Führerscheinprüfung Automatikgetriebe soll in Fahrschulen Standard werden

Den Führerschein zu machen, heißt auch: Schalten und Kuppeln lernen. Damit könnte es bald weitgehend vorbei sein, denn das Verkehrsministerium plant laut einem Medienbericht eine Regeländerung.

Bisher sind Fahrschulautos meist mit einem Schaltgetriebe ausgestattet - das könnte sich künftig ändern
Swen Pförtner/ DPA

Bisher sind Fahrschulautos meist mit einem Schaltgetriebe ausgestattet - das könnte sich künftig ändern


In Fahrschulen sind die meisten Autos bisher mit einem Schaltgetriebe ausgestattet - dabei sind diese in Neuwagen auf dem Rückzug: So müssen Wagen mit Wasserstoff- oder Batterie-Elektroantrieb nicht von Hand geschaltet werden, zudem sind zahlreiche Fahrassistenten nur in Verbindung mit einem Automatikgetriebe erhältlich.

Dieses soll deshalb auch in Fahrschulen zum Standard werden. Eine derartige Regelung plane das Bundesverkehrsministerium auf Basis einer geänderten EU-Richtlinie, berichtet die "Auto Bild" in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Zeitschrift beruft sich auf die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) und die Interessenvertretung Moving International Road Safety Association (Moving).

Keine zweite Prüfung mehr nötig

Dazu will das Ministerium ein wichtiges Hindernis beseitigen, das Automatik bisher unattraktiv in den Übungsautos macht: Wer in Fahrzeugen mit Automatikgetriebe lernt, soll später auch ein Auto mit Schaltgetriebe steuern dürfen - erforderlich sind nur noch einige zusätzliche Fahrstunden sowie eine Eignungsprüfung durch den Fahrlehrer. Derzeit bedarf es noch einer zweiten Prüfung.

Eine Nachfrage des SPIEGEL zu der geplanten Änderung ließ das Ministerium unbeantwortet.

Beide Verbände begrüßen die Neuregelung, da sie die Nutzung automatisierter Fahrfunktionen wie Stauassistenten erhöhen würde. Die bisherige Regelung sei ein Hindernis, da Fahrzeuge mit solchen Assistenten in der Regel mit einem Automatikgetriebe ausgestattet seien, sagt Moving-Präsident Jörg-Michael Satz.

Führerschein für manuelle Autos soll dadurch nicht teurer werden

Außerdem vereinfache die Neuerung den Einsatz von E-Autos in Fahrschulen. Auch würde der Einstieg ins Autofahren erleichtert, da Fahrschüler sich in den ersten Fahrstunden neben den vielen Regeln nicht auch noch um den Gangwechsel kümmern müssten, erklärt BVF-Vorsitzender Kurt Bartels.

Teurer soll der Führerschein laut Bartels dadurch nicht werden. Die etwaigen zusätzlichen Stunden mit Handschaltung glichen die eingesparten Stunden aufgrund des leichteren Einstiegs in etwa aus. Wann die Regelung greift, steht laut "Auto Bild" noch nicht fest. Beide Verbände rechnen jedoch damit, dass die geplante Neuerung bereits 2020 in Kraft tritt.

ene

insgesamt 178 Beiträge
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daniel74 21.08.2019
1. Wie, warum?
Wie soll denn dann noch einer Schaltungsgetriebe fahren lernen. Das macht man doch nicht mal einfach so wenn man das noch nie getan hat. Es ist doch viel gefährlicher jemanden der nur Automatik kennt an ein Schaltungsgetriebe zu lassen, als jemanden der Schaltung gelernt hat an ein Automatikgetriebe.
newline 21.08.2019
2. Verstehe ich nicht
Ich habe 1983 meinen Klasse 3 Führerschein gemacht, einige Stunden auf Schaltwagen, dann auf Automatik gewechselt und auf Automatik auch die Prüfung abgelegt. Deshalb ist ein Stempel mit dem entsprechenden Text im "Lappen". Fahre seit Jahren vollkommen legal Schaltwagen. Was soll neu sein?
Nania 21.08.2019
3.
Auch als Freund von Automatikwagen halte ich diese Regelung für verfrüht. Jemand, der einen Schaltwagen fahren kann, der kann sehr einfach auf einen Automatikwagen umsteigen - andersherum wird es schwierig. Und heutzutage sind eben noch viele Autos (die meisten?) Schaltwagen. Und sicherlich wird nicht jeder nach dem Führerschein direkt ein neues Auto kaufen können und stattdessen einen älteren Wagen bevorzugen. Mal ganz davon ab, dass selbst bei Mietwagen Schaltwagen in der Regel günstiger sind...
Jochenberlin 21.08.2019
4. Ein verfrühter Schritt
Bei dem Tempo, das die Akzeptanz für Neuerungen in Bezug auf E-Autos und andere Dinge bisher vorgelegt haben, dürfte es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis die überwiegende Zahl der PKWs ohne Kupplung und Getriebe gebaut wird. Nicht zu vergessen dabei ist auch die Tatsache, dass Menschen, die eine sportliche Fahrweise bevorzugen, großen Wert auf ein Auto mit Gangschaltung legen, damit sie ihren Fahrstil selbst wählen können. Ich selbst würde zur Sicherheit, wenn ich jetzt den Führerschein machen würde, mich auf jeden Fall für die Prüfung mit Schaltgetriebe anmelden. Wenn ich einmal dabei bin, dann richtig und vollständig, und ich bin nicht mehr abhängig von irgendwelchen Begleitumständen, die mich dazu zwingen würden, ergänzende Fahrstunden für Schaltgetriebe zu nehmen.
hasselblad 21.08.2019
5.
In einem alten Mustang ist schalten cool, in einem modernen Auto hingegen ein lächerlicher Anachronismus. Trotzdem ist die Automatik bei den meisten Herstellern und Vermietern immer noch ein aufpreispflichtiges Extra. Ergebnis: die Dienstwagen-Jockeys verballern ihr Budget für Sportoptik und schwarze Scheiben, sitzen aber auf billigem Stoff und rühren in einem Getriebe herum. Aber wenn nun schon die Fahrschulen vorsichtig ins 21. Jahrhundert tapsen besteht ja Hoffnung, dass es auch die Industrie irgendwann schafft.
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