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Formel-1-Skulpturen: Schönheit im Verborgenen

Foto: Courtesy the artist and The Fine Art Society / Todd White Photography

Formel-1-Skulpturen Motoren-Werke

Ist das Kunst oder kann das wegfahren? Auf die Schöpfungen von Angela Palmer trifft beides zu. Sie hat sich in einen Formel-1-Motor vertieft - und erstaunliche Inspirationen gefunden.

"Vor zwei Jahren noch hatte ich keine Ahnung, wie eine Kurbelwelle oder ein Zylinderkopf aussehen", sagt Angela Palmer. "Wie viele Millionen andere Autofahrer wusste ich nichts über die Teile, aus denen ein Motor besteht." Das ist heute anders. Angela Palmer, Künstlerin aus Schottland, hat einen Motor bis auf die letzte Schraube zerlegt und die für sie ästhetisch aufregendsten Bauteile zum Teil stark vergrößert und mit anderen Materialien nachgebildet. Die Skulpturen sind aktuell in der Londoner Fine Art Society unter dem Titel "Adrenalin" zu sehen.

Es sind nicht irgendwelche Motorenteile, die den Betrachter verblüffen. Die Vorbilder waren Teile des RS 27, dem V8-Rennmotor von Renault, der Sebastian Vettel zwischen 2011 und 2013 zu vier Formel-1-Weltmeistertiteln katapultierte. Erste Versuche hatte sie mit einem Vierzylinder-Modell aus Plastik und der Maschine eines Datsun Cherry vom Schrottplatz unternommen.

Dann verschaffte ihr ein Bekannter Kontakt zur Formel-1-Abteilung von Renault, und zwar zufällig zu einem perfekten Zeitpunkt: Weil das Formel-1-Reglement ab 2014 neue V6-Motoren vorschrieb, fielen für die alten V8-Aggregate jegliche Geheimhaltungsschranken. Angela Palmer kam tatsächlich an jedes Bauteil heran, erhielt die entsprechenden Computerdaten und begann mit ihrer Arbeit.

Auspuffgeschlängel aus Walnussholz

Ventile wurden aus Bronze nachgebildet, Getriebeelemente aus Stein kopiert, die Kurbelwelle stark vergrößert aus Holz nachgebaut, so dass sie nun wie ein Techno-Totempfahl gut 2,10 Meter aufragt. Imposant als Skulpturen sind vor allem die beiden Teile der Auspuffanlage. Die Auspuffschlangen der rechten Motorseite ließ Palmer aus 58 speziell bearbeiteten Einzelteilen aus Walnussholz nachbilden; die der linken Motorseite wurden aus orange-rotem Resine gefertigt. "Es soll so aussehen wie ein glühender Auspuff im Rennen, wenn das Metall bis zu tausend Grad Celsius heiß wird", sagt Palmer.

Auch den Helm eines Formel-1-Rennfahrers ließ Palmer originalgetreu nachbilden: aus Kristallglas, das per Mund in eine mehr als zwanzig Kilo schwere Messingform geblasen wurde. "Die Glashaut in Helmform soll dem Betrachter bewusst machen, dass die Rennfahrerei ein hohes Risiko birgt. Deshalb ist der Glashelm empfindlich und zerbrechlich."

Die Künstlerin war selbst als Rennfahrerin aktiv

Palmer weiß, wovon sie spricht. "Ehe ein Ehemann, Kinder und das unvermeidliche Familienauto zu meinem Leben gehörten, fuhr ich in meiner Heimat Schottland Bergrennen mit einem Morgan, später mit einem MG und einem Alfa Spider." Die Technik ihrer Autos interessierte sie damals noch nicht, sie wollte einfach so schnell wie möglich oben ankommen.

Noch ist unklar, ob und wo die Ausstellung "Adrenalin" im kommenden Jahr gezeigt wird. "Es wäre das größte, die Arbeiten mal in Deutschland auszustellen, dem Mutterland des Autobaus", sagt Palmer, die inzwischen an ihrem nächsten Projekt arbeitet: Einer aufgeblasenen Schwimmweste aus dem Flugzeug - nachgebildet in blankpolierter Bronze.

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