Fotoserie von Nicolas Dhervillers Kopfautokino

Der französische Fotograf Nicolas Dhervillers inszeniert Autos als Zufluchtsorte. Seine beklemmenden Fotomontagen funktionieren wie ein Roadmovie. Nach Happy End sehen sie allerdings nicht aus.

Nicolas Dhervillers

Grelle Farben, spaßige Szenen, bunter Trubel - so etwas findet man garantiert nicht auf den Bildern von Nicolas Dhervillers. Der Fotograf aus Paris, Jahrgang 1981, komponiert mit seiner Kamera - und vor allem bei der darauffolgenden Bearbeitung der Fotos - eher düstere Szenerien, die entfernt an Barockmalerei erinnern. Auch die acht Fotos umfassende Serie "Road Movie", die für das International Automobile Festival im Invalidendom von Paris entstand, hat Dhervillers in der für ihn typischen, fast schaurigen Bildsprache gestaltet.

"Ich wollte nicht einfach Fahrzeuge zeigen, sondern die Bilder sollen über das Auto hinausgehen und im Kopf des Betrachters Geschichten in Gang setzen", sagt Dhervillers. Die Fotos entstanden auf der Kanareninsel Lanzarote und im schottischen Hochland. Dhervillers suchte anschließend passende Automotive im Internet, die er in seine Bilder einfügte. So entstanden Momentaufnahmen, die im Kopf sofort in Bewegung geraten.

Denn natürlich fragt sich der Betrachter, ob da der Brandstifter auf der Flucht ist, wenn er das brennende Haus und den davonfahrenden Citroën SM sieht. Und wenn der rote 1970er Plymouth Valiant Custom - übrigens das Auto aus dem Spielberg-Regiedebüt "Duell" - auf einer geschlängelten Schotterweg an der Küste zu einem einsamen Leuchtturm unterwegs ist, schießt es einem sofort durch den Kopf: Schmuggler? Einbrecher? Oder nur der Leuchtturmwärter?

"Ich zeige keine Autos, ich erzähle Geschichten"

Genau darum gehe es ihm, erklärt Dhervillers. "Die Fotos sind lediglich eine Art Tür. Der Betrachter soll eintreten und dann über das Bild hinaus denken. Damit das funktioniert, versuche ich, alles so einzurichten, dass alles an seinem Platz ist, dass sich die Wirkung von Farbe, Details und Raum ungestört entfalten kann."

Die Fotoserie ist zusammen mit anderen Arbeiten Dhervillers auf mehreren Ausstellungen (darunter in Brüssel und Douai) zu sehen. Ob es eine zentrale Botschaft der acht Autofotos gebe? Dhervillers muss nicht lange überlegen: "Lang lebe das Roadmovie!"

jüp



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
spiegelzelt 09.03.2014
1. Fast alle Bilder
erinnern mich an die Eingangssequenz von Stanley Kubricks "Shining"
shechinah 09.03.2014
2. Das....
... mit dem Photoshop üben wir aber besser nochmal, da ist noch einige an Potential drin.
ewiggestrig 09.03.2014
3. sorry, but
selten so einen Mist gesehen...
johanna.vonmerseburg 09.03.2014
4. Oh Gott,
… wenn Auto-Motor-Sport-Redakteure künstlerische Feelings bekommen. Oder ist diese Huldigung des Kunsthandwerkes - besonders misslungen: die Bildunterschriften - etwa Satire auf Sponsoring, Werbeumfeld und die (schwindende) Macht der Automibilindustrie. Mit Verlaub, wer sich für Kunst interessiert (oder zumindest Geschmack hat), kann das nicht enst nehmen. Dennoch alle Anerkennung für das Bemühen des Redakteurs, etwas zu finden, das er schön findet: Weitermachen! Daran ist ja nichts Schlechtes.
johanna.vonmerseburg 09.03.2014
5. Oh Gott,
… wenn Auto-Motor-Sport-Redakteure künstlerische Feelings bekommen. Oder ist diese Huldigung des Kunsthandwerkes - besonders misslungen: die Bildunterschriften - etwa Satire auf Sponsoring, Werbeumfeld und die (schwindende) Macht der Automibilindustrie. Mit Verlaub, wer sich für Kunst interessiert (oder zumindest Geschmack hat), kann das nicht enst nehmen. Dennoch alle Anerkennung für das Bemühen des Redakteurs, etwas zu finden, das er schön findet: Weitermachen! Daran ist ja nichts Schlechtes.
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