Neue Führerscheinregeln Breite Mehrheit ist gegen Scheuers Motorrad-Plan

Autofahrer sollen ohne Zusatzprüfung ein Leichtkraftrad fahren dürfen. Dieses Vorhaben von Verkehrsminister Andreas Scheuer kommt laut einer SPON-Umfrage bei den Wählern nicht gut an - abgesehen von einer Partei.

KTM

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte den Zugang zum Motorradfahren deutlich erleichtern. Autofahrer, die mindestens 25 Jahre alt sind und den Führerschein länger als fünf Jahre besitzen, sollen ohne zusätzliche Prüfung ein Leichtkraftrad fahren dürfen. Nach SPIEGEL-Informationen sollen nur eine 90-minütige Theorieeinheit und sechs praktische Fahrstunden, die auch auf einem Verkehrsübungsplatz stattfinden können, nötig sein, um die maximal 15 PS starken, aber teilweise über 100 km/h schnellen Motorräder und Roller fahren zu dürfen.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, aber auch die Bundesanstalt für Straßenwesen rieten von der Idee ab - und auch die Wähler sind nicht überzeugt: 64,8 Prozent bewerteten das Vorhaben in einer repräsentativen Umfrage, die das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey für SPIEGEL ONLINE durchgeführt hat, als "sehr negativ" (41,3 Prozent) oder "eher negativ" (23,5 Prozent).

Nur 25,1 Prozent sahen die Pläne positiv, davon 13,9 Prozent sogar sehr positiv. Die höchste Zustimmung erhielt Scheuers Vorschlag unter Wählern der AfD: In dieser Gruppe beurteilten 25,3 Prozent das Vorhaben als sehr positiv, 15,3 Prozent als positiv. Wähler von CDU und CSU lehnen die Forderung dagegen mehrheitlich ab, 58,7 Prozent bewerten sie als negativ, davon 34,7 Prozent sogar als sehr negativ. Unter Wählern von SPD und Grünen war die Ablehnung mit 71,6 beziehungsweise 75,1 Prozent am höchsten.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/ stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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p-touch 21.06.2019
1. Wenn (fast) alle dagegen sind
zieht Scheuer das durch, genau wie bei der Maut. Ich finde die Idee an und für sich nicht schlecht, nur sollte ein paar mehr Praxisstunden vorgeschrieben werden, auch auf der Straße.
herdatec 21.06.2019
2. Führerschein Klasse 3 hatte das schon
Wer die Führerscheinprüfung für den alten Führerschein Klasse 3 noch vor dem 1. April 1980 absolviert hat, ist zudem berechtigt, Kleinkrafträder bis zu einer Hubraumgröße von 125 Kubikzentimeter zu fahren. Das entspricht der heutigen Klasse A1. Es hat einen Grund das diese Fahrzeuge nicht mehr im B Führerschein enthalten sind. Der unterschied ist einfach zu groß. Ohne ausreichende Schulung ist das bei der heutigen Verkehrslage zu gefährlich
ekel-alfred 21.06.2019
3. Verbotszone Deutschland
Der Vorschlag ist eigentlich ein guter. Wenn Du das Auto stehen lässt und auf ein motorisiertes Einspurfahrzeug umsteigst, sind die Straßen weniger voll und die Umwelt wird es dir danken. Verbrauch und Emissionen wären geringer. Aber hey, in Deutschland wird dir maximal ein Tempo von 25kmh zugestanden, welches du ohne Führerschein erlangen kannst. Damit du auch schön ein rollendes Hindernis im Verkehr darstellst. Ich sehe es doch täglich, wie Autofahrer die schleichenden Rollerfahrer knapp schneidend überholen. Hier gäbe es nun eine Möglichkeit, mit vernünftiger Geschwindigkeit und Reichweite den Verkehr positiv zu beeinflussen und was wollen die Deutschen? Verbote! Rücksicht kommt im deutschen Vokabular nicht vor, nur deshalb ist das Zweirad so gefährlich. Das sagt einer, der beides fährt. Motorrad und Auto.
vera gehlkiel 21.06.2019
4.
Wer sich mal ein paar Horrorunfallopfer des unausgereiften Motorradrasens angeguckt hat, kann nur höchst erstaunt sein über diese vorgelegte Initiative. Ein Schuh wird allerdings draus, wenn man nachvollzieht, dass der Motorradmarkt nach jahrzehntelangem Boom wg. Ueberteuerung und Hypertechnisierung länger schon in der Krise, durch den Minister im Bereich preiswerte Einstiegsmodelle massiv "gepimpt" werden soll. Hier ist, wie ich es sehe, einfach wieder hemmungslos industriehoeriger Lobbyisten am Werk. Mittelfristige Folgen: egal! Hauptsache, BMW ist zufrieden. Mittlerweile ist Scheuer wirklich der peinlichste Minister Deutschlands... Was für ein kontinuierlicher Schaden für unser internationales Renommee, seitdem Seehofer endlich halbwegs fertig hat, nehmen die Wertkonservativen hier in Kauf, nur um den Erhalt des kopftoten Konstruktes "Union" willen!
therealhopsing 21.06.2019
5. 1983
hab ich den Motoradführerschein gemacht. 27 PS hatte das Fahrschulenmoped. 1. Stunde auf 'nem Parkplatz, danach auf die Straße, Pflichtstunden runtergeschrabbelt und Prüfung bestanden. Nach meiner Erinnerung waren es damals auch nicht mehr Stunden als künftig dann verlangt werden sollen. TLDR; haltet den Ball flach, so anspruchsvoll isses nun auch nicht. Die Betroffenen fahren immerhin schon ein paar Jahre Auto.
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