Fotoprojekt Die dunkle Seite des Autos

Zwei Künstler zeigen die Kehrseite der Karosserie: Sven Völker und Kay Michalak haben Autos von unten fotografiert. Keine leichte Aufgabe, wenn man sich an die Gesetze hält.

Kay Michalak & Sven Völker

Vier Reifenstreifen, verkratztes Blech, etliche Streben und Abgasstränge, die sich wie Flüsse um Metallhügel schlängeln: Der Grafikdesign-Professor Sven Völker und der Fotograf Kay Michalak zeigen Autos, wie man sie sonst nicht kennt - nämlich von unten. "Die Idee klingt einfach, aber ihre Umsetzung ist ziemlich kompliziert", sagt Völker über das Projekt "Auto Reverse", das er und Michalak seit vier Jahren verfolgen.

Warum widmet man sich dem dreckigen Unterboden eines Gebrauchtwagens? "Uns ging es vor allem um die technische Ästhetik", sagt Völker. "Um den Unterschied zwischen den vertrauten Bildern der Autos, wie man sie jeden Tag auf der Straße sieht und ihren Unterseiten."

Die ungewohnte Perspektive brachte Völker eine überraschende Erkenntnis: "Ich finde beispielsweise die Unterseite des Citroën 2CV weitaus interessanter als die des Porsche 911." Grundsätzlich könne man vom Unterboden nur schwer darauf schließen, ob es sich um einen Sportwagen oder ein besonders luxuriöses oder elegantes Fahrzeug handle.

Der Trick mit dem Tischchen

Weil man Autos nicht so einfach umdrehen kann, erforderten die Aufnahmen einen erheblichen technischen Aufwand. Die Fotos entstanden in einer Halle in Bremen. Dort hievte ein Abschleppkran die Fahrzeuge mindestens drei Meter hoch in die Luft. Pro Auto machten Völker und Michalak in verschiedenen Positionen sechs bis acht Aufnahmen. Die Einzelbilder setzen sie anschließend zusammen.

Die beiden durften weder unter dem Auto stehen noch sitzen oder liegen, um die Fotos zu machen: "Der Aufenthalt unter schwebenden Lasten ist verboten", zitiert Völker die einschlägigen Sicherheitsvorschriften. Also befestigten sie die Kamera auf einem Tischchen und rollten die gesamte Apparatur von außerhalb des Gefahrenbereichs in die richtige Position.

Michalak_Völker
Kay Michalak & Sven Völker

Michalak_Völker

Man ahnt bei dieser Beschreibung des Prozedere, wie aufwendig das Projekt war. "Deshalb haben wir nach 15 Autos jetzt erst einmal Schluss gemacht", sagt Völker. "Aber natürlich schreit diese Serie danach, dass auch mal ein Bugatti in die Höhe gezogen wird."

Sven Völker und Kay Michalak verlegen "Auto Reverse" selbst. Der Band ist über die Webseite von Sven Völker bestellbar.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Windukeit 20.08.2015
1. Sehe ich das falsch...
... oder wurden die Fotografen auf dem Bild im Artikel unter einer schwebenden Last stehend abgelichtet?
audioexil 20.08.2015
2. Cool.
Sehr schöne Idee! Für Autofreunde auf jeden Fall interessant. Könnte man nicht fürs Fotografieren einen Sicherheitskäfig unter das Auto stellen, aus dem der Fotograf die Bilder machen kann? Aber wahrscheinlich ist das noch aufwendiger als die Kamera auf Rollen zu montieren. Gutes Projekt. Könnt ihr gerne weiter ausbauen!
widower+2 20.08.2015
3. Nein
Zitat von Windukeit... oder wurden die Fotografen auf dem Bild im Artikel unter einer schwebenden Last stehend abgelichtet?
die stehen so, dass ihnen das Auto vor die Füße fallen würde. Nicht auf den Kopf.
Loddarithmus 20.08.2015
4. Der ersten Hälfte ...
... des Beitrags kann man nur zustimmen. Aber wo bitteschön sind es "erheblicher technischer Aufwand" und "aufwendiges Projekt", wenn man mit einem Autokran die 15 Fahrzeuge 3 Meter hoch hebt und ein Tischchen drunterschiebt?
RobMcKenna 20.08.2015
5.
Zitat von Windukeit... oder wurden die Fotografen auf dem Bild im Artikel unter einer schwebenden Last stehend abgelichtet?
Ja, das sehen Sie falsch. Die beiden Fotografen stehen sehr wahrscheinlich zwar knapp, aber gerade noch hinter (statt unter) dem "schwebenden" Auto. Soweit jedenfalls meine Meinung nach Abschätzung der perspektivischen Verhältnisse im Bild...
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