Fiats Billigauto-Pläne Ein Tata aus Turin

Vorbild ist der indische Tata Nano: Fiat-Chef Sergio Marchionne will den Automarkt ebenfalls mit einem Billigauto aufrollen. Für das Projekt wollen die Italiener eine komplett neue Marke aus dem Boden stampfen.


Fiat gilt mit Modellen wie dem Cinquecento oder dem Punto ohnehin als Kleinwagenspezialist - jetzt will das Unternehmen ins Discount-Segment vorstoßen. Im Jahr 2010 soll ein neues Auto auf den Markt kommen, das dem Konzept des Nano folgen soll, wie Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne am Montagabend in Rom sagte.

Vor einigen Monaten hatte der indische Tata-Konzern das bisher billigste Auto der Welt vorgestellt. Der Nano, der Ähnlichkeiten mit dem Smart oder dem Fiat 500 aufweist und breiteren Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern den Kauf eines Autos ermöglichen soll, kostet umgerechnet 1700 Euro.

Für den Italo-Nano sollen laut Marchionne eine komplett neue Marke und neue Vertriebsstrukturen geschaffen werden, um die Marke Fiat nicht mit dem Billigauto in Verbindung zu bringen. Das neue Modell soll demnach außerhalb von Italien in einem bestehenden Fiat-Werk gebaut werden, etwa in Serbien.

Die Entscheidung über den Produktionsstandort solle binnen eines halben Jahres fallen. Zu Größe oder Preis des Autos machte Marchionne keine Angaben.

Hintergrund: Tata Nano
Technische Daten
AFP
Der Nano wird mit einem 33 PS starken 623-Kubikzentimeter-Zweizylindermotor angetrieben, der im Heck untergebracht ist. Die dreitürige Basisversion ist 3,10 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,60 Meter hoch. In Europa soll der Wagen ein Dreizylinder-Aggregat erhalten.
Preis
Mit rund 1700 Euro kostet der Nano die Hälfte des bislang weltweit billigsten Modells. Der QQ3 des chinesischen Herstellers Chery wird bei den Autohändlern in der Volksrepublik für rund 3400 Euro angeboten. Der Nano soll im März 2009 in den Verkaufsräumen der indischen Händler stehen. Experten erwarten, dass der Viersitzer weltweit in vielen Schwellenländern Käufer finden wird. In Europa wird es das Fahrzeug vermutlich ab 2012 geben - für rund 5000 Euro.
Sicherheit
Der Nano hat eine Metallkarosserie und serienmäßig Sicherheitsvorkehrungen wie Knautschzone, verstärkte Türen und Sicherheitsgurte. Er erfüllt nach Herstellerangaben die indischen Sicherheitsstandards. Die Europa-Version erhält Airbags und ein NCAP-Crashtest-Rating.
Umweltschutz
Durch die Verarbeitung von Kunststoffen ist das Auto leicht und verbraucht weniger als vier Liter Benzin auf 100 Kilometer. Das entspräche CO2-Emissionen von 94,8 g/km. Umweltschützer befürchten aber, dass durch hohe Verkaufszahlen der sparsame Verbrauch relativiert wird. Dem Chef des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, bereitet der Kleinwagen nach eigenen Worten "Alpträume".
hil/AFP



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