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07. September 2018, 07:26 Uhr

Gerichtsurteil

Vorfahrt an der Autobahnauffahrt kann sich ändern

Wer auf die Autobahn auffährt, muss dem Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt gewähren? Das gilt meistens, aber nicht immer - wie ein Gerichtsurteil zeigt.

Beim Beschleunigungsstreifen der Autobahn gilt in der Regel: Wer auffährt, muss dem Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt gewähren. Bei Stop-and-go kann diese Regel aber entfallen, wenn der Verkehr länger zum Stehen gekommen ist, wie aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm hervorgeht, über das die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet.

Ein Autofahrer wollte seinerzeit von einem Rastplatz auf die Autobahn A 45 in Richtung Frankfurt auffahren. Dort staute sich der Verkehr. Seinem Vordermann gelang es noch, sich vom Beschleunigungsstreifen kommend zwischen zwei Lkw auf der rechten Spur einzufädeln. Er selbst kam schräg zum Stehen - halb auf der Fahrbahn und halb auf dem Beschleunigungsstreifen. Als der hintere Sattelzug wieder anfuhr, übersah dieser das Auto und stieß mit ihm zusammen. Der Autofahrer sollte im Bußgeldverfahren vor dem Amtsgericht 110 Euro zahlen, weil er wartepflichtig gewesen sei.

Das Oberlandesgericht wiederum urteilte: Kein Vorfahrtsverstoß. Diese Vorfahrtsregel gelte zwar auch bei Stop-and-go-Verkehr. Aber nicht dann, wenn der Verkehr auf der durchgehenden Spur derart zum Stehen gekommen sei, dass in kürzerer Zeit nicht mit einer Weiterfahrt zu rechnen sei.

Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme

Der Lkw-Fahrer hatte ausgesagt, dass er circa drei bis vier Minuten gestanden hatte. Dann, so das Gericht, hätte die Vorfahrt gar nicht mehr bestanden, sondern das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme.

mhu/dpa

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