Gefahr im Straßenverkehr Frankreich verbannt E-Scooter von Gehwegen

Können E-Scooter eine Antwort auf den Verkehrskollaps in Europas Metropolen sein? Frankreich hat schon erste Erfahrungen gemacht - und zieht bereits eine rote Linie, "damit Fußgänger nicht länger gegen Häuserwände gedrückt werden".

Eine Frau auf einem E-Scooter in Paris
KENZO TRIBOUILLARD/ AFP

Eine Frau auf einem E-Scooter in Paris


Noch bevor die Elektro-Scooter richtig Fahrt aufnehmen können, verbannt Frankreich die strombetriebenen Flitzer schon wieder - zumindest vom Gehweg.

Frankreichs Verkehrsministerin Elisabeth Borne kündigte in einem Interview eine Neuregelung für September an. Diese sieht Geldstrafen für jeden vor, der auf dem Bürgersteig mit einem der elektrisch angetriebenen Kleinroller oder einem ähnlichen Gefährt unterwegs ist.

Borne sagte der Tageszeitung "Le Parisien", E-Scooter dürften künftig nur noch auf der Straße oder auf Radwegen unterwegs sein. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 135 Euro. Damit solle dafür gesorgt werden, "dass Fußgänger nicht länger gegen Häuserwände gedrückt werden", sagte Borne.

Ausgenommen sind lediglich Menschen, die ihren Roller mit abgeschaltetem Motor schieben. Die Regelung gilt auch für ähnliche Gefährte, etwa Segways und Monowheels.

"Gesetz des Dschungels" auf Gehsteigen

Die E-Scooter hätten sich schnell verbreitet, sagt Borne. "Dies ist eine gute Nachricht, da die Roller auf das Bedürfnis der Bürger nach Mobilität eingehen", sagt Borne und lobte zudem die Umweltfreundlichkeit der Gefährte. "Nun müssen wir aber auch Regeln für das Zusammenleben der verschiedenen Verkehrsteilnehmer schaffen." Bisher herrsche auf den Bürgersteigen "das Gesetz des Dschungels".

Den Boom der Miet-Roller in Frankreich bekommen derzeit vor allem die Menschen in Paris zu spüren. Seit der Einführung im vergangenen Jahr sind dort bereits rund 15.000 Roller verschiedener Firmen unterwegs, bis zum Jahresende soll ihre Zahl auf 40.000 steigen.

Weg für E-Scooter in Deutschland frei

Unternehmen wie Lime, Bird oder Uber stoßen mit ihren E-Scootern derzeit in vielen Städten auf großes Interesse, lösen aber auch Kritik aus. In Peru beispielsweise wurden die Roller nach einem schweren Unfall unlängst auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen verboten. Laut einer aktuellen US-Studie ende die Hälfte aller Unfälle von E-Scootern mit teils schweren Kopfverletzungen.

In Deutschland hatte die Bundesregierung Anfang April den Weg für E-Scooter frei gemacht. Der Bundesrat muss der entsprechenden Verordnung aber noch zustimmen. Vorgesehen ist, dass Scooter mit einer Geschwindigkeit ab zwölf km/h auf Radwegen und Radstreifen fahren sollen, Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von unter zwölf km/h hingegen auf Gehwegen. Einige Bundeländer und auch die Mehrheit der Bürger lehnt das allerdings ab.

cfr/AFP



insgesamt 304 Beiträge
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heinrich-wilhelm 04.05.2019
1. Auf Radwege?
Was soll noch auf die meist sowieso zu schmalen Radwege gezwungen Erden? Mütter mit Kinderanhänger( auch Hunde und Bierkästen darin) Lastenfahrräder und nicht zu vergessen illegal parkende Autos. Hauptsache die Straße bleibt für die Kfz frei. Unser Verkehrsminister sollte tunlichst auf Erfahrungen in anderen Ländern schauen, ehe das Chaos bei uns noch größer auf Rad und Fußwegen wird. Ausweg: nehmt den Kfz Verkehrsraum zugunsten alternativer Fortbewegungsmittel wie eben auch die Scooter
Spr. 04.05.2019
2. Es wird sich niemand dran halten!
Wenn es in Deutschland die Möglichkeit gibt, dass "langsame" Scooter die Gehwege benutzen dürfen, werden alle darauf fahren! Rücksicht auf Fußgänger werden viele Scooter-Fahrer dann nicht nehmen. So wie jetzt schon viele Radfahrer, denen die Straße verständlicher Weise zu gefährlich ist, wo es keine Radwege gibt. Da werden jetzt schon oft die Fußgänger gegen die Häuserwände gedrückt. Mit den Scootern kann es nur schlimmer werden!
Migli 04.05.2019
3. Ich bin ein großer Fan der Scooter
...aber auf Gehwegen haben die nichts verloren. Sie sollten den Fahrrädern, bzw. EBikes gleichgestellt werden. Aber dann bitte auch bei der Höchstgeschwindigkeit (25 km/h). Da kommt man schon irgendwie durch den Verkehr....
frank.huebner 04.05.2019
4. War vorauszusehen
Hatte ich hier im Forum vor einigen Tagen schon geschrieben: Die Gefahr für Fußgänger ist zu groß. Schon die normalen Tretroller sind oft eine Gefahr. Für Fußgänger unzumutbar. Aber eines ist auch sch klar: Die Dinger halten nicht lange und der Boom wird bald vorbei sein. Dann liegen die Schrottdinger auf den Halden und in der Gegend herum. Umweltschonend ist a nicts, em Gegenteil.
berther 04.05.2019
5. Aha!
Es geht schon los. Erst enthusiastische Begeisterung. Dann peinliche Verwirrung. Inzwischen schon die ungewollte Ernüchterung, die weitere Überlegung notwendig macht. Bin gespannt, was aus dem vielgepriesenen "Neuen Verkehrskonzept" werden wird. Deutschland tut gut daran, erst mal die Ergebnisse und Erfahrungen anderer Staaten abzuwarten, ehe wir für viel Geld auf das falsche Pferd, bzw den falschen Roller steigen.
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