Garantie bis 160.000 Kilometer Lebenslänglich für Opel-Fahrer

Opel-Käufer erhalten fortan eine zeitlich unbefristete Garantie. Damit will Firmenchef Reilly das "Vertrauen in unsere Produkte" stärken. Das erscheint angesichts der Probleme des Pkw-Herstellers auch bitter nötig - aber ist der Vorstoß mehr als ein Marketing-Gag?
Opel Insignia: Die Opel-Neuzulassungen gingen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 40,3 Prozent zurück. Schuld ist vor allem das Auslaufen der Abwrackprämie.

Opel Insignia: Die Opel-Neuzulassungen gingen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 40,3 Prozent zurück. Schuld ist vor allem das Auslaufen der Abwrackprämie.

Foto: ddp

Opel hat es derzeit schwer: Die Pleite der Konzernmutter GM hat Spuren hinterlassen, der Marktanteil in Deutschland lag in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bei nur noch 7,7 Prozent - vor fünf Jahren waren es noch 10,4 Prozent. Dazu kommen unerfreuliche Nachrichten über die Qualität der Fahrzeuge aus Rüsselsheim: In den vergangenen fünf Jahren musste Opel laut der "Rheinischen Post" in Deutschland über 400.000 Fahrzeuge zurückrufen - mehr als jeder andere Hersteller.

Um das Vertrauen in die Marke wiederherzustellen, versucht es Opel-Chef Nick Reilly nun mit einer zeitlich unbefristeten Garantie für Neuwagen. Das klingt zunächst beeindruckend - kein anderer Hersteller bietet Vergleichbares. Ab sofort können alle Privatkunden sowie kleinere Flottenbetreiber beim Kauf eines Neuwagens von einer lebenslangen Gewährleistung profitieren. Es scheint so, als rufe Opel den risikolosen Autokauf aus.

Beim näheren Hinsehen entpuppt sich die Supergarantie freilich als äußerst komplexe Vereinbarung mit diversen Einschränkungen und Schlupflöchern.

Bei 160.000 Kilometern ist Schluss

Die lebenslange Garantie ist grundsätzlich auf eine Laufleistung von 160.000 Kilometern beschränkt. Angesichts jener 11.000 Kilometer, die deutsche Autofahrer durchschnittlich im Jahr zurücklegen, bedeute dies "sorgenfreies Autofahren für rund 15 Jahre", teilt Opel mit.

Allerdings gibt es schon in dieser Zeit diverse Einschränkungen. Von der Garantieleistung abgedeckt sind Bauteile wie Motor, Getriebe, Elektrik, Kühlsystem und Klimaanlage - vom Lack oder von der Karosserie ist nicht die Rede.

Des Weiteren umfasst die Garantie zwar sämtliche bei Reparaturen anfallenden Lohnkosten, bei den Kosten für Ersatzteile gibt es jedoch eine Staffelung: Bis zu 50.000 Kilometern werden auch die Materialkosten komplett übernommen, danach steigt der Eigenanteil des Pkw-Besitzers schrittweise auf satte 60 Prozent (ab 100.000 Kilometer). Zudem muss die lebenslange Garantie nach Ablauf der gesetzlich verankerten, zweijährigen Herstellergarantie jedes Jahr aktiviert werden - zum Preis von 11,90 Euro.

Wartung in der teuren Vertragswerkstatt

Dass die regulären Wartungs- und Inspektionsintervalle eingehalten werden, ist für den Erhalt der Garantieleistung natürlich auch erforderlich. Ferner begrenzt Opel den Garantieanspruch auf den jeweiligen Zeitwert des Fahrzeugs. Ein mit lebenslanger Garantie versehenes Altauto mit kapitalem Motorschaden, dessen Restwert von einem unabhängigen Gutachter geringer als die Reparaturkosten veranschlagt wird, bleibt also ein Fall für Bastler.

"Die lebenslange Garantie ist nur möglich auf Grund der Zuverlässigkeit unserer neuen Modelle", sagt Opel-Chef Reilly. Mit welchen Garantiekosten die Rüsselsheimer für die Zukunft rechnen, dazu gibt es keine Angaben.

Im Vergleich zur Konkurrenz wenig beeindruckend

Die lebenslange Opel-Garantie klingt also möglicherweise besser, als sie ist. Das merkt man, wenn man sich vergleichbare Angebote anderer Hersteller genauer anschaut. Zum Beispiel Kia: Alle seit dem 1. Januar 2010 neu zugelassenen Modelle der Koreaner erhalten eine Gewährleistung von sieben Jahren oder bis zu 150.000 Kilometern.

Die Ersatzteile und Werkstattkosten der wichtigsten Komponenten werden in vollem Umfang von Kia bezahlt - und nicht nur anteilig wie bei Opel.

Und während sich die Rüsselsheimer für den Fall eines Weiterverkaufs eine komplizierte Regelung ausgedacht haben, bei der der Zweitbesitzer eine je nach Modell unterschiedliche Zusatzzahlung leisten muss, wenn er die lebenslange Garantie behalten will, ist die Sache bei Kia denkbar einfach: Wenn ein Auto weiterverkauft wird, bleibt die Garantie in vollem Umfang erhalten - Punkt, Aus, Ende.