Ford Fiesta 3, Baujahr 1990 Einer für alle

Auf deutschen Straßen regieren betagte Autos. SPIEGEL ONLINE testet mithilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal nehmen wir den Fiesta 3 von 1990 unter die Lupe, der einen Leser aus Frankfurt begeistert. Natürlich hat das einen Grund.

Von Florian Harms


Hamburg - Er war das Auto für alle. Der Wagen für Opa und Enkel, für Matthias-Reim-Bewunderer und für Guns-'n'-Roses-Fans. Im Fiesta 3, den Ford kurz vor der Wiedervereinigung im Jahr 1990 auf den deutschen Markt rollen ließ, konnte sich jeder wiederfinden. Egal, ob Ost oder West, ob alt oder jung. Egal, ob er sich Freitagabends erst in seine Moonwashed-Jeans und dann hinters Lenkrad zwängte, um in einer Kellerdisko den Anfängen des Techno zu lauschen, oder ob er Sonntagnachmittags Kind und Kegel zusammenklaubte, um in den Schrebergarten zu zuckeln. Der Fiesta 3 war das Allwettertaft der bundesdeutschen Straßen und in seinem Allerweltsimage fast so erfolgreich wie der größte Gleichmacher zwischen Flensburg und Freising, der VW-Golf.

Exakt 744.240 Exemplare des Modells verkaufte Ford bis Ende 1995, und angesichts seines breiten Zielpublikums verwundert es nicht, dass bis heute viele Fiesta 3 durch die Republik fahren. Wenn sie denn noch fahren. Denn genau das ist das Problem.

Wer in Online-Börsen nach dem Fiesta 3 sucht, bekommt eine ganze Latte von Testberichten offeriert. Das sportliche Design des Modells wird dort ebenso gelobt wie seine glatte Straßenlage, der komfortable Fünftür-Zugang, der für einen Kleinwagen großzügige Stauraum und die verhältnismäßig geringe Steuerbelastung (Teilkasko Klasse 12, Haftpflicht 15). Auf der negativen Seite steht vor allem die Reparaturanfälligkeit: Klemmende Lenkradschlösser, defekte Fensterheber, strauchelnde Wasserpumpen und an zahlreichen Stellen ölende Motoren trübten laut Schilderungen der Besitzer das Fahrvergnügen. Auch dass Ersatzteile oft nur schwer zu bekommen seien, wird mehrfach beklagt.

Und dann ist da der Rost. Vor allem Tank und Auspuff des Fiesta 3 scheinen geradezu eine Tummelwiese der Korrosionspartikel zu sein.

Damit hat SPIEGEL-ONLINE-Leser Matthias Heinz aus Frankfurt, der uns per E-Mail Informationen und Bilder seines Autos geschickt hat, allerdings kein Problem. Das hat einen Grund: Zwar wurde sein 50-PS-Fiesta im August 1990 erstmals zugelassen, doch danach stand er quasi jahrelang in der Garage. "Dadurch, dass der Wagen erst seit einem Jahr wirklich benutzt wird, sieht er aus, als käme er direkt aus der Fertigungsstraße", schreibt er über seinen Sonderfall-Ford. "Während man bei anderen Fiesta dieses Alters überall Rostflecken sieht, sind bei meinem kaum welche zu finden." Nur die Gummidichtungen würden langsam porös - aber bei welchem Auto ist das nach schlappen 16 Jahren nicht der Fall?

Das von vielen Fiesta-Fans gelobte Fahrgefühl bereitet auch Matthias Heinz große Freude: "Das ist Fahrspaß in seiner reinsten Form." Auf technischen Schnickschnack verzichtet er gerne: "Kein ABS, kein ESP oder sonstige elektronische Helfer. Servolenkung? Nicht bei mir." Wer seine Oberarme trainieren will, darf also gerne einsteigen. Auch die Seele seines Autos gefällt unserem Leser: "Der kleine Motor ist zwar nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, aber durch eine sehr gut gewählte Übersetzung ist man in der Stadt flott unterwegs. Die fünf Türen tun hier ein Übriges: zum Einkaufen ideal geeignet." Zwar sei die Höchstgeschwindigkeit laut Fahrzeugschein mit exakt 143 km/h angegeben, doch könne man den Fiesta zu noch höherem Tempo treiben. "Dann ist der Wagen aber kaum noch in der Spur zu halten."

Dass die Innenverkleidung komplett aus Plastik gefertigt ist, empfindet Herr Heinz nicht als störend, sondern als Vorteil. Dadurch fielen kleine Kratzer nicht so ins Gewicht wie etwa bei Stoff. Allerdings ist ihm in seinem Fiesta eines Tages der Himmel auf den Kopf gefallen: Der Klebstoff der Deckenverkleidung resignierte nach all den Jahren, nicht mal der Ford-Händler konnte eine Lösung finden. Seitdem fährt unser Leser ohne Himmel.

So richtig bequem residiert er in seinem Auto aber nicht: "Die Sitze sind für kleine Leute konstruiert. Mit meinen knapp 1,90 Metern Körpergröße bin ich natürlich viel zu groß und darf mich vor Ampeln runterbücken." Sonst sieht er nämlich nicht, wann es grün wird. Die Folge seien Rückenschmerzen auf längeren Fahrten. Doch das scheint nicht das einzige Manko der Bestuhlung zu sein: "Die Sitze haben so gut wie keinen Seitenhalt. Als Fahrer kann man sich am Lenkrad festhalten, doch der Beifahrer sitzt einem schnell auf dem Schoß. Das kann lustig sein, muss es aber nicht." Auch die niedrigen Kopfstützen könnten Großgewachsenen kein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Alles in allem ist Herr Heinz mit seinem Auto aber zufrieden: "Im Prinzip finde ich den Wagen toll. Er gefällt mir so sehr, dass ich ihn noch lange erhalten will."

Allerdings machte ihm die Stille zu schaffen: Unterwegs musste er bislang auf die Klänge seiner Lieblingsband, Die Ärzte, verzichten. Denn der Fiesta 3 wurde serienmäßig ohne Radio ausgeliefert. Deshalb hat sich unser Leser neulich stundenlang in sein Auto verkrochen und Radio und Lautsprecher eingebaut. "Seit diesem Wochenende habe ich Musik beim Fahren", schreibt er fröhlich. Von den Ärzten natürlich. Sie könnte aber auch von Guns 'n' Roses kommen - schließlich ist der Fiesta 3 ein Auto für alle.



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maribu 04.07.2006
1. Ford Fiesta
---Zitat von sysop--- Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Fiesta-Modellen? ---Zitatende--- Er läuft und läuft und läuft... und hat gerade eine neue TÜV-Plakette auf seinen 11 Jahre alten Buckel bekommen. Verbunden mit der Frage, ob es sich um einen Garagenwagen handle, da kaum Rost zu sehen ist (er steht aber immer draußen). Nachdem was ich schon von Neuwagen und dem Versagen ihrer Elektronik gehört habe (Beispiel: Mercedes C-Klasse, der bei 170 km/h während des Überholvorgangs den Motor ausschaltet), traue ich mich ehrlich gesagt nicht an einen Neuwagen ran. Andere Neuwagenbesitzer können bald monatlich in die Werkstatt fahren, um irgendwelche Updates aufspielen zu lassen. Wenn ich einen Computer will, dann kaufe ich mir einen! Aber warum wird von allen alten Modellen hier ausgerechnet der Ford Fiesta thematisiert?
D- Fens, 04.07.2006
2.
Ich fahre einen Fiesta GFJ mit 1,1 Liter Maschine (Baujahr 1994). Das schöne an dem Auto ist, dass es für mich als Studenten bezahlbar war und sich bis auf die hohen Steuern dank Euro1 auch die laufenden Kosten in Grenzen halten. Vieles kann man selber machen, wenn wirklich mal was im argen liegt (einige Macken hat das Fahrzeug ja schon) sind zumindest die Ersatzteile relativ günstig. Der große Nachteil ist der Rost, besonders hinten am linken Radkasten unter dem Tankdeckel. Habe zum Glück einen Bekannten, der mir kostenlos ein Reparaturblech eingeschweißt hat. Somit habe ich jetzt nochmal TÜV bis 2008 bekommen und kann weiter im "Weißen Blitz" unterwegs sein ... Grüße an alle Fiesta- Fahrer ;)
Dampflok, 11.07.2006
3. Wußte gar nicht, daß Gebrauchtwagen ein wichtiges gesellschaftliches Thema wären..
zumal es dafür auch noch eine andere Rubrik im Forum gibt als ausgerechnet "Gesellschaft" Stattdessen wird hier ein Thema geschlossen, das 248 000 Hits aufweist. Schon klar, dann lieber Gammelautos nach Marke sortiert. .
Ranger, 18.07.2006
4.
immer diese Negativ Denker.......
PM1973, 26.07.2006
5. War sehr zufrieden
---Zitat von sysop--- Der Verkehr auf deutschen Straßen wird von Altwagen dominiert, die fünf, zehn oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Was taugen die betagten Modelle? Was sind Ihre Erfahrungen mit alten Fiesta-Modellen? ---Zitatende--- Mein erstes Auto war ein Ford Fiesta, Baujahr 1982. Ich hatte ihn 1991 gekauft und vor der ersten Fahrt in einer Werkstatt durchchecken lassen. Die haben nichts gefunden, der Wagen ist einwandfrei gelaufen bis zu einem Getriebeschaden nach drei Jahren. Der wurde repariert und und ich bin noch zwei weitere Jahre mit dem Fiesta gefahren bis der TÜV uns dann geschieden hat. Das Auto hatte mich nie im Stich gelassen, selbst wenn es im tiefsten Winter wochenlang gestanden hatte, ist es sofort wieder angesprungen. Ich hatte mir wieder einen Fiesta gekauft, das Getriebe musste bereits vor der ersten größeren Fahrt erneuert werden, es war vom Werk her schon defekt.
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