Gebrauchte Drei-Liter-Autos Vom Verkaufsflop zum Spritspar-Hit

Wie sich das Image wandeln kann: Was vor wenigen Jahren als spießige Ökokutsche galt, liegt jetzt absolut im Trend. VW Lupo, Audi A2 und Co. waren wohl einfach ihrer Zeit voraus – denn jetzt steigt die Nachfrage nach sparsamen Gebrauchten.


Ostfildern/Landsberg – Als Spritsparmodelle wie der VW Lupo 3L oder die Dreilitervariante des Audi A2 auf den Markt kamen, führten sie zwar unangefochten die Umweltlisten an, galten jedoch bei Autokäufern als spießige Öko-Kutschen. Die Hersteller nahmen die Fahrzeuge daher mangels Nachfrage wieder vom Markt. Im Zug der Klimadebatte werden die einst verschmähten Autos nun wieder interessant. So verzeichnen Marktbeobachter derzeit eine steigende Nachfrage nach gebrauchten Autos mit günstigem Spritverbrauch.

"Generell kann man sagen, dass sich die Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Gebrauchtfahrzeugen besser entwickelt", sagt Jürgen Schönleber vom Marktforschungsunternehmen Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern. Diesem allgemeinen Trend folge auch die Nachfrage nach gebrauchten Dreiliterautos wie dem Lupo 3L oder dem Dreiliter-A2. "Kraftstoff sparende Fahrzeuge sind heute angesagt."

Preisanstiege zu erwarten

Zwar habe dieser Trend bereits im vergangenen Jahr eingesetzt, als die Spritpreise in Deutschland kräftig anzogen. Schönleber schreibt der Diskussion über Klimaschutz und die Rolle des Straßenverkehrs aber eine trendverstärkende Wirkung zu: "Ich gehe davon aus, dass sich das mittelfristig niederschlagen wird." Eine Folge dieser Entwicklung: "Mit steigender Nachfrage steigt auch der Preis der Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt."

Auch Kurt Kolb vom Marktanalysten Bähr & Fess Forecasts in Saarbrücken hält diese Entwicklung für möglich. So könne die Klimadiskussion einen Impuls fürs Gebrauchtwagengeschäft geben: Die Debatte über Spritverbrauch und CO2-Ausstoß könnte Gebrauchtkäufer motivieren, nach sparsamen Modellen Ausschau zu halten, sagt Kolb.

Eine steigende Nachfrage treibe dann den Preis in die Höhe. Da die Dreiliterautos von VW und Audi nur in kleinen Stückzahlen gebaut wurden und daher das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt gering ist, wirkten sich Nachfrageänderungen viel leichter auf den Preis aus.

Insgesamt 28.000 Exemplare des Lupo 1.2 TDI 3L rollten von 1999 bis 2005 in Wolfsburg vom Band, sagt VW-Sprecher Christian Haacke. Bei Produktionseinstellung kostete der Kleinwagen, der mit seinem 45 kW/61 PS starken 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbodiesel auf einen Verbrauch von 3,0 Litern (CO2-Ausstoß: 81 Gramm pro Kilometer) kam, 15.225 Euro. Vom Audi A2 1.2 (3L) wurden von 2001 bis 2005 nach Angaben von Audi-Sprecher Josef Schloßmacher in Ingolstadt sogar nur 6450 Stück montiert. Der "Aerodynamik-Weltmeister" besaß die gleiche VW-Technik, kam aber wegen seiner windschlüpfrigeren Karosserie auf einen Verbrauch von nur 2,99 Liter (CO2-Ausstoß: 79 g/km). Zuletzt stand der Dreiliter-A2 mit 19.000 Euro in der Preisliste.

Gravierende Unterschiede im Preisniveau gebrauchter Lupo 3L oder Dreiliter-A2 zu anderen sparsamen Gebrauchtwagen können die Marktbeobachter von Eurotax Schwacke in Maintal derzeit zwar noch nicht feststellen. Die Modelle seien nicht teurer als etwa die anderen Dieselvarianten der Baureihen. "Das heißt aber nicht, dass sich das nicht ändert", sagt Roland Stach, Leiter der Marktredaktion. Immerhin gebe es von Händlern die Aussage, dass sie die Autos - wenn sie denn welche haben - gut verkaufen könnten.

In der aktuellen Schwacke-Liste ist der VW Lupo 1.2 TDI 3L aus dem Jahr 2005 mit 9400 Euro notiert. Ein gleich alter Audi A2 1.2 TDI (3L) steht sogar noch mit 12.750 Euro in der Liste. Für einen fünf Jahre alten Dreiliter-Lupo werden 6600 Euro verlangt, beim Dreiliter-A2 aus dem selben Baujahr sind es 8900 Euro.

"Kultzuschlag" auch ohne Partikelfilter

Grundsätzlich spreche nichts dagegen, sich heute ein gebrauchtes Dreiliterauto zuzulegen - auch wenn sich die Fahrzeugtechnik mittlerweile weiterentwickelt hat, so der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. "Es ist allemal besser, sich ein gebrauchtes Fahrzeug mit guten Klimaeigenschaften anzuschaffen, als ein Neufahrzeug, das schlechtere besitzt", sagt VCD-Sprecherin Almut Gaude.

Allerdings könnte es sein, dass die Fahrzeuge durch eine steigende Nachfrage "Kultstatus" erlangen und noch teurer werden, sagt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. "Verbraucher müssen sich überlegen, ob sie den Kultzuschlag zu zahlen bereit sind." Ein weiterer Wermutstropfen sei, dass die Dieselmodelle ab Werk keinen Partikelfilter eingebaut haben. Dieser müsste nachgerüstet werden.

Nicht umhin kommen Kaufinteressenten um einen gründlichen Check. Beide Dreiliterautos hatten ihre Macken, so die Erfahrung der ADAC-Pannenhelfer. Vor allem das automatisierte Getriebe habe häufig Schwierigkeiten gemacht, sagt Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). "Es hat mit den Fahrzeugen wegen Getriebeproblemen relativ viele Liegenbleiber gegeben." Weitere Mängel seien "extremes Ruckeln" beim Anfahren, Fahrwerksgeräusche sowie Probleme an Kraftstoffpumpe und Elektrik. Auch "abnormer Reifenverschleiß" an der Antriebsachse ist in der Mängelstatistik vermerkt. Dabei traten die Probleme beim A2 nicht ganz so häufig auf.

Helmut Klein empfiehlt Käufern, bei Probefahrten auf die genannten Symptome zu achten. Das Getriebe sollte sanft schalten, und im Fahrwerksbereich sollten keine Klapper- oder Schleifgeräusche auftreten. Wichtig bei der Beurteilung eines potenziellen Kaufobjekts sei auch ein lückenloser Nachweis der fälligen Service-Termine: "Wenn man so ein Fahrzeug nur nach dem Verbrauch betrachtet, kann es sich rechnen, es gebraucht zu kaufen. Bei anstehenden Reparaturen kann es leicht zu einer Milchmädchenrechnung werden."

Felix Rehwald, gms



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.