Ford Probe, Baujahr 1992 Rüstiger Renner

Der Ford Probe polarisiert: SPIEGEL-ONLINE-Leser Daniel Wippermann erntet abwechselnd Spott und Bewunderung für sein Fahrzeug. Ein Verkehrsteilnehmer war so begeistert, dass er ausstieg, um einen genaueren Blick zu riskieren – mitten im Kölner Stadtverkehr.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Daniel Wippermann aus Köln über seinen Ford Probe 2,2 GT aus dem Baujahr 1992.

Daniel Wippermann:
Das Schönste an der A555 sind die wenigen Kilometer ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Die kurze Autobahnverbindung zwischen Köln und Bonn ist eine wahre Rennstrecke für prestigeträchtige Luxusschlitten und sportliche Edel-Flitzer.

Doch auch als Besitzer eines preiswerten Gebraucht-Coupés aus dem vergangenen Jahrhundert kann ich dort auf der linken Spur mühelos mithalten. Dabei spielt das gefahrene Tempo keine Rolle. Denn bei kräftigem Druck aufs Gaspedal setzt der Turbo meines Ford Probe 2,2 GT mit wuchtigem Ruck ein, um die teilverzinkte Stahlkarosse dank 150 PS und einem Drehmoment von 290 Nm bis weit über den Tachoanschlag von 220 km/h hinaus zu beschleunigen.

Im Alltag überzeugt der betagte Zweitürer ebenfalls durch erstaunliche Qualitäten, beispielsweise seine exzellente Verarbeitung, seine Rostimmunität – und seine prima Ausstattung: Dazu zählen nicht nur die Klimaanlage oder die elektrischen Fensterheber, sondern auch die Innenraum-Illumination mit Fond- und Zündschlüsselbeleuchtung. Ein weiteres Highlight ist das per Knopfdruck einstellbare Fahrwerk, das ganz nach Bedarf sportliches, normales oder komfortables Fahren erlaubt. Wen interessieren da noch serienmäßige Details wie ABS oder Servolenkung?

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Polarisierend ist hingegen das Design des exotisch anmutenden Schlafaugen-Oldies. Trotz rahmenlosen Seitenfenstern und starkschultriger Heckpartie mag mein Probe allenfalls Enthusiasten begeistern, die den eigenwilligen Charme dieses Vehikels erkennen. Und von denen gibt es überraschend viele.

Unvergessen bleibt mir die Begegnung mit einem echten Fan im Kölner Stadtverkehr. Begonnen hatte alles mit einem unfreiwilligen Ampelstopp. Trotz grünen Lichtes bremste vor mir ein grellgelber Toyota, aus dem ein Herr mit der Ausstrahlung eines gealterten Preisboxers ausstieg. Anstatt Rot zu sehen, ließ ich das Seitenfenster herab, um zu hören, was er mir wohl zu sagen hätte. Ich erwartete das Schlimmste.

Doch der beleibte Mann im knapp sitzenden Trainingsanzug legte sein großväterlichstes Lächeln auf, um meinen Ford Probe lautstark und in aller Herrlichkeit zu loben. Es rührte mich zutiefst, dass er als ehemaliger Besitzer des gleichen Modells seine Begeisterung für das Fahrzeug so ungehemmt und spontan mit mir teilen wollte.

Im Gegensatz dazu finden Freunde und Kollegen eher spottende Worte, wenn es um meinen rüstigen Renner geht. Am liebsten lästern sie über die provozierende Linienführung der eigentlich so gutmütigen Karosse. Geradezu höhnisch sind ihre Scherze über die vielfältigen Kunststoffapplikationen im Innenraum und die mittlerweile schmutzigweißen Original-Alufelgen im konsequenten Achtziger-Jahre-Look.

Aber spätestens auf der A555 spielt solch oberflächliche Betrachtung keine Rolle mehr – wenn überholten Neuwagenpiloten nur noch der Blick auf die gigantischen Rücklichtleisten meines alten Ford Probe 2,2 GT bleibt.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Gabri, 28.03.2007
1.
Einen 5 Jahre alten Wagen als Altwagen zu bezeichnen, finde ich schon etwas daneben.
Frank Werner 29.03.2007
2. Fahren auf Probe
Ist das nicht das Ding aus der "Wie uncool"-Werbung der Kreissparkasse? Na wie dem auch sei. Mein Alt-Auto hat auch 125 PS. Aber Wettrennen überlasse ich lieber der entsprechenden (echten oder gefühlten) pubertären Altersklasse. Zu erwähne bliebe noch, dass der Probe auf dem Fahrwerk des 94er-Mondeo basiert, was schon damals sehr gut war. Und dass die 116-PS-Variante auch viel Spaß macht (und obendrein billiger, sparsamer und umweltfreundlicher ist). Das gelobte Interieur stammt übrigens aus den USA, da der Probe dort gebaut wurde und ursprünglich nie für den deutschen Markt gedacht war. Da er wenig Laderaum hat, ist der Probe nicht mein Auto. Ansonsten würde ich bei ähnlichen Vorlieben vielleicht lieber zum Cougar greifen (der sicher ein absoluter Klassiker wird). Frank Werner
volkerswelt, 29.03.2007
3.
Zitat von GabriEinen 5 Jahre alten Wagen als Altwagen zu bezeichnen, finde ich schon etwas daneben.
hä? 5 Jahre alt? Dat Dingens ist Baujahr 1992 somit also wohl "knapp" 15 Jahre alt, oder?
rhh, 29.03.2007
4. Licht und Schatten
Ich fahre seit 1998 einen 91er Probe GT mit inzwischen 139.000km auf der Uhr und bin mit dem Wagen trotz einiger konstruktiver Schwächen noch immer sehr zufrieden. Der Motor ist zwar ein wenig brummig, verträgt aber dank Klopfsensor Normalbenzin und ist sehr elastisch, 50km/h im 5. Gang sind ebenso problemlos möglich, wie 220km/h als Dauertempo auf freier Strecke. Das Fahrwerk ist extrem gutmütig, in schnell gefahrenen Kurven schiebt der Wagen gut kontrollierbar über die Vorderräder. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die sehr leichtgängige Servolenkung, der man anmerkt, dass der Wagen ursprünglich für den amerikanischen Markt gebaut wurde. Eine weitere Stärke des Probe ist seine Zuverlässigkeit, größere Reparaturen hielten sich bisher in Grenzen, außer dem Scheibenwischermotor, dem elektrischen Fensterheber in der Fahrertür und dem Geberzylinder der Kupplung mussten nur Verschleißteile gewechselt werden - wobei die Auspuffanlage als Verschleißteil gelten darf, speziell das letzte Stück Rohr über der Hinterachse ist alle paar Jahre fällig. Ein dunkles Kapitel ist die Ersatzteilversorgung. Die meisten Teile müssen aus den USA beschafft werden und sind durch Frachtkosten und Zölle ziemlich teuer, wenn die Teile überhaupt noch lieferbar sind. Zum Beispiel waren Fensterschachtdichtungen schon 2001, gerade einmal acht Jahre nach Produktionsende, nicht mehr lieferbar, genau wie die Türdichtungen für die rahmenlosen Seitenscheiben. Ab Tempo 130 zieht der Fahrtwind die Scheiben aus den alten, versprödeten Dichtungen, dann wird es unerträglich laut. So taugt mein Probe jetzt mehr zum Cruisen als zum Rasen, aber das hat auch sein gutes, mit leichtem Gasfuß liegt der Verbrauch bei knapp 9,0l Normal/100km und materialschonender ist es auch, denn die Ersatzteile...
rhh, 29.03.2007
5.
Zitat von Frank WernerIst das nicht das Ding aus der "Wie uncool"-Werbung der Kreissparkasse? Na wie dem auch sei. Mein Alt-Auto hat auch 125 PS. Aber Wettrennen überlasse ich lieber der entsprechenden (echten oder gefühlten) pubertären Altersklasse. Zu erwähne bliebe noch, dass der Probe auf dem Fahrwerk des 94er-Mondeo basiert, was schon damals sehr gut war. Und dass die 116-PS-Variante auch viel Spaß macht (und obendrein billiger, sparsamer und umweltfreundlicher ist). Das gelobte Interieur stammt übrigens aus den USA, da der Probe dort gebaut wurde und ursprünglich nie für den deutschen Markt gedacht war. Da er wenig Laderaum hat, ist der Probe nicht mein Auto. Ansonsten würde ich bei ähnlichen Vorlieben vielleicht lieber zum Cougar greifen (der sicher ein absoluter Klassiker wird). Frank Werner
Ja, der Probe GT ist der Wagen aus der "Wie uncool"-Kampagne der LBS. Der Probe GT (interne Bezeichnung T22) basiert aber nicht auf dem Ford Mondeo, sondern auf dem zeitgenössischen Mazda 626 Coupe und wurde auch im Mazda Montagewerk in Flat Rock, Michigan, gebaut.
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