Ford Transit Selbst als Zebra ein Erfolg

Ob Hippie oder Hundefutterlieferant, Safaritourist oder türkischer Gemüsehändler - alle fuhren und fahren Ford Transit. Jetzt feiert der erfolgreiche Transportwagen gleich doppeltes Jubiläum. Kurz vor dem 40. Geburtstag rollte das fünfmillionste Exemplar vom Band.


Ford Transit: Ein Auto mit vielfältigen Einsatzgebieten in der 40-jährigen Karriere

Ford Transit: Ein Auto mit vielfältigen Einsatzgebieten in der 40-jährigen Karriere

Es gibt wohl kaum ein Automobil, das von dermaßen verschiedenen Fahrern geschätzt wird wie der Ford Transit. Seit seiner Jungfernfahrt am 9. August 1965, als der Ur-Transit vom Band des britischen Ford-Werks in Langley lief, durfte der Kastenwagen in den vielfältigsten Gestalten und Einsatzgebieten seinen Dienst tun. Als Pick-up nutzten ihn gleich von Anbeginn die englischen Milchmänner, um ihre in Flaschen abgefüllte Ware auch zu den entlegendsten Cottages zu fahren. Als geschlossener Transporter diente er diversen Kleinunternehmern als Lieferwagen, vom dänischen Hundefutterfabrikanten bis zum türkischen Gemüsehändler.

Auch die Hippies entdeckten seinerzeit das praktische Spielmobil als adäquates Transportmittel für ihre Fahrten zu unzähligen Happenings - kein Wunder, wo doch der Transit mit seinem verträumt lächelnden Kühlergrill und den großen, runden Scheinwerferaugen stets selbst so aussah, als hätte er mehr als nur Benzin zu sich genommen. Selbst als Safari-Geländewagen durfte der Transit ran: Im englischen Woburn Abbey Sarari Park kurvte in den frühen Siebzigern eine Flotte Ford Transit im passenden Zebrastreifenlook zwischen Giraffen und Löwen herum.

Bis heute befindet sich der Ford Transit auf ungebremster Erfolgsfahrt. Im Jahr 2000 wurde die derzeit aktuelle Generation eingeführt, von der es mit zahlreichen verschiedenen Aufbauten, Ladelängen, Dachhöhen und Sonderlösungen rund 400 Grundvarianten gibt. Unter anderem drängt der Transit seit zwei Jahren vehement in das Segment der Wohnmobile. Ford stellt die Fahrgestelle und Flachbodenchassis, und mittlerweile elf große Reisemobilhersteller bauen dann ihr jeweiliges Wohnmobil darauf auf. So heißt der Transit bei Dethleffs zum Beispiel Fortero, der Münsterländer Hersteller LMC baut ihn zur über sieben Meter langen Luxusferienwohnung namens Liberty Star um. Hymer wiederum formt den Transit zum windschnittigen Hymer Van.

Ford Transit: Bereits das erste Modell gab es 1965 in diversen Ausführungen, etwa als Pick-up

Ford Transit: Bereits das erste Modell gab es 1965 in diversen Ausführungen, etwa als Pick-up

Dabei fing es ganz einfach mit dem Transit an. Ford reagierte in den frühen fünfziger Jahren auf das Wirtschaftswunder und den florierenden Unternehmergeist und produzierte ab 1953 in Deutschland einen Kleintransporter mit Namen FK 1000. Der Name war praktisch gewählt: FK stand für Ford Köln, während die Zahl 1000 die Nutzlast in Kilogramm bezifferte. 1960 dann schlug die Geburtsstunde der mittlerweile legendären Typenbezeichnung: Erstmals tauchte der Produktname "Transit" in der Zusatzbezeichnung "Taunus Transit" auf, die die FK-1000-Baureihe zierte.

Die aber wurde 1965 eingestellt - zugunsten der Neuentwicklung Ford Transit. Auch der war wie sein Vorgänger ein Hecktriebler mit Frontmotor, doch der neue Transit sah vollkommen anderes aus. Als "Kurzhauber" prägte der Neue im Ford-Fuhrpark eine ganze Generation von leichten und mittleren Nutzfahrzeugen. Schon das Premierenmodell gab es in vielfältigsten Ausführungen. Für die elf Aufbauversionen standen zum Beispiel immerhin 18 unterschiedliche Türkombinationen bei den Kasten- und Kombimodellen zur Auswahl. Bereits 1977, zwölf Jahre später, waren eine Million Ford Transit produziert, 1985 waren es zwei Millionen, 1994 drei Millionen und 2000 vier Millionen.

Am 18. Juli nun rollte der fünfmillionste Wagen im britischen Southampton aus der Werkshalle. Ob als Transporter, Kleinbus oder auch als Wohnmobil - kein Modell hat derart prägend zur Markenbildung von Ford beigetragen. Es gibt eben auch kein Modell, das ohne Unterbrechung seit 40 Jahren gebaut wird. Der Ford Transit ist nicht dabei nicht nur zum Kultauto mit hohem Nutzwert geworden, er hat auch immer wieder mit neuen Technologien und Varianten seine Fahrzeugklasse aufgemischt. So erlebte der erste schnell laufende Direkteinspritzer-Dieselmotor der Welt im Ford Transit sein Marktdebüt. Auch war der Transit der erste Transporter am Markt, der mit ABS erhältlich war und serienmäßig über einen Fahrerairbag verfügte.

Fünf Millionen Fahrer können nicht irren: Auch das aktuelle Modell Transit Kasten RWD ist ein Erfolg

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Neben allen technischen Finessen hat sich der Ford Transit in seiner 40-jährigen Karriere vor allem einen soliden Kultstatus erfahren. Egal wen man fragt: Irgendwie hat fast jeder eine Geschichte zu erzählen, durch die an der einen oder anderen Stelle ein Transit braust. So sorgte die Schauspielerin Eva Renzi in den siebziger Jahren mit einer Indien-Reise im grasgrünen Transit für Schlagzeilen. Und auch ein mächtiger Mann des Musikgeschäfts erinnert sich gerne an einen Tag, als ein bunt gescheckter Transit vor seinem Haus hielt. Ein junger Musiker war es, der im November 1971 mit seinem Transporter den damals 23-jährigen Plattenproduzenten Richard Branson besuchte. Es war Mike Oldfield, der dem klapprigen Ford entstieg, den Kopf voller Songs. Einer davon sollte wenig später den Namen "Tubular Bells" erhalten. Es wurde der erste Hit für Richard Bransons noch jungfräuliches Plattenlabel Virgin.

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