Neuer Ford GT Die Schon-Wieder-Belebung

Aus legendären Autos lässt sich gleich mehrfach Kapital schlagen. Schon einmal reaktivierte Ford die Sportwagen-Ikone der Sechziger, den GT 40. Jetzt folgt das Remake des Comebacks: ein neuer GT, der Ferrari das Fürchten lehren soll.

Tom Grünweg

Aus Detroit berichtet


Ferrari-Fahrer aufgepasst: Demnächst könnte sich im Rückspiegel ein Ford breit machen. Natürlich kein Focus oder Fiesta und auch kein Mustang. Sondern eine weitere Reinkarnation des legendären GT 40, die soeben auf der Auto-Show in Detroit vorgestellt wurde. Nach zehn Jahren Pause will Ford den Extremsportwagen, der in der Neuauflage nur noch GT heißt, wieder bauen.

Auch der Neue ist so flach wie die Rennsport-Ikone, der Ford GT 40 aus den Sechzigern, und mit einer unwiderstehlichen Ausstrahlung, die Brutalität und Eleganz vereint, stiehlt das stahlblaue Coupé in den Messehallen von Detroit allen anderen Premierenmodellen die Schau. Erst recht, wenn die nach oben schwingenden Türen geöffnet werden und man sich zum Probesitzen in die enge Sitzschale hinter dem Formel-1-artigen Lenkrad fädelt.

Der 3,5-Liter-Sechszylindermotor des Autos wird durch einen feuerroten Knopf in der Mittelkonsole gestartet und er röhrt durch zwei CD-große Endrohre. Das Triebwerk leistet nach Ford-Angaben mehr als 600 PS und schickt seine Kraft an 20-Zoll-Walzen auf der Hinterachse. Wenn dieser Wagen in Bewegung gerät, wird es für Ferrari und Co. tatsächlich eng. Der komplett aus Karbon und Aluminium gebaute GT soll in kaum mehr als drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 schnellen und locker über die 300-km/h-Marke kommen.

Ein Tritt in den Hintern

Dass einem bei der Suche nach den passenden Konkurrenten als erstes Ferrari in den Sinn kommt, liegt nicht allein am Design des GT, das auch aus Maranello stammen könnte. Sondern vor allem an der traditionsreichen, transatlantischen Rivalität zwischen Ford und Ferrari. Sie ist sogar der eigentliche Grund, weshalb es dieses Auto überhaupt gibt.

"Wir wollen denen mal richtig in den Hintern treten", soll Firmenchef Henry Ford II gesagt haben, als er bei seinen Entwicklern vor mehr als einem halben Jahrhundert den Ur-GT-40 in Auftrag gab. Das Auto war so etwas wie Fords Rache an Ferrari, weil ein Übernahmeversuch des italienischen Autoherstellers durch den Großkonzern aus Detroit gescheitert war.

Ferraris Alptraum hieß Ford GT

Die Ingenieure enttäuschen ihren Chef keineswegs, im Gegenteil. Sie hatten ihren Job so gründlich erledigt, dass der Tritt nicht nur Ferrari, sondern auch alle anderen damaligen Sportwagenmarken wie Porsche, Jaguar oder Mercedes empfindlich schmerzte. Der Dreifach-Sieg von Ford 1966 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans war ein Schlag ins Gesicht der gesamten PS-Elite - und auch in den folgenden drei Jahren siegten GT-Modelle an der Sarthe.

Trotz dieses Hintergrunds sieht Ford-Vorstandschef Mark Fields das Comeback des GT nicht als Griff in die Mottenkiste, sondern als Beweis für die Innovationskraft des Unternehmens. "Unsere ersten Innovationen kamen nicht aus den Labors, sondern von der Rennstrecke", sagt Fields. "Seit unserem ersten Sieg schwören wir auf Fortschritt durch Performance und bauen in diesem Geist Autos, die Herzen höher schlagen lassen."

Die Aussage klingt verwegen angesichts der meisten Ford-Modelle, doch auf den GT trifft sie voll und ganz zu. Das zeigen schon die euphorischen Reaktionen des Messepublikums. Und auch das Management ist Feuer und Flamme. Bernhard Mattes, Chef von Ford in Deutschland, facht bereits die Nachfrage an. "Der darf nicht in Amerika bleiben, sondern wird auch bei uns zu haben sein", sagt Mattes. Allerdings werde die Stückzahl niedrig und der Preis hoch sein. "Wir bewegen uns da schließlich auf einem Niveau mit Ferrari, Lamborghini oder McLaren."

Der neue GT soll ab 2016 gebaut werden

Das Comeback des GT pünktlich zum 50. Jahrestag des Sensationssiegs im kommenden Jahr ist nicht das erste Revival des Rennwagens. Eine GT-Studie von 1995 blieb zunächst ein Einzelstück, eine zweite, 2002 in Detroit vorgestellte Studie, mündete in eine Kleinserie. Ab 2003 wurde der bildhübsche Retro-Renner mit 5,4-Liter-V8-Motor und 550 PS verkauft.

Im Fall des jetzt enthüllten GT soll es mit der Serienreife wesentlich schneller gehen. Denn - so wollte zumindest der Regisseur der Ford-Show in Detroit die Messegäste glauben machen - angeblich war Verwaltungsratschef Bill Ford vom Showcar derart begeistert, dass er seinem Vorstandsvorsitzenden Fields noch auf der Bühne grünes Licht für den Produktionsstart 2016 gegeben habe.

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insgesamt 71 Beiträge
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Mr Bounz 13.01.2015
1.
wo ist die Innovation? flach? viel PS? Blau? .... gibt es doch haufenweise.....
Wastlhund 13.01.2015
2. Na denn...
...viel Glück. Aus subjektiver Sicht sieht da sogar das erste Remake noch besser aus. Das hier hat optisch mit einem Ford GT nur wenig zu tun und könnte auch von "asiatischer Feder" gezeichnet worden sein. Alfa zeigt, wie man ohne Remake- und Retroschwulst neue Sportwagenserien etabliert.
ambulans 13.01.2015
3. wie bitte?
unwiderstehlich?? die antwort auf diese ästhetische gurke ist bereits bekannt und lautet: Ferrari F12 oder LaFerrari - noch fragen??? dr. cav.ramp. ambulans (alle kassen)
ironassi, 13.01.2015
4. 6 Zylinder ??????????????
In so ein Auto MUSS ein V8 !!!!!!!!!!!!!!!!!!! ..und das sagt jemand der u.a. einen Prius fährt ;-)
micsei 13.01.2015
5. Geiles Teil
Und schön, die schmale Mittelkonsole. Bei vielen neuen Autos bekommt man Platzangst, weil die Konsolen immer fetter werden.
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