Gerichtsurteil Wer Rasern die Vorfahrt nimmt, haftet mit

Obwohl ein Motorradfahrer mit 121 km/h durch die Stadt fuhr, hat er nur teilweise Schuld an einem Unfall. Ein Gericht hat entschieden: Auch die Autofahrerin, die den Raser übersah, haftet.

Motorradfahrer (Symbolbild)
DPA

Motorradfahrer (Symbolbild)


Wer einem Raser die Vorfahrt nimmt, muss bei einem Unfall für den Schaden mithaften. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Freitag mitgeteilt. Geklagt hatte die Krankenkasse eines Motorradfahrers, der in einer Tempo-50-Zone in Werl mindestens mit 121 Stundenkilometern unterwegs gewesen war. Dies hatte eine auf die Vorfahrtsstraße einbiegende Autofahrerin falsch eingeschätzt und war mit dem Motorrad zusammengestoßen.

Sie habe das heranrasende Fahrzeug erst beim Abbiegen bemerkt, gab sie an. Der Motorradfahrer wurde schwer verletzt. Das Landgericht hatte in erster Instanz die volle Schuld beim ihm gesehen.

In der jetzt mitgeteilten Entscheidung vom 23. Februar sahen die Richter des Oberlandesgerichts Hamm jedoch auch die Autofahrerin in der Haftungspflicht. Aufgrund der starken Tempoüberschreitung muss der Motorradfahrer mit 70 Prozent zwar den Hauptteil des Schadens übernehmen, für den Rest muss allerdings die Autofahrerin aufkommen.

Bei ausreichender Weitsicht hätte sie die hohe Geschwindigkeit des Motorradfahrers erkennen und in Folge stehen bleiben oder wenigstens schneller anfahren müssen, als sie es getan hatte, urteilten die Richter. In beiden Fällen sei ein Unfall vermeidbar gewesen.

Nach Angaben des Gerichts kommt es häufig zu gerichtlichem Streit nach Unfällen mit einem Raser und Vorfahrtsverletzungen. Lesen Sie hierzu auch diese ausführliche Analyse.

mhu/dpa



insgesamt 161 Beiträge
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dasistnurmeinemeinung 24.06.2016
1. Soviele Haare ...
... gibt es garnicht, an denen diese Urteil herbeigezogen wurde. Oder anders gesagt: Leute gibt Gas und habt Spass, denn wenn´s knallt, dann habt ihr nur eine Teilschuld. Unfassbar, aber wahr: Recht haben und Recht bekommen, sind zwei völlig unterschiedliche Sachen bei diesen unseren deutschen Richtern.
cvdheyden 24.06.2016
2. Gute Idee
Ich fahre dann auch einfach immer mindestens 150 in der Stadt, dann habe alle anderen Schuld. Ein lächerliches Urteil. Damit wird das Recht der Frau eingeschränkt und meins auch. Es ist für auch rechtlich nicht relevant, da das einschätzen hier nicht relevant ist. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Wenn dieser sein Pflichten verletzt, dann ist er Schuld. Nun kann es sein, das die Frau pleite geht, weil jemand zu schnell fährt und sie den Schaden tragen muss. Einen ganz faden Beigeschmack hat für mich die Tatsache, dass ausgerechnet die Krankenkasse klagt. Muss die Dame jetzt auch noch die Krankenkosten tragen? Wie gesagt, das ist rechtlich nicht nachvollziehbar. ich hoffe die Dame geht weiter durch die Instanzen.
cherrypicker 24.06.2016
3. Realitätsfremd und moralisch falsch!
Natürlich muss man als vorausschauender Autofahrer damit rechnen, dass ein Verkehrsteilnehmer auf einer übergeordneten Straße zu schnell fährt. Dass man allerdings damit rechnen soll, dass jemand mehr als doppelt so schnell fährt wie erlaubt, halte ich für falsch. Dem Motorradfahrer gehört nicht nur die komplette Schuld zugesprochen, ihm sollte auch dauerhaft der Führerschein entzogen werden und er sollte strafrechtlich belangt werden. Schließlich war er es, der das Leben und die Gesundheit Unbeteiligter mutwillig gefährdet hat. Deutschland ist immer groß darin, wenn es gegen sexuelle und religiöse Gefährder geht. Raser dagegen werden hier mit Samthadnschuhen angefasst. Dabei sollten auch sie die ganze Härte des Gesetzes spüren!
waechstwiebloed 24.06.2016
4.
Jetzt wissen wir: "Raser haben immer Vorfahrt!"
kospi 24.06.2016
5.
Selten so eine bescheuerte Begründung gelesen. Wieso muss ich als Autofahrer die Geschwindigkeit eines Rasers einschätzen können. Das ist doch völlig praxisfremd. Außerdem ist es erwiesen, dass Frauen im Allgemeinen räumlich schlechter sehen als Männer und schon aus diesem Grund die Entfernung zum ankommenden Fahrzeug schlechter einschätzen können. Das ist keine Diskriminierung der Frau als Autofahrerin, sondern einfach Fakt.
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