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Fixie-Fahrräder: Mit diesen Fixies starten Sie gut in die Saison

Foto: Creme Cycles

Fixie-Fahrräder Das Rad in seiner reinsten Form

Fixies mit ihren starren Hinterradnaben gelten als unpraktische Moderäder für Hipster. Völlig zu Unrecht, findet Ralf Neukirch. Im Frühjahr gibt es nichts Besseres, um wieder in Form zu kommen.

Das Ende des Winters ist für mich eine schwierige Zeit. Einerseits ist es schön, wenn es wärmer wird und man sich auf längere Touren mit dem Fahrrad freuen kann. Andererseits stelle ich jedes Jahr aufs Neue fest, dass das mit den längeren Touren leichter gesagt ist als getan. Der Trainingsrückstand, Sie wissen schon.

Bevor ich mein Rennrad aus dem Keller hole, mache ich daher mein Fixie fit. Fixie steht für "fixed gear", das sind Fahrräder ohne Gangschaltung mit einer sogenannten Starrnabe statt eines Freilaufs. Das heißt, wenn sich die Räder drehen, drehen sich auch die Pedale. Es gibt kein entspanntes Cruisen auf dem Fixie. Entweder man tritt - oder man steht.

Seinen Ursprung hat das Fixie bei Bahnrennen, wo Gangschaltung, Freilauf und Bremsen nur überflüssiges Gewicht bedeuten. Bahnräder sind auf das absolut Notwendige reduzierte Maschinen. New Yorker Fahrradkuriere haben diese Räder auch in der Stadt populär gemacht. Seit Jahren begegnet man auch in deutschen Großstädten immer öfter Fixies.

Es gibt keine störenden Geräusche

Dabei ist ein Fixie für die Stadt eigentlich weniger geeignet. Zum Beispiel, weil die Pedale an der Ampel nie so stehen, wie man es zum Anfahren bräuchte. Das Fixie macht am meisten Spaß, wenn man es für ausgedehnte Ausfahrten nutzt. Das klingt zunächst nicht sehr einleuchtend, schließlich haben Renn- und Tourenräder nicht umsonst 20 oder mehr Gänge. Aber ich kann nur jedem empfehlen, es einmal mit einem Fixie zu versuchen.

Es ist ein zutiefst befreiendes Gefühl, sich auf ein Rad zu setzen, an dem wirklich nur das Nötigste befestigt ist. Fixies sind leicht. Man braucht sich nicht darum zu kümmern, ob die Kette vorne auf dem richtigen Blatt oder hinten auf dem richtigen Ritzel ist. Man setzt sich einfach drauf und fährt los.

Das Fahren mit dem Fixie ist kontemplativ. Es gibt keine störenden Geräusche. Die Kette kann nicht am Umwerfer schleifen, der sie bei konventionellen Rädern zwischen den vorderen Zahnrädern hin- und herbewegt. Weil es keinen Umwerfer gibt. Das Gleiche gilt für das Surren des Freilaufs. Die Verbindung von Fahrer und Rad ist beim Fixie direkter und intensiver als auf einem normalen Fahrrad. Fixiefahren ist Radfahren in seiner pursten Form.

Pausen gibt es auf dem Fixie nicht

Wem das zu esoterisch ist, dem seien eine Reihe von praktischen Vorteilen genannt: Das Fahren auf dem Fixie ist anstrengender als auf einem Rad mit Freilauf, weil es keine Ruhephasen gibt. 70 Kilometer fahren heißt 70 Kilometer treten, ohne Unterbrechung. Deshalb ist der Trainingseffekt ungleich höher als auf einem Rennrad.

Das Fixie schult den Tritt, weil man die ideale Trittfrequenz suchen und über längere Zeit halten muss. Man gewöhnt sich automatisch einen effizienteren Fahrstil an. Wenn ich Fixie fahre, merke ich erst, wie oft ich auf dem Rennrad nur dahingleite.

Den Einwand, den ich am häufigsten höre, lautet: Mit einem Gang kann man doch nur im Flachen fahren. Ich würde mit dem Fixie keine Alpenpässe überqueren, das stimmt. Aber Hügel machen großen Spaß. Man muss sie strategisch angehen. Fährt man zu schnell in einen Anstieg hinein, hat man keine Chance, durch einen Wechsel in einen kleineren Gang wieder einen guten Rhythmus zu bekommen. Lässt man es zu langsam angehen, ist es schwer, eine angenehme Trittfrequenz zu erreichen. Mit Starrgang zu fahren ist auch für Bergenthusiasten ein gutes Training.

Fast vom Rad geschmissen

An einem Punkt haben die Kritiker recht: Mit einem Fixie abzufahren, ist weniger lustig. Je schneller es wird, desto schneller muss man treten. Irgendwann wird das Ganze so kippelig, dass man bremst.

Man muss sich erst daran gewöhnen, mit starrer Nabe zu fahren. Der Wechsel von einem Rad mit Freilauf zum Fixie ist für mich nach wie vor ungewohnt. Mich hätte es schon mehrfach fast vom Rad geschmissen, weil ich vor Hindernissen aus dem Sattel gestiegen bin, um im Stehen darüberzufahren. Das ist keine gute Idee, wenn sich die Pedale einfach weiter drehen.

Man sollte für das Fixie unbedingt Pedale nutzen, in die man sich mit den Schuhen einklicken kann. Oder, wenn man es klassisch liebt, Pedalhaken, die den Fuß fixieren. Sonst kann es nämlich passieren, dass der Schuh vom Pedal rutscht und dieses einem bei der nächsten Umdrehung mit voller Wucht in die Wade kracht.

Aber das sind Kleinigkeiten. Fixiefahren ist eine der schönsten Arten, sich auf dem Rad fortzubewegen. Um nach einem langen Winter in Form zu kommen, gibt es jedenfalls nichts Besseres. Da teure Schaltungen fehlen, sind die Räder relativ günstig. Wer sich nicht sicher ist, ob ein Fixie das Richtige ist, kann sich eine sogenannte Flipflop-Nabe kaufen. Die hat auf der einen Seite der Achse einen Freilauf, auf der anderen einen Starrgang. Man muss das Hinterrad einfach nur drehen, und schon hat man ein konventionelles Fahrrad ohne Schaltung.

Ich habe eine solche Nabe, aber mein Freilauf ist völlig verrostet. Ich habe ihn noch nie benutzt. Das Fahren mit dem Fixie macht einfach zu viel Spaß.

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