General Motors Twitter-Nutzer befördern Buick-Geländewagen in die Schrottpresse

Eigentlich wollte General Motors unter seiner Marke Buick 2011 einen Hybrid-Geländewagen auf den Markt bringen. Jetzt hat der US-Autobauer das Projekt eingestampft. Grund ist negatives Feedback auf Twitter: Dort avancierte der glücklose Allradler zum meistgehassten Auto des Web.
Buick Crossover: Eines der bislang schwergewichtigsten Opfer twitternder Verbraucher

Buick Crossover: Eines der bislang schwergewichtigsten Opfer twitternder Verbraucher

Foto: JEFFREY SAUGER/ AFP

Hamburg - Autokonzerne neigen zur Geheimniskrämerei. Sie verstecken ihre Prototypen unter Aufklebern und Aufbauten und machen um jedes neue Modell ein ähnlich großes Bohei wie Steve Jobs um Apples Computer. Informationen zu neuen Modellen gibt es häufig erst, wenn das Fahrzeug bereits kurz vor der Serienfertigung steht. Wenn Fehler in der Produktstrategie zu Tage treten, ist es somit oft schon zu spät.

Der nach seiner Insolvenz wieder erstandene US-Autoriese General Motors (GM) möchte mit dieser hermetischen Tradition brechen und mehr mit seinen Konsumenten diskutieren. In einem ersten Schritt lud der Konzern deshalb kürzlich Kunden, Mitarbeiter, Händler und Journalisten in sein Allerheiligstes ein - das Designzentrum. Dort zeigte GM geplante Fahrzeuge, die sich teilweise noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befanden - und bat um Feedback.

Davon bekam GM eine Menge.

Blogger sowie Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter schossen sich umgehend auf eines von GM gezeigten Modelle ein: einen Crossover der Edelmarke Buick. Ähnlich wie das GM-Modell Chevy Volt sollte der Geländewagen einen Hybridantrieb nebst Steckdose besitzen.

Dass der fragliche Buick-SUV zweifelsohne kein schönes Auto ist, war noch das geringere Problem. Was Buick-Fans auf die Palme brachte, war eher der Stammbaum des Allradlers. Ursprünglich hatte GM den Wagen unter der Marke Saturn verkaufen wollen. Als Name war Vue vorgesehen.

Weil die Marke Saturn im Rahmen des Insolvenzprozesses jedoch aufgegeben wurde, machten die GM-Produktplaner aus dem Saturn Vue kurzerhand einen Buick. Das ist in etwa so, als ob man einen Mercedes-Stern an einen Seat Ibiza pappt.

Rebadging erzürnt Kunden

Eigentlich ist der Vorgang in der globalen Autoindustrie Gang und Gäbe; Experten sprechen von badge engineering. Für die erzürnten Fans war der Buick dennoch ein schlimmer Sündenfall. Gerade durch dieses Rebadging hat GM nämlich in der Vergangenheit mehrere seiner Marken fast ruiniert - als krassestes Beispiel gilt Saab.

Nun, so argumentiert etwa der Marketing-Blogger Joel Feder , mache GM wieder dieselben Fehler. Der Buick-SUV sei "wirklich unansehnlich und das Rebadging erinnert mich an jene Dinge, die am alten GM falsch waren". Viele andere Menschen sahen das ähnlich. Auf Twitter wurde das Thema "Vuick" (eine Kombination aus Vue und Buick) zum Trendthema. Die Kommentare waren eindeutig: "Er ist widerwärtig." und "Der Vuick muss sterben!"

Das tat er dann auch, und zwar schneller, als die meisten erwartet hatten. Im GM-Firmenblog Fast Lane  erklärte Vizechef Tom Stephens, man sei "überrascht gewesen, wie konsistent die Kritik ausfiel". Deshalb habe man kurzerhand beschlossen, das Auto nicht zu bauen. Auf Twitter brach umgehend Jubel aus: "Der Vuick ist tot! Lobet den Herrn!"

GM-Veteran Stephens war nach eigenen Angaben selber überrascht, wie schnell das Projekt beerdigt worden sei. "In der Vergangenheit hätten wir für diese Entscheidung mehrere Monate benötigt, mit einem Meeting nach dem anderen."

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