Gesperrte Autobahn Los Angeles rüstet sich für den Mega-Stau

Verstopfte Straßen, lange Staus - das gibt es im Autoland USA täglich. Doch an diesem Wochenende könnte Los Angeles regelrecht erstarren: Die meistbefahrene Stadtautobahn wird 53 Stunden lang gesperrt. Verkehrsplaner, Polizei und Rettungskräfte rüsten sich für das "Carmageddon".

REUTERS

Los Angeles - Die Verkehrswächter kommen oft zu Wort, dieser Tage in Los Angeles. Ob im Radio, im Fernsehen oder in Zeitungen - überall treten sie als Ratgeber auf. Doch kaum einer wagt vorherzusagen, dass es schon nicht so schlimm wird. Im Gegenteil: "Es wird ein absoluter Alptraum sein", warnt der Bürgermeister Antonio Villaraigosa die autobesessenen Angelenos. Fast scheint es, die kalifornische Metropole bereite sich auf eine Naturkatastrophe vor. Und tatsächlich dürfte zumindest das zu erwartende Chaos mit den Folgen, die zum Beispiel ein Erdbebens nach sich ziehen würde, durchaus vergleichbar sein: Ab Mitternacht Freitag bis zum frühen Montagmorgen wird der meistbefahrene Highway von Los Angeles komplett stillgelegt.

Die Autobahn 405 ist die Lebenslinie im Westen der Millionenstadt, die unter anderem den Flughafen und die Strände von Santa Monica mit dem dicht besiedelten San Fernando Valley im Norden verbindet. Seit Wochen spricht man in L.A. von nichts anderem als dem befürchteten "Carmageddon", in Anlehnung an das filmische Katastrophen-Spektakel "Armageddon - Das jüngste Gericht" von 1998.

Mehr als 300.000 Autos passieren täglich den rund 16 Kilometer langen Autobahnabschnitt, der nun komplett für Bauarbeiten gesperrt wird. Eine Brücke wird abgerissen, um Platz für eine weitere Fahrspur zu machen. Was würden Berlins Autofahrer sagen, wenn die A 100 - die mit streckenweise fast 200.000 Autos pro Tag als Deutschlands meistbefahrene Straße gilt - einfach dicht machen würde?

Tom Hanks warnt seine Mitbürger

Ein Video mit dem Titel "Hitler schimpft über Carmageddon" wurde auf dem Videokanal Youtube seit vergangener Woche über 230.000 Mal angeklickt. Eine Szene aus "Der Untergang" im Führerbunker wird darin mit englischen Untertiteln verulkt. Hitler gerät in Rage. Wie könne er es rechtzeitig zum Flughafen schaffen, wenn der Highway geschlossen wird, flucht er in dem Videospot.

"Vermeide Carmageddon", rät Oscar-Preisträger Tom Hanks in einer Twitterbotschaft. "STAY HOME". Bleibt am Wochenende einfach in eurer Umgebung, mahnt der Schauspieler. Hanks zählt mit Ashton Kutcher zu einer handvoll Stars, die eigens von der Polizei darum gebeten wurden, die Nachricht von der Straßensperrung werbewirksam zu verbreiten, um dem befürchteten Verkehrschaos vorzubeugen.

Längst werden mit "Carmageddon" auch Geschäfte gemacht. Die Fluggesellschaft JetBlue bietet am Wochenende Billigflüge zwischen Burbank und Long Beach an. Laut Fluglinie dauert der Trip knapp 20 Minuten. Im Vorverkauf waren die Plätze der "Flieg über den 405er"-Aktion schnell vergriffen. Eine Charterflugfirma bietet für 150 Dollar ein "Flug-Taxi" mit dem Hubschrauber an.

Behörden wollen streng über Ordnung wachen

Ein Sightseeing-Unternehmen setzt auf Schaulustige, die den leeren Highway mit einem Glas Champagner aus der Luft erleben möchten. 400 Dollar muss ein Paar für das Helikopter-Vergnügen zahlen. Billigere Andenken an das historische Ereignis gibt es als T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich habe die 405-Sperrung überlebt". Das berühmte Getty-Museum, eine vielbesuchte Touristenattraktion gleich neben dem gesperrten Highway, bleibt am Wochenende notgedrungen geschlossen.

Die Behörden machen sich unterdessen auf betriebsame Tage gefasst. Abschleppwagen für gestrandete Autofahrer stehen bereit. Über 50 Kilometer lange Staus werden auf den umliegenden Straßen und Autobahnen erwartet. Spontane Partys und Radeltouren auf dem autofreien Highway will die Polizei sofort unterbinden. Man werde "schnell und durchgreifend" für Ordnung sorgen, sagte Einsatzleiter Andy Smith der "Los Angeles Times".

Doch vielleicht passiert gerade das Gegenteil, wie schon bei der Olympiade 1984. Auch damals warnten Stadt und Polizei vor einem Megastau, der allerdings nie eintrat. Die Abschreckungskampagne war so gut, dass die meisten Einwohner zu Hause blieben.

mik/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Thomas Kossatz 15.07.2011
1. Titel
"Carmageddon" leitet sich in diesem Fall nicht, wie im Artikel behauptet, vom Film ab, sondern von einem Computer-Rennspiel, bei dem man auch vorzüglich Autos zerlegen kann. http://blogs.laweekly.com/informer/2011/07/carmageddon_faq.php
toledo, 15.07.2011
2. ....
Wenn ich mich richtig erinnere, ist die I-405 eine Stadtautobahn, die an einigen Stellen eh schon 7(!) Fahrspuren hat! Der SPON Vergleich mit einer Naturkatastrophe ist natürlich Unsinn, weil dabei ja dann die Einwohner evakuiert werden müßten. Wer die Verhältnisse vor Ort kennt, muss eigentlich die angesetzte Dauer von 53 Stunden bewundern, mit denen man im autofeindlichen Deutschland (Auto kaufen ja für Arbeitsplätze und Sozialstaat, aber bitte bitte nicht benutzen!) niemals schon aus ideologischen Gründen zurechtkommen würde.
der_rookie 15.07.2011
3.
Zitat von toledoWenn ich mich richtig erinnere, ist die I-405 eine Stadtautobahn, die an einigen Stellen eh schon 7(!) Fahrspuren hat! Der SPON Vergleich mit einer Naturkatastrophe ist natürlich Unsinn, weil dabei ja dann die Einwohner evakuiert werden müßten. Wer die Verhältnisse vor Ort kennt, muss eigentlich die angesetzte Dauer von 53 Stunden bewundern, mit denen man im autofeindlichen Deutschland (Auto kaufen ja für Arbeitsplätze und Sozialstaat, aber bitte bitte nicht benutzen!) niemals schon aus ideologischen Gründen zurechtkommen würde.
Wieso? Hier geht doch alles schnell: In diesem Jahr haben wir die konkreten Planungen der Eisenbahnzuführungen zum Brennerbasistunnel gestarte. Nicht so wie unsere südlichen Nachbarn. Die Österreich sind so schludrig: Die haben einfach 80% der neu zu bauenden Zufahrtsstrecken bereits fertiggestellt. Wir dagegen machen das ordentlich und planen nun eine Inbetriebnahme zwischen 2025 und 2030. Das ist solide Arbeit! Außerdem: In 53 Stunden eine Brücke abreißen und neubauen: Das ist wieder typisch amerikanisch. Die wollen ihren geknechteten Arbeitern einfach nur kurzfristige Zeitverträge geben. Ich plädiere für unbefristete Baustellen. Damit sichern wir wenigstens die Bauarbeiter ab. So nehmen wir dann unseren Parkschützern auch nicht ihren Spaß.
ppzambesi 15.07.2011
4. Verkehrte Welt
Bild #5: "Flexibles Schießungssystem: An einzelnen Stellen war die Durchfahrt am Freitag auch nach Mitternacht noch möglich." Also hatte Galileo Galilei recht, als er einst ausrief: "Und sie bewegt sich doch!" - Rückwärts!
astrastar 15.07.2011
5. Wenn sowas planbar ist, ist das kein Problem
Schlimm ist sowas wenn es aus heiterem Himmel kommt. Ich war im Sommer 2003 von der 14 stündigen Sperrung der A4 Aachen-Köln in beide Richtungen betroffen. Das war Autoverkehrsmäßig der schlimmste Tag den es im Rheinland je gegeben hat. Ich wollte an diesem Freitagnachmittag von Bonn nach Eschweiler (ca. 75km) fahren. Für normal eine Strecke von 50min.. Ich hab an diesem Tag 4,75 Stunden gebraucht.
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