Weltpremiere Ford Fiesta Köln, wie es synct und lacht

Kleinwagen bieten heute ein Großaufgebot an Assistenzsystemen. Mit dem Fiesta will Ford das noch toppen. Beim neuen Modell spielen Motoren die Nebenrolle.

Jürgen Pander

Aus Köln-Niehl berichtet


"Das ist der beste Kleinwagen der Welt", sagt Jim Farley, Vorstandschef von Ford Europe. Es ist jetzt nicht der passende Zeitpunkt für Bescheidenheit: Gut 2500 Gäste - Ford-Händler, Ford-Mitarbeiter und Journalisten aus ganz Europa - haben sich in der riesigen Halle W auf dem Werksgelände in Köln-Niehl versammelt, um die Weltpremiere des neuen Fiesta zu erleben.

Der Fiesta läuft hier vom Band, vom aktuellen Modell sind es rund 1700 Exemplare pro Tag. Am Dienstag diente die Halle aber als Veranstaltungsort für die wahrscheinlich größte Premierenparty, die je für einen Kleinwagen inszeniert wurde.

Der Aufwand ist wohlkalkuliert. Mehr als 17 Millionen Fiesta-Modelle verkaufte Ford in den vergangenen 40 Jahren. Das Auto ist der beliebteste Kleinwagen in Europa. In Deutschland allerdings rangiert er aktuell auf Platz fünf - hinter VW Polo, Opel Corsa, Skoda Fabia und dem Mini. Der neue Fiesta jedoch soll, wenn er ab Frühsommer 2017 auf den Markt kommt, diese Reihenfolge nach dem Willen der Ford-Manager möglichst durcheinanderbringen.

15 Assistenzsysteme und eine verständnisvolle Vernetzung

Dafür hat der Hersteller einiges unternommen: Das Auto wurde beispielsweise größer, nämlich gut sieben Zentimeter länger und einen Zentimeter breiter. Vor allem aber wurde es erkennbar erwachsener. Das liegt am frischen, erkennbar um Seriosität bemühten Design und am grundsoliden Eindruck, den Verarbeitung und Materialien auf den ersten Blick bieten.

Jürgen Pander

Vor allem jedoch hat es mit einer für ein Massenmodell im preissensiblen Kleinwagensegment erstaunlichen Technikaufrüstung zu tun.

Allein 15 Assistenzsysteme sind für den neuen Fiesta verfügbar. Darunter zum Beispiel ein Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, der auch bei Nacht funktioniert; ein Einparkassistent, der jetzt nicht nur automatisch lenkt, sondern den Wagen auch bremst; eine neue Verkehrsschilderkennung, ein optimierter Fernlicht-Assistent, ein Querverkehrwarner, der das Rückwärtsfahren aus Parkbuchten sicherer macht, ein adaptiver Tempomat, ein Toter-Winkel-Assistent, ein Müdigkeitswarner, ein Fahrspur-Assistent und ein Abstandswarner.

Was potenzielle Fiesta-Kunden jedoch noch mehr interessieren dürfte, ist, dass die neue Generation endlich auch bei der IT-Vernetzung auf der Höhe der Zeit ist. Das neue Bediensystem namens "Sync 3" lässt sich per Sprachbefehl steuern und versteht nun auch einfache Sätze wie "Ich muss tanken" oder "Ich brauche einen Kaffee". Außerdem gibt es einen zentral platzierten, bis zu acht Zoll großen Touchscreen sowie einen weiteren, 4,2 Zoll großen Farbmonitor im Cockpit. Smartphones können via Apple CarPlay oder Android Auto gekoppelt werden, darüber hinaus rollt jeder Fiesta mit einer Bluetooth-Schnittstelle und zwei USB-Buchsen vom Band.

Die Aufrüstung der Kleinwagen

Überhaupt folgt der neue Fiesta dem Trend zu immer üppiger ausgestatteten und weiter ausdifferenzierten Kleinwagen. Als Extras sind beispielsweise ein enormes Panoramaschiebedach, ein beheizbares Lenkrad oder eine Harman-Musikanlage mit 675 Watt verfügbar. Und ganz grundsätzlich kann der Fiesta neben der Standardausführung auch als sportlich orientiertes ST-Modell, als besonders luxuriöse Vignale-Variante oder, und das ist ganz neu bei Ford, als Crossover-Modell "Active" bestellt werden. In diesem Fall erhält das Auto SUV-Anbauteile wie etwa dunkelgraue Radhausbeplankungen. Der Fiesta ist damit der erste Vertreter einer neuen "Active"-Familie, die Ford künftig lancieren will.

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Weltpremiere Ford Fiesta: Fordsetzung des Kleinwagen-Klassikers

Wie bislang gibt es den Fiesta auch künftig als Drei- und Fünftürer. Bekannt ist auch die Motorenpalette, die aus einem 1-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 100, 120 oder 140 PS besteht, einem 1,1-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 70 oder 85 PS sowie aus einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 85 oder 120 PS. Stärkere Varianten wie etwa auch ein Sportmodell ST oder RS werden folgen, Details zu diesen Modellen nennt Ford aber noch nicht. Bekannt wurde allerdings, dass der 1-Liter-Benziner ab 2018 als erster Dreizylindermotor der Welt mit einer Zylinderabschaltung angeboten wird - eine Maßnahme, um im Teillastbetrieb Sprit zu sparen und den Schadstoffausstoß zu senken.

Der Preis? Wird erst einmal noch verschwiegen

Jetzt jedoch ist erst einmal die achte Generation des Fiesta an sich die Neuheit. Das Design beispielsweise wurde gar nicht grundlegend verändert, aber doch so sehr modernisiert und gestrafft, dass der Wagen optisch fast schon zum Kompaktauto gereift wirkt. Dazu kommen ein komplett neues Fahrwerk, eine steifere Karosserie und eine verbesserte Lenkung.

Das alles wird wohl auch zu einem höheren Preis des Fiesta führen. Es gibt dazu zwar noch keine konkreten Zahlen - dazu sei es noch "zu früh", sagt ein Ford-Sprecher - doch nach all den Nachrichten von Wachstum, Aufwertung und Optimierung kann das eigentlich gar nicht anders sein. Es geht hier schließlich um den angeblich besten Kleinwagen der Welt.



insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
upalatus 30.11.2016
1.
Was passiert wenn ich "Ich brauche einen Kaffee" spreche? Wenn unmittelbar danach der tolle Geruch frisch gebrühtem Schwarzgetränks den Innenraum durchzöge, wär der Ford bald meiner..... . In einem so oft und immer öfter als privater Lebensraum deklarierten Fahrzeugraum erscheint dieses Element eigentlich nicht abwegig und technisch vollkommen machbar. Es gibt B&O-gelabelte Akustikelemente, warum nicht auch nescafe-Kaffeemodule? Ich kanns direkt vor mir sehen, wie sich der kleine Mokkanapf (bitte in Porzellanausführung deutscher Herkunft...) sicher gelagert aus der Konsole leise surrend in die bequeme Griffweite der Bordgäste herausschiebt. Im Grunde ist das Ganze auch nicht mehr als ein routinierter Griff ans mmi.
johannesbueckler 30.11.2016
2. Sehr geehrter Herr Pander,
Auch wenn ein Kurzartikel wenig Raum lässt, lesen Sie bitte Alistair Charlton auf amp.ibtimes.co.uk, wie man es dennoch informativer schreiben kann....Da es ja hauptsächlich um die Assistenzsysteme geht und nicht.um diese Rasenmähermotoren...;-)....... Best Regards
Hajojunge 30.11.2016
3. Hätte Ford nicht eine übersichtlichere Karosserie entwickeln können?
Immer wieder dieser stilistische Einheitsbrei mit ansteigender Gürtellinie, die in Höhe der Rücklichter mit dem abfallenden Dach zusammentrifft. Die Heckscheibe ist nur noch ein Guckloch. Man mag diese Keilform schon nicht mehr sehen, viele Autos, nicht nur die von Ford, sehen von der Seite aus, als ob sie ständig bergabfahren. Ein Teil der Bordelektronik ist nur dazu da, mit Kameras und Sensoren die schlechte Rundumsicht auszugleichen. Warum wohl ist VW so erfolgreich? Viele finden den Golf langweilig, aber verglichen mit anderen Autos mit ihrer "modernen" Formsprache hat er eine Rundumsicht wie im Papamobil. Erstaunlich, dass die Autotester noch kein standardisiertes Meßverfahren anwenden, das mit einer 360°-Kamera in Höhe des Fahrerkopfes die toten Winkel ausmißt. Nicht nur rechtsabbiegende LKW sind für Radfahrer eine Gefahr, auch solch mißgestaltete PKW. Angesichts der steigenden Verkehrsdichte ist eine gute Rundumsicht ein immer wichtigeres Sicherheitsmerkmal.
brutus972 30.11.2016
4.
Das war Werbung und kein seriöser Bericht! Wenn ich mir ein Auto kaufe, will ich wissen, ob es in die Garage passt (wo sind die Maße). Wie sind die CO2- und NOX-Werte, denn ich will in drei Jahren noch in die Stadt einfahren können. Wie sieht es mit dem Verbrauch aus?
amuego186 30.11.2016
5. Kleinwagen? sie werden doch alle größer und dicker und schwerer
Wieso Kleinwagen. Er wird doch schon wieder größer! In Japan ist Kleinwagen bis 3,54m. Und untere Mittelklasse bis 3,74m Und ich stelle fest größer und dicker und höher können die deutschen Autobauer alle. Damit auch schwerer. Und Assi-Systeme bedeuten doch: Der vergessliche oder demente Autofahrer. Und bestimmt bekommt der Fiesta wieder einen Diesel statt eventuell einen sparsamen neuen Benziner, der eventuell in 3 Jahren durch ein E-Motorsystem ersetzt werden könnte. Also da hilft nur: Autos über 3,54m oder 3,74 m wie in Japan müssen extra Stellplatzsteuer bezahlen. Dann würden die VW,Opel und Ford auch sich an interessante Kleinwagen heranmachen. In Japan fahren derzeitig bestimmt 4-5 sehr interessante japanische Kleinwagenmodelle auf den Straßen, die wir hier in Europa nicht zu Gesicht bekommt: z.b. Daihatsu Tanto oder Tanto Custom
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