abschied von den US-Autos also vielleicht noch nicht.