Gerichtsurteil Fußgänger macht Fehler – Autofahrer hat Schuld

Immer wieder kommt es zu verheerenden Unfällen, wenn Fußgänger leichtfertig Straßen überqueren. Meistens wird die Hauptschuld den Autofahrern zugesprochen. Das gilt auch dann, wenn der Passant sich falsch verhält, hat jetzt ein Oberlandesgericht entschieden.

Berlin - Autofahrer dürfen zwar grundsätzlich darauf vertrauen, dass sich ein erwachsener Fußgänger verkehrsgerecht verhält. Sie müssen aber sofort reagieren, wenn offensichtlich ist, dass ein Fehlverhalten vorliegt und sich eine gefährliche Situation anbahnt. Das geht aus dem Urteil des Oberlandesgericht Rostock hervor, wie die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins berichtete.

Im konkreten Fall wollte eine 71-jährige Fußgängerin außerhalb einer geschlossenen Ortschaft eine Straße überqueren. Sie blieb aber mitten auf der linken Fahrbahn stehen, obwohl es ihr ohne weiteres möglich gewesen wäre, die Straße zu überqueren, bevor das nächste Auto kam. Ein Wagen näherte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h. Kurz bevor er die Unfallstelle erreichte, ging die Fußgängerin plötzlich los. Sie wurde von dem Auto erfasst und schwer verletzt. Ihre Krankenkasse verklagte daraufhin die Autofahrerin.

Das Gericht stellte den Angaben zufolge allerdings fest, dass die Fußgängerin ein erhebliches Mitverschulden traf, denn sie hätte die Fahrbahn zügig überqueren müssen. Die Fahrerin hätte jedoch auf Grund des außergewöhnlichen Verhaltens der Fußgängerin ihre Geschwindigkeit reduzieren und bremsbereit sein müssen. Normalerweise müsse man nicht mit einem falschen Verhalten eines Fußgängers rechnen, wenn dieser am Fahrbahnrand stehen bleibe, urteilten die Richter. Die Fußgängerin habe in diesem Fall aber auf der Fahrbahn gestanden. Die Autofahrerin hatte dieses merkwürdige Verhalten auch bemerkt und hätte reagieren müssen.

Aktenzeichen: 8 U 88/04

har/AP

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