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01. November 2006, 14:57 Uhr

Fiat in China

Große Pläne im Reich der Mitte

In Europa kommt Fiat nur langsam wieder in Fahrt, im fernen Osten dagegen brummt das Geschäft. Die Italiener wollen in den nächsten Jahren vor allem in China deutlich wachsen. Jetzt wurde eine neue Kooperation mit der chinesischen Marke Chery in die Wege geleitet.

Noch ist es lediglich eine Absichtserklärung, doch es gibt kaum noch Zweifel, dass der endgültige Liefervertrag Ende des Jahres tatsächlich unterschrieben wird. Fiat wird dann Benzinmotoren mit 1,6 und 1,8 Litern Hubraum vom chinesischen Hersteller Chery Automobile beziehen, der vor neun Jahren in Wuhi in der chinesischen Provinz Anhui gegründet wurde. Chery verkaufte im vergangenen Jahr knapp 190.000 Pkw und ist mit 18.000 Fahrzeugen, die ins Ausland gingen, der größte chinesische Auto-Exporteur. In Zukunft soll Chery mindestens 100.000 Motoren pro Jahr an Fiat liefern.

Die Italiener wollen so ihre ehrgeizigen Wachstumsziele untermauern, die Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne erst vor kurzem beim Automobilsalon in Paris skizzierte. Demnach will Fiat sein Pkw-Volumen von in diesem Jahr etwa zwei Millionen verkauften Autos auf drei Millionen im Jahr 2010 erhöhen. Getragen werden soll diese Expansion vor allem von den neuen Märkten in Russland und Asien - und dort besonders von China. Dort verkauft Fiat gegenwärtig rund 40.000 Autos pro Jahr und es sollen 300.000 bis 2010 werden. Marchionne: "Die Vereinbarung mit Chery wird es uns ermöglichen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktpalette auf internationalen Märkten weiter zu steigern."

Der Fiat-Konzern begann bereits 1986 mit der Fertigung von Fahrzeugen in China, damals startete der Nutzfahrzeughersteller Iveco mit der Yuejin-Gruppe einen Vertrag über einen Techniktransfer für die Produktion des Modells Daily. Inzwischen ist die Fiat-Gruppe mit sieben Repräsentanzen, neun Joint-Ventures und fünf hundertprozentigen Tochtergesellschaften in China vertreten. Seit 2002 baut Fiat in einem Joint-Venture mit der Yuejing-Gruppe in Nanjing auch Pkw. Das gemeinsame Werk firmiert unter dem Namen Nanya Auto Company, produziert wurde dort das Modell Palio. Erst vor wenigen Monaten wurde Fiats "Weltauto" von einem überarbeiteten Typ, der Stufenhecklimouisine Perla, abgelöst.

Auch in Indien verfolgt Fiat eine ehrgeizige Wachstums-Strategie. Anfang diesen Jahres vereinbarten Fiat und der indische Konzern Tata Motors - der größte Autohersteller des Subkontinents - eine Kooperation, die den Vertrieb von Fiat-Fahrzeugen über Tata-Händler in ganz Indien umfasst. Marchionne nannte diesen Vertrag einen "Meilenstein". Falls die vielfältigen Verflechtungen der Italiener in Fernost funktionieren, dürfte das angestrebte Volumen wohl tatsächlich erreicht werden. Und vielleicht fahren bald in Delhi, Kalkutta oder Bombay nagelneue Fiat Perla mit Motoren von Chery, die von einem Tata-Händler verkauft wurden.

jüp

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