Fiat Idea Auto für die Ich-AG

Es gibt Menschen, die ohne Carport und die dazugehörigen Dickschiffe auskommen müssen. Leute, denen nur ein Auto zur Verfügung steht. Nur ein Auto für alle Lebenslagen, das muss man sich mal vorstellen. Fiat hat es getan und prompt ein Fahrzeug "für alle meine Ichs" gebaut.

Von Jürgen Pander


Fiat Idea: Ein Wagen "für alle meine Ichs"

Fiat Idea: Ein Wagen "für alle meine Ichs"

"Für alle meine Ichs", lautet der Reklameslogan für das neue Modell Fiat Idea. Ein Auto für das Projekt Ich-AG sozusagen. Ein Wagen, der versucht, durch kompakte Außenmaße und einen sehr variablen Innenraum ein möglichst breites Spektrum an Transportbedürfnissen abzudecken. Es gelingt ihm recht ordentlich.

Mit dem Idea stößt Fiat ins Segment der Minivans vor, und das ist ein Wachstumsmarkt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland bereits ebenso viele Minivans wie Großraumlimousinen zugelassen, in diesem Jahr sollen die kleinen Vielzweckmobile ihre um zwei Nummern größeren Vorbilder sogar deutlich überflügeln: Branchenkenner sagen ein Marktvolumen von rund 100.000 Minivans hierzulande voraus. Und Fiat plant, mit rund 13.000 Einheiten des Idea noch in diesem Jahr kräftig mitzumischen. Die aggressive Preispolitik gegenüber der Konkurrenz zeigt, dass die Italiener das Auto unbedingt zu einem Erfolg machen wollen.

Innenraum des Fiat Idea: Ist der Fahrer zu groß, kann er den Tacho schlecht sehen

Innenraum des Fiat Idea: Ist der Fahrer zu groß, kann er den Tacho schlecht sehen

Wie alle Fahrzeuge dieses Typs leidet auch der Idea an der Unvereinbarkeit von Eleganz und Innenraummaximierung. Wie alle Vans wirkt auch der Idea auf den ersten Blick klobig und aufgebläht. Allerdings haben es die Fiat-Designer zusammen mit den Karosserie-Kreativen von Giugiaro geschafft, dem Auto trotzdem einen eigenen Look zu verpassen. Klare Linien, weit nach außen gesetzte Räder und große Glasflächen lassen den Idea doch recht gefällig und modern erscheinen.

Entwickelt wurde der Wagen auf der Plattform des Modells Punto, die Lenkung und die Bremse stammen aus dem höher positionierten Kompaktwagen Stilo. Dennoch mussten 85 Prozent der Bauteile des Idea neu konstruiert werden, insgesamt investierte Fiat 550 Millionen Euro in das neue Auto.

Fleißiges Kippen und Klappen: Es gibt 32 verschiedene Innenraumkonfigurationen

Fleißiges Kippen und Klappen: Es gibt 32 verschiedene Innenraumkonfigurationen

Ein ordentlicher Batzen des Geldes floss in die Konzeption des Innenraums. Die vorderen Sitzlehnen können zum Beispiel komplett nach vorne geklappt werden. Die hinteren Sitze können getrennt um 16 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden, zudem lassen sich die Lehnen um 45 Grad in ihrer Neigung verstellen. Ganz umlegen und dann hochklappen lassen sich die Fondplätze auch, was eine ebene Ladefläche für Gepäck ergibt. Wer fleißig klappt und kippt, wird am Ende 32 Innenraumkonfigurationen ausprobiert haben.

Auch an der Armaturentafel gibt es einiges zu entdecken. Vor beiden Vorderplätzen sind dort Ablagefächer untergebracht, während das Cockpit in der Mitte sitzt. Leider kann der Fahrer, sofern er eine korrekte Haltung hinterm Steuer einnimmt und größer als 1,80 Meter ist, den Tacho nicht komplett erkennen. Zwischen 60 und 100 km/h behindert die Verkleidung den Blick, die Skala in diesem Bereich liegt in einem toten Winkel.

Auf den ersten Blick klobig und aufgebläht: Fiat-Designer haben dem Idea einen eigenen Look verpasst

Auf den ersten Blick klobig und aufgebläht: Fiat-Designer haben dem Idea einen eigenen Look verpasst

Statt eines geschlossenen Handschuhfachs gibt es eine offene Ablage, dafür aber sind auch über den beiden Sonnenblenden noch einmal Ablagefächer installiert - und in den Türverkleidungen und der Mittelkonsole sowieso. Insgesamt wirkt die zweifarbig gehaltene Armaturentafel recht aufgeräumt. Und, ja, sie sieht nach Plastik aus. Aber dieser ehrliche Look ist immer noch besser als Kunststoff in Carbon oder gar Holz-"Optik", wie er in zahlreichen Mittelklassemodellen zu finden ist.

Vier Ausstattungsniveaus stehen zur Wahl und vier Motoren. Zwei davon sind Benziner (80 und 95 PS / 59 und 70 kW), die beiden anderen sind Dieselaggregate (70 und 100 PS / 51 und 74 kW). Wir waren mit dem stärkeren der beiden Ottomotoren unterwegs, dem 1,4-Liter-Vierzylinder mit 16 Ventilen. Die Maschine ist weder besonders spritzig noch besonders leise - aber sie bringt den Idea ordentlich vorwärts. Im Paket mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe, dem straffen Fahrwerk und der etwas weichen Lenkung ergibt das ein ansprechendes Fahrgefühl. Man fühlt sich wohl im Idea - was nicht zuletzt auch an der etwas erhöhten Sitzposition und der wirklich exzellenten Rundumsicht liegt.

ABS, Front- und Kopfairbags, elektronische Servolenkung, zweifach verstellbares Lenkrad, höhenverstellbarer Fahrersitz, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorne gehören zur Standardausstattung und die günstigste Version des Idea mit dem 1,2-Liter-Benziner kostet 13.290 Euro. Es geht natürlich auch deutlich teurer, denn die Liste der Extras ist lang. Dort finden sich unter anderem ESP (500 Euro), Seitenairbags (250 Euro), Dachreling (190 Euro), Regen- und Scheinwerfersensor (250 Euro), Tempomat (170 Euro) oder ein Panorama-Glasschiebedach (850 Euro). Man könnte die Aufzählung noch ein wenig fortsetzten. Schließlich ist der neue Idea ein Auto "für alle meine Ichs".



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