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12. Januar 2017, 17:38 Uhr

Umweltverschmutzung

US-Behörde beschuldigt Fiat Chrysler der Abgasmanipulation

Der Fiat-Chrysler-Konzern steht im Verdacht, eine illegale Software zur Abgaskontrolle verwendet zu haben. Das teilte die US-Umweltbehörde EPA mit. An der Börse ist die Aktie des Autokonzerns abgesackt.

In den USA ist ein weitere Autobauer wegen möglichen Abgasbetrugs ins Visier der Behörden geraten. Der italienisch-amerikanische Branchenriese Fiat Chrysler (FCA) stehe im Verdacht, bei rund 100.000 Dieselwagen die Emissionswerte gefälscht und damit gegen das Luftreinhaltegesetz verstoßen zu haben. Das teilte das US-Umweltamt EPA am Donnerstag in Washington mit.

Es geht um möglicherweise illegale Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler gegenüber den Regulierern nicht offengelegt habe. Der Hersteller müsse nun belegen, dass er keine verbotene Software einsetze. Betroffen sind laut EPA die Modelle Jeep Grand Cherokee und Dodge Ram 1500 aus den Baujahren 2014 bis 2016.

FCA bestreitet die Vorwürfe

Fiat Chrysler geht indes davon aus, sich mit der Abgastechnik im legalen Rahmen zu bewegen. In einer Stellungnahme kündigte der Konzern an, nach dem Regierungswechsel in den USA am 20. Januar im Sinne einer raschen Lösung mit den Behörden kooperieren zu wollen. Man sei enttäuscht über das Vorgehen der EPA.

Die EPA wies jedoch in einer Telefonkonferenz darauf hin, dass Fiat Chrysler bereits gegen das US-Luftreinhaltegesetz "Clean Air Act" verstoßen habe, indem der Hersteller die zweifelhaften Programme bei der Zertifizierung der Autos verschwiegen habe. Allein dies könne schon Bußgelder und Strafen nach sich ziehen. Der EPA zufolge könnte eine Strafe von bis zu 44.539 US-Dollar je Auto drohen. Insgesamt wären das rund 4,63 Milliarden Dollar (4,34 Milliarden Euro).

Wie hoch die Abweichungen beim Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid durch den Einsatz der nicht offengelegten Software zwischen Testmodus und Normalbetrieb auf der Straße ausfallen, werde noch untersucht. "Wir prüfen die Art und Auswirkungen dieser Einrichtungen weiter", kündigte Cynthia Giles von der kalifornischen Umweltbehörde Carb an.

Die Aktien von Fiat Chrysler sind am Donnerstag in New York um rund 15 Prozent abgesackt. Damit fielen sie auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar zurück.

Anschuldigungen auch in Deutschland

In Deutschland steht der Konzern schon seit Längerem unter Verdacht: Im September 2016 warf Verkehrsminister Alexander Dobrindt dem Unternehmen ebenfalls vor, eine unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet haben.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte bei Tests von zwei Fiat 500X, einem Fiat Doblo und einem Jeep Renegade, festgestellt, dass sich die Abgasreinigung bei den Fahrzeugen jeweils nach 22 Minuten vollständig abschaltet. Gerade rechtzeitig, um die Untersuchung beim offiziellen Testzyklus zu bestehen - denn der dauert 20 Minuten.

cst/dpa

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