Ford Mustang Der Bi-Ba-Baby-Boomer

Vor 40 Jahren, am 17. April 1964, wurde der Ford Mustang bei der Weltausstellung in New York erstmals präsentiert. Der Verkauf begann noch an diesem Tag, und binnen eines Jahres waren mehr als 418.000 Modelle abgesetzt. Ein Rekord, der noch heute Bestand hat.


Mustang-Parade: Zwei Jubiläumsmodelle des Ford Mustang (r.u.l.) neben einem Mustang aus dem Jahr 1965 vor Oldtimerflugzeug P51 Mustang

Mustang-Parade: Zwei Jubiläumsmodelle des Ford Mustang (r.u.l.) neben einem Mustang aus dem Jahr 1965 vor Oldtimerflugzeug P51 Mustang

Simple Technik, scharfes Design, starker Werberummel - aus diesem Dreiklang sind viele Erfolgsstorys entstanden. Eine besonders eindrucksvolle ist die des Ford Mustang, der in diesen Tagen 40 Jahre alt wird. Das "Pony Car" (damaliger Neupreis 2368 Dollar), dessen Kühlergrillemblem einen galoppierenden Mustang zeigt, gilt als das Auto der Baby-Boomer-Generation, als Inbegriff des coolen, amerikanischen Sportcoupés.

Dass der Wagen vom ersten Tag an begehrt war wie kein zweites Fahrzeug - noch am 17. April gingen 22.000 Bestellungen für den Mustang ein -, liegt auch an der geschickten PR-Kampagne, die der damalige Ford-Abteilungsleiter Lee Iacocca zusammen mit dem Team von Ford-Werbeleiter J. Walter Thompson ausheckte. Am 11. März 1964 versandte die Pressestelle des Unternehmens die ersten offiziellen Bilder des Mustang - zwei Tage nachdem die ersten Serienmodelle in Dearborn vom Band gelaufen waren.

Lee Iacocca und Don Frey neben einem Mustang in den Sechzigern: Beispiellose Ford-Werbekampagne

Lee Iacocca und Don Frey neben einem Mustang in den Sechzigern: Beispiellose Ford-Werbekampagne

Zugleich lief eine gigantische Fahrtest-Aktion an, bei der Ford mehr als hundert fabrikneue Autos für Journalisten zur Verfügung stellte, wie der Autor Russ Banham in seinem Buch "Das Ford Jahrhundert" schreibt. Das Echo in den Medien war immens. Die Nachrichtenmagazine "Newsweek" und "Time" erschienen mit einem nahezu identischen Titelbild, auf dem Lee Iacocca und der Ford Mustang zu sehen waren. Auch "Life" brachte eine Titelgeschichte über das neue Auto.

Am Tag vor der Weltpremiere, dem 16. April, erschienen in allen großen Zeitungen und Zeitschriften der USA Anzeigen, die ein übergroßes Auge zeigen und dazu den Text: "The most exciting thing on TV tonight will be a commercial" (Das Aufregendste, was es heute Abend im Fernsehen zu sehen gibt, wird ein Werbespot sein). Gemeint war ein Reklamefilm für den Ford Mustang, der auf allen großen Sendern zeitgleich um 21.30 Uhr ausgestrahlt wurde.

Die bis dahin beispiellose Werbekampagne zeigte Wirkung, wie die Verkaufszahlen zeigen, die vom ersten Tag an in ungeahnte Höhen schossen. Bis heute wurden weit mehr als acht Millionen Ford Mustang verkauft, wobei die erste Generation der Baujahre 1964 bis 1973 als die wahren Klassiker gelten. Ihnen widmet sich zum Beispiel auch der First Mustang Club of Germany, der 1985 gegründet wurde und zur größten Plattform der Mustang-Fahrer und -Besitzer hier zu Lande avancierte.

Ford Mustang Modelljahr 2005: Revival der Urform

Ford Mustang Modelljahr 2005: Revival der Urform

Weltweit gibt es mehr als 250 Mustang-Clubs - angeblich so viele wie für kein anderes Automodell. Seit einigen Monaten gibt es für die große Fangemeinde übrigens wieder besonderen Grund zur Freude. Denn nachdem ab 1973 durchweg schauderhafte Mustang-Modellreihen von den Produktionsbändern gelaufen waren, besann sich Ford vor einigen Jahren seiner großen Vergangenheit. Die Retro-Welle im Autodesign ermutigte wohl die Verantwortlichen, es auch mit einem Revival des Mustang zu versuchen.

Dafür wurde Larry Erickson geholt, ein Designer, der unter anderem aufgefallen war, weil er das "Cadzilla"-Custom-Car für die Rockband ZZ Top entworfen hatte. Seine Aufgabe bei Ford: die Renaissance des Mustang zu gestalten. Das Projekt glückte, jedenfalls wenn man die Urform des Fahrzeugs zu Grunde legt. Denn exakt an dessen Proportionen und charakteristischen Formen orientiert sich der neue Mustang, der im Herbst in den USA auf den Markt kommen wird. Mit einem V6-Motor für unter 20.000 Dollar, heißt es bei Ford. Weltweit flippten Mustang-Afficionados aus und klickten die Internetseite thecarconnection.com, auf der die Fotos zu sehen waren. Binnen Minuten brach der Server zusammen. Der Hype war wieder da, diesmal online.

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