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18. Januar 2015, 07:38 Uhr

Ford F-150 mit Alu-Karosserie

Der Dicke hat abgespeckt

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Das meistverkaufte Auto der USA ist ein ungefähr zwei Tonnen schwerer Pick-up-Truck. Dennoch ist der neue Ford F-150 ein hochmodernes Auto: Der US-Hersteller setzt auf radikalen Leichtbau.

In der Fernsehshow "The Biggest Loser" wetteifern übergewichtige Kandidaten darum, wer die meisten Pfunde abspeckt. Verlieren bedeutet hier gewinnen. Das Motto der Nonsens-Sendung gilt auch für die Autoindustrie: Die Hersteller setzen alles daran, ihre Fahrzeuge so leicht wie möglich zu bauen, weil weniger Gewicht weniger Verbrauch verspricht. Und der "Biggest Loser" der Branche ist der neue Ford F-150. Im Vergleich zum zweieinhalb Tonnen schweren Vorgänger hat der Pick-up 300 Kilo verloren. Sein Normverbrauch ist damit um 30 Prozent gesunken.

Fords Diättipp? Aluminium.

Während andere Volumenhersteller wie VW oder Opel beim Karosseriebau vor allem auf einen Materialmix aus Aluminium und Stahl setzen und reine Alu-Karosserien selbst bei sogenannten Premiummarken nur in Luxusmodellen wie dem Audi A8 vorkommen, dreht Ford am großen Rad: Für den Bau der geplanten 850.000 F-150-Exemplare werden im ersten Produktionsjahr etwa 350.000 Tonnen Alu-Blech benötigt. "Damit werden wir zum größten Abnehmer von Aluminium in der Automobilindustrie", sagt Ford-Chefingenieur Pete Reyes.

Das Material bezieht der Hersteller von den Zulieferern Alcoa und Novelis. Alcoa-Chefstratege Dietrich Wieser verdeutlicht die Dimensionen des Deals: "Für den F-150 bestellt Ford mehr Aluminium als die gesamte europäische Fahrzeugindustrie zusammen". Für die beiden Unternehmen ist die radikale Leichtbau-Strategie von Ford wohl der größte Glücksfall, seit Cola und Pepsi 1967 von Stahl- auf Aludosen umgestiegen sind. Denn der F-150 ist seit mehr als 30 Jahren das meistverkaufte Auto in den USA.

Die Risiken des Radikalwandels...

Die neue Baureihe des vermeintlich rückständigen Pritschenwagens mit Starrachse und Leiterrahmen wird plötzlich zu einem Leichtbau-Vorreitermodell. Für Ford bedeutet der Fortschritt aber auch ein hohes Risiko. Denn der US-Autobauer musste 359 Millionen Dollar in die Umstellung der Produktion investieren und sein wichtigstes Werk zehn Wochen lang still legen. Außerdem steigt die Abhängigkeit vom Preis des relativ knappen Rohstoffs Aluminium erheblich.

Nach Berechnungen des Wirtschaftsmagazins "Forbes" bedeutet die Leichtbau-Maßnahme pro Auto rund 750 Dollar mehr an Materialkosten. Doch am Preis des Pick-up ändert sich nichts, nach wie vor wird der Ford F-150 in der Basisversion für 26.615 Dollar (rund 21.500 Euro) angeboten.

Zudem müssen die Kunden davon überzeugt werden, dass man aus dem von Bierdosen bekannten Labberblech richtig stabile Autos bauen kann; und zwar stabilere als solche aus Stahl. Die markige Vokabel tough, hart, fällt deshalb in jedem zweiten Satz von Ford-Chefingenieur Reyes. Rallyeeinsätze mit getarnten Prototypen, Marterfahrten über Tausende Meilen und sogenannte Torture-Tests durch Kunden sollten beweisen, dass der Alu-Truck kein Weichei ist.

... und die Chancen

Wenn die Ford-Rechnung aufgeht, dann wird der neue Pick-up zum Pionier und das Unternehmen treibt die gesamte Industrie vor sich her. Selbst Marken, die seit vielen Jahren auf Aluminium als Leichtbaukomponente setzen - zum Beispiel Audi, Land Rover oder Jaguar - werden dann zu kleinen Lichtern. Und die anderen Großserienhersteller dürften in Zugzwang geraten.

Bei den Aluminium-Lieferanten herrscht deshalb Goldgräberstimmung. Denn in den USA rechnen Branchenexperten schon bald damit, dass Ford weitere Modelle auf Alu-Bauweise umstellt und auch General Motors und die Chrysler-Gruppe nachziehen werden - was neue Großaufträge bedeuten würde. Aktuelle US-Studien sagen einen starken Anstieg des Aluminium-Anteils bei Autos aus US-Fabriken voraus, von derzeit einem Prozent auf bis zu 18 Prozent im Jahr 2025. In Europa sieht es ähnlich aus: Lag der Aluminium-Anteil in den Fahrzeugen aus europäischer Produktion laut Angaben des Branchenverbands in Düsseldorf 1978 noch bei durchschnittlich 32 und im Jahr 2002 bei 120 Kilo, soll er 2015 bereits bei 160 Kilo liegen.

Verbandschef Christian Weller wittert bereits einen Alu-Boom. "Mit Blick auf die strengeren CO2-Grenzwerte verstärken die Fahrzeughersteller ihre Leichtbau-Anstrengungen", sagt er. "Die großen Aluminiumunternehmen investieren weltweit in ihre Walzkapazitäten." Ford-Partner Alcoa zum Beispiel hat gerade eine neue Anlage für 300 Millionen Dollar in Betrieb genommen und für 2015 weitere 275 Millionen Dollar für Kapazitätserweiterungen eingeplant.

Aktuell arbeitet die Alu-Industrie am Limit. Ford hat laut Angaben von Chefingenieur Reyes quasi ein Monopol auf das Leichtmetall: "Wir haben uns so viel Aluminium gesichert, dass erst einmal neue Walzwerke gebaut werden müssen, bevor uns einer die Führungsposition streitig machen kann."

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