Ford Iosis X Appetitanreger ganz in Weiß

Der Opel Antara ist fertig, der VW Tiguan ist beschlossen - nur bei Ford stand der kompakte Geländewagen immer in Frage. Mit dem Iosis X machen die Kölner jetzt klar: Auch sie bauen ein solches SUV. Leider soll es aber ganz anders aussehen als die beeindruckende Studie aus Paris.


John Fleming war es offenbar leid: Immer wieder wurde der Europa-Präsident von Ford gefragt, ob er Opel und VW tatsächlich den kompakten SUV-Markt überlassen wolle. Und immer wieder musste er die Antwort auf diese Frage schuldig bleiben. Das ist jetzt endgültig vorbei. Denn mit der heute Morgen beim Pariser Autosalon enthüllten Studie Iosis X machen die Entwickler bei Ford eindrucksvoll klar, dass für sie die Welt in der Kompaktklasse mit Limousine, Schrägheck, Kombi, Van und Cabrio noch lange nicht zu Ende ist.

"Es gab in der Vergangenheit viele Spekulationen, ob Ford ein kompaktes Crossover-Fahrzeug oder ein SUV bauen wird - oder nicht", sagt Fleming. "Mit der Studie Iosis X bereiten wir der Ungewissheit jetzt ein Ende und senden zugleich ein starkes Signal. In gut 18 Monaten werden wir mit einem entsprechenden Modell den Markt betreten. Und es wird sich dabei um ein ebenso eigenständiges wie attraktives Fahrzeug handeln", verspricht der Europachef und verweist auf das in eisigem Weiß lackierte Showcar, bei dem sich die Designer so richtig austoben durften.

Weil der Iosis X nur ein Wegbereiter ist und allenfalls einen Fingerzeig auf das künftige Modell geben soll, muss man nicht nach Formen für die Ewigkeit suchen. Auf dem Weg ins Hier und Heute wirkt der Geländegänger deshalb noch wie von einem anderen Stern: Die Bodenfreiheit ist übertrieben groß, die Frontpartie ragt zu weit auf, die Windschutzscheibe steht schräger als üblich, und das Heck fällt ab wie bei einem Coupé. Weil zudem auf einen ordentlichen Gepäckraum verzichet wurde, die Fondtür sehr klein ist und sich ohne B-Säule entgegen der Fahrtrichtung öffnet, erinnert der Iosis X an einen aufgebockten Sportwagen. Serienautos sehen anders aus.

Doch die neue Studie entwickelt das "Kinetic Design" weiter, das Ford vor Jahresfrist mit der ersten Iosis-Studie auf der IAA in Frankfurt einführte. Was beim S-Max im Frühjahr noch relativ gemäßigt wirkte und bei der ebenfalls in Paris enthüllten Neuauflage des Mondeo schon deutlicher zu Tage tritt, wird beim Iosis X auf die Spitze getrieben: Nach dem Motto "Energie in Bewegung" hat das Team um Designer Martin Smith der Studie eine markante Front mit böse dreinblickenden LED-Scheinwerfern ins Blech geschnitten. Die Flanke lebt von weit ausgestellten Radhäusern, in denen sich maßgeschneiderte Walzen mit schwarz-orangem Profil drehen.

Spiegel wie die Fühler eines Maikäfers

Am Heck verabschiedet sich der Iosis X mit einer stark ausgeformten Abrisskante und einem kleinen Fenster. Weil auch die riesigen Rückleuchten wie blutrote Edelsteine auf der Kante sitzen, erinnert der Iosis X von hinten entfernt an den BMW 1er. Garniert wird die Skulptur mit ein paar Designspielereien: Die Außenspiegel sitzen exponiert wie die Fühler eines Maikäfers weit oben auf der A-Säule, und statt der üblichen Schwellerleisten rund um die Gürtellinie gibt es robuste Skidpads, die beim Öffnen der Türen ausfahren und als Trittleisten dienen.

Noch weiter weg von der Serie ist der Innenraum mit vier einzelnen Schalensitzen und einem hoch aufragenden Mitteltunnel, der das gesamte Fahrzeug durchschneidet. Vorn trägt er einen riesigen Monitor und darunter einen neuartigen Schaltknüppel, der aussieht wie der Joystick eines Videospiels. Daneben ragt aus dem Cockpit ein konventionelles Lenkrad mit großen Schaltpaddeln, hinter dem die Instrumente glühen.

Statt naturnahem Grün oder Braun ein strahlendes Weiß

Gegen den gängigen Trend stemmt sich Ford bei der Farbgebung der Studie: "Normalerweise werden Crossover-Modelle dieser Klasse mit Interpretationen von Moosgrün oder Grau lackiert", sagt Designer Martin Smith. "Wir fanden es viel origineller, den Iosis X in einem puren Weiß vorzustellen. Das passt auch zu Ford, denn die Marke besitzt eine große Historie, was spektakuläre weiße Fahrzeuge betrifft – ich erinnere da nur an den legendären Ford GT40, die Rallye-Escorts oder auch den aktuellen Ford Fiesta ST."

Allerdings ist das Weiß nicht nur weiß, sondern changiert wie ein Eisblock ins Blaue, wenn das Licht entsprechend einfällt. Und wo die Konkurrenz im Interieur auf schwarzen Klavierlack setzt, erinnern die Kölner ganz im Sinne von Elton John oder Stevie Wonder daran, dass Pianos immer auch weiß lackiert wurden. Und während andere Hersteller mit großen Panoramadächern angeben, gönnt Ford den Offroadern der Zukunft mit großen Glasluken im Fußraum neue Ausblicke auch nach unten.

Psst! Die Studie gibt keine konkreten Hinweise

Noch ist die Studie so weit entfernt von der Serie, dass sich Ford nicht einmal die Mühe macht, technische Details wie den Motor oder das Abtriebskonzept zu erläutern. Von Fahrleistungen und Ausstattungsdetails ganz zu schweigen. Im Gegenteil: Mit einem Satz machen die Kölner aufkeimende Hoffnungen wieder zunichte. "Einen konkreten Hinweis, wie ein künftiges Crossover-Fahrzeug von Ford aussehen könnte, liefert das Conceptcar Iosis X ebenso wenig, wie der Iosis als Vorbild für ein Serienmodell gedient hat", schreiben sie der Studie in den Beipackzettel. Designer Smith nährt zart die Zuversicht: "Erst wenn wir das neue Modell präsentieren, wird auf den ersten Blick klar werden, worin die Verwandtschaft mit der Studie begründet ist."

Selbst wenn aus dem dynamischen Allrad-Coupé in den kommenden 18 Monaten ein weniger spannender Geländewagen werden sollte, ist dieses in Blech gefasste Statement für die Kölner wichtig. Denn kleine Allradler liegen im Trend, sagt Marktforscher Nick Margetts vom Analyseinstitut Jato Dynamics und ergänzt angesichts vieler neuer Modelle: "Dabei sind es nicht die typischen Allrad-Spezialisten, sondern die Volumenhersteller, die aus ihren braven Golf-Klasse-Autos kleine Klettermaxe machen."

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