Geschlechterkampf Flirt für die Statistik

Frauen flirten gerne hinterm Steuer - das behauptet zumindest die Statistik. Ob das auch der Grund ist, warum Männer häufiger Punkte kassieren? Mit einer Umfrage zum Geschlechterverhältnis hinterm Lenkrad wollen die Sachverständigen von Dekra mit alten Vorurteilen aufräumen.


Jede dritte Frau flirtet im Stau
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Jede dritte Frau flirtet im Stau

Die Ausgangslage war klar: Noch immer dominiert bei Männern das Vorurteil, dass sie die besseren Autofahrer seien, mehr von der Technik verstünden und überhaupt viel besser mit Automobilen und Verkehr zurechtkämen. Die Dekra befragte nun 1350 Frauen und Männer, die in Besitz eines Führerscheins und eines Pkw sind, zu diesem Thema. Und siehe da - lediglich 17,2 Prozent der befragten Autofahrerinnen gaben an, sie fühlten sich von der modernen Technik im Auto überfordert. Das gleiche Eingeständnis legten allerdings 31 Prozent der befragten Männer ab. Die Umfragewerte ähneln sich aber, wenn nach den Erfahrungen in der Werkstatt gefragt wird. Rund ein Drittel der Frauen und Männer gaben an, sie fühlten sich bei der Reparaturannahme im Autohaus nicht ernst genommen.

Was das Autofahren betrifft, lässt die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg die männlichen Überlegenheitsgefühle im Nu verpuffen. Unter den 6,6 Millionen "Punktehaltern", die im vergangenen Jahr in der Verkehrssünderkartei registriert waren, sah die Geschlechterverteilung wie folgt aus: 81,5 Prozent waren Männer, 18,5 Prozent Frauen. Während bei den Männern 18 Prozent der erfassten Delikte auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen waren, lag der entsprechende Wert für Autofahrerinnen bei sieben Prozent. Bei dem Anteil der Geschwindigkeitsübertretungen liegen beide Geschlechter etwa gleichauf.

Es deutet also vieles darauf hin, dass Frauen und Männer in puncto Autofahren gar nicht so unterschiedlich sind, wie Motor-Machos und Gasfuß-Galane gerne behaupten. Und wo es Differenzen gibt, stehen die Frauen meist besser da. Einen möglichen Grund dafür liefert ebenfalls die Statistik. Während Männer im Stau im Normalfall mit Ungeduld reagieren, nutzt jede dritte Frau den Stillstand des Verkehrs zu einem Flirt. Dass mancher Mann dann, wenn es wieder weitergeht, auf Grund einer Hormonüberdosis die eine oder andere Regel der Straßenverkehrsordnung missachtet, ist auch für führerscheinlose Zeitgenossen nachvollziehbar.



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